10.12.2019 /
Sudan
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Sudan: «Christen sollen ihren Glauben frei leben können»

Bewegen wir uns nach Jahren der Verfolgung im Sudan auf eine echte Öffnung für Christen zu? Dies scheint zumindest so, wenn die Worte von Nasreddine Mufreh umgesetzt werden. Der sudanesische Minister für religiöse Angelegenheiten sagte, dass den Christen gestohlenes Eigentum zurückgegeben werden soll und dass sie frei sein sollen, ihren Glauben frei auszuüben.

Seine Aussagen machte Nasreddine Mufreh in einem Interview mit der panarabischen Zeitung «Asharq Al-Awsat». Er wies darauf hin, dass Christen nicht als Mitglieder einer Minderheit betrachtet werden sollten: «Sie sind Sudanesen und ihre Religion ist himmlisch mit ihren Werten und Überzeugungen.» Er fügte auch hinzu: «Christen wurden unter dem Regime des abgesetzten Präsidenten Omar al-Bashir verfolgt, aber das muss sich ändern.»

Starke Verfolgungen unter Omar al-Bashir

Diese Ankündigung gibt Hoffnung in einem Land, in dem Gesetze gegen Blasphemie, Abtrünnigkeit und weitere harte Gesetze in Kraft sind. Diese Gesetze wurden in der Vergangenheit häufig angewandt, um Christen zu verfolgen. Sie können zum Beispiel für ihre Kirchen keine offizielle Anerkennung erhalten oder neue Kirchengebäude bauen lassen.

Unter der vorherigen Regierung wurden Dutzende von Kirchen beschlagnahmt und zerstört, unter dem Vorwand, dass sie nicht über die notwendigen Genehmigungen verfügten.

Immer in Top-20 auf Weltverfolgungsindex

Christen wurden unter der diktatorischen Herrschaft des ehemaligen Präsidenten Omar al-Bashir massiv verfolgt. Der Sudan war stets in den Top-20 der Länder des Weltverfolgungsindex platziert.

Omar al-Bashir blieb 30 Jahre lang an der Macht und wurde am 11. April 2019 nach viermonatigen Demonstrationen durch einen Militärputsch gestürzt. Im vergangenen September wurde eine neue Regierung gebildet, die der Religionsfreiheit offenbar mehr entgegenkommt.

Gottesdienste am Sonntag möglich

Wie in islamischen Ländern üblich, ist der wöchentliche Feiertag im Sudan der Freitag und Samstag. Die Christen im Sudan haben sich deshalb immer diskriminiert gefühlt. Unter dem ehemaligen islamischen Regime konnten die Arbeitgeber der Christen ihnen erlauben, sonntags nach eigenem Ermessen die Kirche zu besuchen.

Wenn diese nicht einverstanden waren, hatten die Christen keine rechtliche Abstützung, während die Muslime frei zum Gebet bekommen mussten. Auch verbot das ehemalige Regime, dass christliche Schulen am Samstag offen haben dürfen. Also mussten sie am Sonntag Unterricht erteilen oder aber nur vier Tage pro Woche geöffnet sein.

Nicht-Muslime sollen stärker berücksichtigt werden

Am 11. November wies das Büro des neuen Premierministers nun verschiedene öffentliche Institutionen an, die Arbeitszeiten von Nicht-Muslimen zu berücksichtigen, damit sie religiöse Riten und Zeremonien durchführen können.

Sie verboten akademischen Einrichtungen das Organisieren von Prüfungen am 25. Dezember und 7. Jänner (Koptisches Weihnachtsfest) und ermächtigten die Christen, die Arbeit am Sonntag um 10 Uhr zu verlassen, damit sie die Kirche besuchen können.