30.04.2020 /
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NORDAFRIKA: Leyla: »Von Jesus kann ich nicht mehr lassen!«


Die Zeit reicht nur für ein kurzes Treffen mit Leyla* (im Bild) und ihrem Pastor, denn es wird erwartet, dass sie von der Universität direkt nach Hause kommt. Während sie den Mitarbeitern von Open Doors von ihrem neuen Leben als Christin berichtet, sieht sie immer wieder auf die Uhr, damit sie nicht den richtigen Zeitpunkt verpasst, um sich auf den Weg zu machen. Vor ihrem Vater und dem Großteil ihrer Familie muss die 22-Jährige ihren Glauben geheim halten.

Als Kind hatte Leyla im Fernsehen eine Christin beten sehen, und die Frau dankte Gott. »Das fand ich merkwürdig, weil wir im Islam Gott immer um irgendetwas bitten. Auf die Idee, ihm zu danken, sind wir nicht gekommen.« In einer streng muslimischen Umgebung aufgewachsen, las Leyla im Koran und betete, wie sie es diesem Abend hatte ich das Gefühl, dass ich etwas anders machen sollte. Ich tat, was diese Frau im Fernsehen getan hatte: Ich dankte Gott.« Das war der Anfang von Leylas Suche.

Eine dramatische Wende
Zwischen Leylas Eltern kam es einige Jahre später zu einer schweren Krise und letztlich zur Scheidung. Das Leben schien Leyla zu entgleiten. Sie begann zu rauchen, wurde aggressiv und erlitt schließlich einen psychischen Zusammenbruch. Einen Selbstmordversuch überlebte sie, kam aber später mit einer Nierenentzündung ins Krankenhaus, wo sie zwei Monate bleiben musste. Dort fragte sie Gott nach dem Sinn ihres Lebens.
 
Als sie wieder zu Hause war, ging Leyla im Internet auf die Suche und fand eine Seite von Christen in ihrem Land. »Diese Seite klickte ich an und schickte eine Nachricht.« Anfangs bekam sie nur zögerliche Antworten. In der muslimischen Welt müssen Gemeinden immer damit rechnen, ausspioniert zu werden. So fiel es Leyla schwer, Kontakt aufzubauen. Aber schließlich kam sie mit einem Pastor in Kontakt. Er besorgte ihr eine Bibel.
 
Antworten auf ihre Fragen an Gott
Im ersten Gottesdienst, den sie besuchte, ging es um Johannes 14,6: ›Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben‹. »Während der Pastor predigte, hatte ich das Gefühl, er hätte direkt auf die Fragen geantwortet, die ich Gott im Krankenhaus gestellt hatte. An jenem Tag entschied ich mich für Jesus.«
Leyla besuchte Gottesdienste und Bibelgruppen. Zu Hause las sie nun regelmäßig im Wort Gottes. »In der Bibel zu lesen, wurde mir zum Bedürfnis. Richtig glücklich war ich dabei – und innerlich ganz ruhig.«

Ihre Mutter weiß, dass sie Christin ist und akzeptiert es. Aber Leyla hat große Angst, ihrem Vater davon zu erzählen, denn er hatte sie früher einmal mit einem Messer bedroht, weil sie mit ihm über Fragen zum Islam diskutieren hatte wollen. »Er ist ein freundlicher Mann, aber von Zeit zu Zeit kommt sein anderes Gesicht zum Vorschein. Wie er reagieren würde, wenn ich ihm sagen würde, dass ich Christin bin, ist völlig unvorhersehbar.« Leylas Onkel und Tante hatten sie schon einmal stark ermahnt, sie solle nicht mit Christen sprechen. Eine strenggläubige Mitschülerin hatte sich völlig von ihr abgewandt, nachdem sie einmal versucht hatte, mit ihr über den christlichen Glauben zu sprechen.



»Jesus ist wie Sauerstoff«
Danach wurde sie vorsichtig, aber den christlichen Glauben aufzugeben, kommt für Leyla nicht in Frage: »Jesus ist wie Sauerstoff, denn ohne Sauerstoff kann man nicht atmen. Gäbe es Jesus nicht, wäre ich heute überhaupt nicht mehr am Leben. Es ist, als hätte mich jemand aus dem Mistkübel gezogen und gewaschen. Was immer in meinem Leben auch passiert: Von Jesus kann ich nicht mehr lassen.«

Leyla hatte das Privileg, als junge Christin gleich eine Gemeinschaft zu finden, die nicht nur Gottesdienste und Bibelgruppen anbietet, sondern mit Unterstützung von Open Doors auch Bibelkurse. Viele Muslime,
sowohl in nordafrikanischen Ländern als auch anderswo in der islamischen Welt, bleiben allein, nachdem sie zum Glauben an Jesus gefunden haben.

Leyla ist Gott zutiefst dankbar dafür, dass sie erkennen durfte, wie er wirklich ist. »Ich habe das Glück, eine besondere Beziehung zu Gott zu haben, aber wenn ich meine Familie sehe, fühle ich mich schlecht. Ich liebe meine Familie, ich liebe meinen Vater. Ich möchte, dass sie auch Christen werden. Es ist schwierig, dies anderen zu erklären, aber das Christentum ist keine Religion, in der man verpflichtet ist, jeden Tag zu beten – es ist eine Beziehung.« /

*Name geändert

Auszug Open Doors Magazin - Mai 2020