16.09.2022 /
Syrien
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Syrien: Küchen der Hoffnung

Seit vier Jahren bereitet die Kirche Mar Elias in Al-Hawash im Westen Syriens Mahlzeiten für alleinstehende und ältere Menschen zu. Für Nariman und Nazek, die für dieses Projekt verantwortlich sind, tut diese Kirche weit mehr, als nur die Überlebenden des Krieges zu ernähren.

Der Duft von Essen erfüllt den Kirchenraum. Ein Dutzend Frauen bereitet das Essen für etwa 150 ältere Menschen zu, die auch heute wieder eine warme Mahlzeit erhalten. Vor dem Gebäude werden Kibbeh (Bällchen aus Bulgur und Faschiertem) über dem Feuer gekocht. Drinnen wird ein süßer Reisbrei geköchelt. Bald werden die ersten Fahrdienste vom Hoffnungszentrum aus starten, um die Mahlzeiten zu verteilen.

»Wir wollten den älteren Menschen zur Seite stehen, die allein sind und niemanden haben, der sich um sie kümmert«, fasst Nariman Khoury zusammen. So nahm die Wohltätigkeitsküche vor vier Jahren von der griechisch-orthodoxen Kirche Mar Elias ausgehend ihren Betrieb auf. Diese Kirche ist eines der von Open Doors unterstützten Hoffnungszentren in Syrien.

Essen und menschliche Nähe

»Wir helfen Menschen, die nicht allein für ihren Lebensunterhalt sorgen können. Weil ihre Kinder das Land verlassen haben oder weil sie überhaupt keine Kinder haben, die ihnen helfen könnten«, erzählt Nariman.

Zweimal pro Woche erhalten 150 Menschen kostenlos eine gesunde Mahlzeit. »Der Bedarf ist enorm«, fügt Nazek, Narimans Partnerin, hinzu. »Ohne dieses Essen wäre ihre Situation dramatisch.« Doch die Teams von Nazek und Nariman bieten mehr als nur Essen. Sie besuchen die Klienten zweimal pro Woche, wobei sie von rund 20 Freiwilligen unterstützt werden, die sich abwechseln. »Wir helfen den Menschen gerne, weil wir selbst viel Leid erfahren haben.«

Das Mitgefühl von Überlebenden

Beide Frauen haben eine Brustkrebserkrankung überlebt. »Die Ärzte haben uns verboten zu arbeiten, aber wenn wir diese Arbeit tun, verschwindet all unsere Müdigkeit«, sagt Nazek. »Wir wissen, wie es ist, vor Schwierigkeiten zu stehen, denn wir haben selbst viel durchgemacht.«

Die derzeitige Situation in Syrien steht in starkem Kontrast zum Leben vor Beginn des Krieges im Jahr 2011. «Niemand war bedürftig, wir hatten ein gutes Leben», erinnert sich Nariman, die durch den Krieg alles verloren hat. »Wir lebten in Homs. Unser Haus wurde zerstört. Mein Mann ist Arzt und ich bin Apothekerin. Mein Mann wurde entführt und bedroht, die Apotheke wurde ebenfalls zerstört. Wir haben alles verloren und sind als Binnenvertriebene hierhergekommen. Ich wohne hier im Haus meiner Eltern, wir hatten keinen Ort zum Schlafen. Ja, ich weiß, wie sehr die Menschen leiden...«

Eine Zukunft für junge Menschen

Narimans Sohn hat vor kurzem das Land verlassen. Wie so viele andere junge Menschen sah er in Syrien keine Zukunft mehr. »Selbst wenn man ein Einkommen hat, reicht es meist nicht aus, um eine Familie zu ernähren«, erklärt sie in dem Versuch, ihre Trauer zu verbergen.

Doch die Kirche bietet Mikrokredite für Leute in arbeitsfähigem Alter an. Sie hat erfolgreich in mehrere neue Unternehmen investiert, so etwa in ein Sägewerk und in eine Schmiede. »Wir hoffen, dass das der jüngeren Generation helfen wird, in Syrien zu bleiben.«