15.07.2021 /
Nigeria
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Nigeria: 140 Schüler entführt

Überfall auf christliches Internat ist die vierte Massenentführung in diesem Jahr allein im Bundesstaat Kaduna.

Am Montag überfielen unbekannte Bewaffnete ein baptistisches Internat im Nordwesten Nigerias und entführten 140 Schüler. Die mit Schusswaffen ausgestatteten Angreifer überwältigten in den frühen Morgenstunden die Sicherheitskräfte der Bethel Baptist High School im Bundesstaat Kaduna und brachten die meisten der 165 Schüler, die in dem Internat wohnten, in ihre Gewalt. "Nur 25 Schüler konnten entkommen. Wir wissen noch nicht, wohin die Schüler verschleppt wurden“, sagte Emmanuel Paul, ein Lehrer des Internats.

Hintergründe der Tat ungeklärt

Dutzende von verzweifelten Eltern versammelten sich am Montag auf dem Schulgelände im Dorf Maramara im Regierungsbezirk Chikun. Einige der Eltern weinten und schrien, während sie auf Nachrichten über die vermissten Kinder warteten. Zurückgelassene Sandalen lagen in der Nähe verstreut.

Der Polizeisprecher des Bundesstaates Kaduna, Muhammed Jalige, bestätigte den Angriff. "Eine Spezialeinheit der Polizei verfolgt die Entführer“, sagte er. "Wir sind immer noch bei der Rettungsaktion.“ Die Polizei sagte, sie hätte 26 Menschen sicher gerettet, darunter auch eine Lehrerin.

"Bislang hat noch niemand die Verantwortung für die Entführung übernommen, aber es wird vermutet, dass kriminelle Banden dahinterstecken“, sagt Jo Newhouse*, Sprecherin für den Dienst von Open Doors in Subsahara-Afrika. "Auch wenn keine formellen Verbindungen zwischen solchen Banditen und Gruppen wie Boko Haram bestehen, gehen Analysten zunehmend von einer zumindest informellen Zusammenarbeit mit islamistischen Milizen und Beeinflussung durch dieselben aus.“

Eskalation der Gewalt

Der Überfall auf die Bethel Baptist High School ist mindestens die vierte Massenentführung von Schülern in diesem Jahr allein im Bundesstaat Kaduna. Auch in anderen Bundesstaaten überfallen kriminelle Banden immer wieder Schulen und entführen Kinder. Seit Dezember wurden in ganz Nordnigeria mehr als 1.000 Schüler entführt, neun wurden getötet. Mehr als 200 Kinder und Jugendliche werden noch vermisst, die jüngsten sind erst drei Jahre alt.

Jo Newhouse kommentierte weiter: "Ein zunehmendes Maß an Unsicherheit, Gewalt und fehlende Strafverfolgung begünstigt schwere Verletzungen der Grundrechte. Besonders besorgniserregend sind die Ausbreitung von islamisch-extremistischen Gruppen wie Boko Haram und ISWAP [Islamischer Staat in der Provinz Westafrika] im Nordosten, die Gewalt durch bewaffnete Banden im Nordwesten und die zunehmende Gewalt im Middle Belt und in Kaduna durch militante Fulani. Der Preis, den nigerianische Kinder und Familien für diese Unsicherheit zahlen, ist absolut inakzeptabel. Open Doors fordert die nigerianische Regierung auf, sicherzustellen, dass das Recht auf Bildung der nigerianischen Kinder geachtet und geschützt wird, indem sie dringend handelt, um die Sicherheit der Schulen im Norden Nigerias wiederherzustellen. Hierzu muss ein umfassender Plan aufgestellt werden, der die sichere Rückkehr der Kinder in die Schule gewährleistet, den Entführungsopfern und ihren Familien Unterstützung bietet, die Angriffe untersucht und die Verantwortlichen zur Rechenschaft zieht.“

Der Süden Nigerias ist mehrheitlich christlich geprägt, der Norden überwiegend muslimisch. Doch leben in den zwölf nördlichen Bundesstaaten auch über 11 Millionen (ca. 15 Prozent) Christen. In den vergangenen Jahren haben islamisch-extremistische Gruppen im Norden und im Middle Belt Nigerias Tausende von Christen ermordet und Hunderttausende vertrieben. Zahllose Frauen und Mädchen wurden vergewaltigt, entführt und zwangsverheiratet. Die Gewalt wirkt sich auf jeden Aspekt des Lebens aus und führt zu Traumata und wirtschaftlicher Not. Auf dem Weltverfolgungsindex 2021 steht Nigeria an 9. Stelle unter den Ländern, in denen Christen am stärksten wegen ihres Glaubens verfolgt werden.

*Name geändert

Quellen: Open Doors, BBC, Daily Mail