22.06.2018 /
Nordkorea
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Nordkorea: Die Christen beten für Kim Jong-Un

Nach dem Gipfel der vergangenen Wochezwischen Donald Trump und Kim Jong-Un sind die nordkoreanischen Christen gespalten. Sie beten aber weiter, dass sich das abgeschottete Land öffnet und sich die Lage der Christen positiv verändert.

Seit 2002 führt Nordkorea den jährlich von Open Doors publizierten Weltverfolgungsindex an. Sein Regime, das auf dem Personenkult des Führers basiert, ist eine extreme Diktatur. Die Spannungen zwischen den Vereinigten Staaten und Nordkorea schienen den Dialog unmöglich zu machen. Dennoch fand am 12. Juni 2018 im Capella Hotel auf der Insel Sentosa in Singapur ein historisches Treffen zwischen Donald Trump und Kim Jong-Un statt.

Open Doors hat einige im Ausland lebende nordkoreanische Christen um ihre Einschätzung der aktuellen Entwicklung gebeten:

Yong Sook, deren Mann in einem nordkoreanischen Gefängnis starb, lebt heute in Südkorea. Sie meint: "Kim Jong-Un sollte eingestehen, welche Verbrechen er und sein Regime begangen haben. Er sollte die Tore der Arbeitslager öffnen und niederknien, um jene um Verzeihung zu bitten, die wegen seines Regimes gelitten haben. Das Leben jedes nordkoreanischen Bürgers ist genauso wertvoll wie das von Kim Jong-Un."

Aber die nordkoreanischen Gläubigen haben die Hoffnung nicht aufgegeben und stehen im Gebet weiter dafür ein, dass sich das Regime von Kim Jong-Un ändert. Das Land befindet sich in einer katastrophalen Situation und braucht dringend wirtschaftliche Unterstützung von der internationalen Gemeinschaft. Diese Tatsache könnte eine positive Entwicklung einleiten. Der nordkoreanische Menschenrechtsanwalt John Choi sieht das Ergebnis des Gipfels optimistisch: "Hoffen wir, dass die nukleare Abrüstung dazu führt, dass mehr Geld zur Verfügung steht, um die Bürger Nordkoreas zu ernähren und ihnen ein besseres Leben zu ermöglichen", sagt er. "Kim Jong-Un hat in den Gesprächen die Gefangenenlager und die Religionsfreiheit noch nicht erwähnt. Es ist ein langer Prozess, für den ich mich weiterhin einsetzen werde. Ich bete dafür."

Etwa 300 000 Christen leben in Nordkorea. Sie müssen ihren Glauben geheim halten. Davon sind 70 000 in Haft oder in Arbeitslagern. Sie ertragen unvorstellbare, unmenschliche Folter und erleben Erniedrigung und Leid wegen ihres Glaubens.

Vor dem Gipfel sagte Kim Hak Song, ein ehemaliger nordkoreanischer Gefangener, dass er wegen seiner "illegaler Gebetsaktivitäten" in ein Arbeitslager geschickt wurde. Mit Hilfe eines Systems von Belohnungen und Drohungen werden die Nordkoreaner dazu angehalten, jede Handlung gegen das Regime, kriminelle Aktivitäten oder politischen Ungehorsam zu denunzieren.

Im Jahr 2017 wurden nach Angaben des US-Außenministeriums mehr als 1300 Verletzungen der Religionsfreiheit in Nordkorea registriert. Die Zahl der politischen Gefangenen wird auf über 120 000 geschätzt.