12.10.2018 /
Türkei
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Türkei: US-Pastor Andrew Brunson soeben freigelassen

Dramatische Wende im Fall des US-Pastors Andrew Brunson: Nach rund zwei Jahren in Haft wurde der seit 23 Jahren in der Türkei lebende Pastor freigesprochen.

Mehr und mehr drang der Fall um den in der Türkei inhaftierten US-Pastor Andrew Brunson im Laufe der letzten Monate in den Brennpunkt der Öffentlichkeit. Im Vorfeld des mit Spannung erwarteten Gerichtstermins von heute, 12. Oktober, verstrickten sich die Zeugen der Anklage in einer, von der Presse «als bizarren Austausch» bezeichneten Anhörung gegenseitig in Widersprüche. Die türkische Zeitung «Hürriyet» berichtet, dass drei Zeugen ihre Aussagen zurückzogen. Zentrale Zeugenaussagen seien in sich zusammengefallen.

Ein Gericht in Aliaga hob nun den Hausarrest und die Ausgangssperre gegen Andrew Brunson auf.

Geopolitisches Ausmaß

Wiederholt hatten sich zuletzt US-Präsident Donald Trump und sein Vize Mike Pence für Brunson eingesetzt. Vor seiner Festnahme hatte er eine kleine Gemeinde in der westtürkischen Küstenstadt Izmir geleitet. Ende Juli entließ ein Gericht Brunson in den Hausarrest. In diesem musste er eine Fussfessel tragen, die Freilassung wurde zu diesem Zeitpunkt noch verweigert.

Washington reagierte mit Sanktionen gegen zwei türkische Minister und verdoppelte die Zölle auf Stahl- und Aluminiumimporte aus der Türkei. In diesem Zug brach die türkische Lira ein, die Angst einer Wirtschaftskrise stieg – immerhin hatte die türkische Währung seit Jahresbeginn um 40 Prozent des Wertes verloren.

Aufwind für Lira

«Wie ein Pastor den Lira-Verfall stoppen könnte», titulierte das «Handelsblatt» und erwähnte bereits im Vorfeld des Gerichtstermins, dass die Spekulationen über den nun eingetretenen Gerichtsentscheid der Lira bereits Aufwind gegeben hatten.

Oft war Brunson als politische Pfand für den in den USA lebenden Fethulla Gülen, dessen Auslieferung Istanbul fordert, bezeichnet worden.

Andrew Brunson wurde im Oktober 2016 verhaftet und hätte im Falle einer Verurteilung mit bis zu 35 Jahren Gefängnis rechnen müssen. Dem Pastor war vorgeworfen worden, den Putschversuch vom 15. Juli 2016 gegen Präsident Erdogan unterstützt zu haben. Er dementierte diese Anschuldigungen und nannte sie «beschämend und ekelhaft».