05.11.2021 /
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Nordafrika: Einen Ehemann um jeden Preis?

Viele Konvertitinnen stehen in Nordafrika unter Druck, um jeden Preis zu heiraten. Aber es gibt nicht viele junge christliche Männer. Nelya* hat vor Kurzem den Mann geheiratet, den sie liebt. »Langsam ändern sich die Dinge«, sagt sie und meint damit den Respekt, der den Frauen entgegengebracht wird, und die Einstellung der Kirchen und christlichen Paare in muslimischen Ländern.

Nelya trägt ein buntes Kleid und offenes Haar. Sie ist eine lebensfrohe junge Frau mit einem ansteckenden Glauben. Vor Kurzem hat sie einen Christen geheiratet. Keine arrangierte Ehe, wie die ihrer Eltern. Sie und ihr Mann haben sich beim Theologiestudium kennengelernt und sich ineinander verliebt.

Die junge Frau weiß, dass sie Glück hat, denn ihre Geschichte ist keineswegs repräsentativ. Christinnen mit muslimischem Hintergrund sind in Ländern wie Algerien, Libyen, Mauretanien, Marokko oder Tunesien normalerweise starkem Druck ausgesetzt. »Leider gibt es viele Geschichten, die mich traurig machen über die Situation der Frauen«, sagt sie.

Einen Muslim heiraten oder ledig bleiben

In ganz Nordafrika haben die christlichen Frauen große Mühe, einen Ehemann zu finden, der ihren Glauben teilt. »Viele sagen, dass sie eigentlich keine Wahl haben, denn es ist eine Schande für ein Mädchen, mit über 25 noch nicht verheiratet zu sein. Gewissermaßen wird man erst durch die Ehe wirklich als Frau anerkannt. Diese Denkweise herrscht auch in gewissen Kirchen vor. Man sieht oft vierzig- und sogar fünfzigjährige Männer, die Mädchen in den Zwanzigern einen Antrag machen«, erklärt Nelya.

Andere Frauen fühlen sich so bedrängt, dass sie schließlich einen Muslim heiraten. »In den meisten Fällen wird es für sie sehr schwierig sein, an ihrem Glauben festzuhalten«, meint Nelya. »Einige werden Jesus weiterhin heimlich folgen. Es ist leider sehr selten, dass sich dann auch der Ehemann zu Jesus bekehrt.«

Am öffentlichen Leben teilnehmen und die Kirche besuchen

In der islamischen Kultur sind Frauen und Männer nicht gleichgestellt. Das macht es für christliche Frauen sehr schwierig, andere Christen zu treffen, da sie ihr Haus nur in Begleitung eines männlichen Familienmitgliedes verlassen dürfen.  

Nelya bezeichnet die Verfolgung, der die Frauen in Nordafrika ausgesetzt sind, als »moralische Verfolgung«. Von ihren Familien und der Gesellschaft abgelehnt, können sie von der Familie unter Hausarrest gestellt werden. Sie stoßen auf Widerstand, wenn sie einen christlichen Mann heiraten wollen. Die Familie übt starken Druck auf sie aus, damit sie die muslimischen Traditionen befolgen und ihren Glauben an Jesus aufgeben. »Es kommt vor, dass Frauen von ihren Familien vertrieben werden und die Kirche sich dann um sie kümmert«, erläutert Nelya.

Die islamische Denkweise ändern

Nordafrika ist seit mehr als tausend Jahren vom islamischen Denken geprägt. Dadurch wurde natürlich auch die Kirche beeinflusst, die sich aus Konvertiten aus dem Islam zusammensetzt. Häusliche Gewalt gilt als kulturell akzeptabel, selbst für Älteste und Gemeindeleiter. Doch mehr und mehr stehen auch Pastoren dagegen auf. Nelya sieht Fortschritte: »Die Kirche unterstützt die Frauen zunehmend. In der Leiterschulung, die wir mit Unterstützung von Open Doors anbieten, kommt beispielsweise die Stellung der Frau aus biblischer Sicht zur Sprache. Der Kurs richtet sich an Männer und an Frauen.« Die Frauen nehmen ihren Platz auch in den Schulungen zum Thema Traumabewusstsein ein, die in Nordafrika vermehrt organisiert werden.

Aber der Wandel wird Zeit brauchen: »Es gibt viel zu tun, und wir müssen mit Geduld und Weisheit vorgehen«, meint Nelya abschließend.

* Name geändert