08.05.2022 /
Myanmar
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Myanmar: Christen immer noch im Visier der Armee

Mehr als ein Jahr nach dem Putsch, der die Armee an die Macht brachte, leben Christen in Myanmar in Angst. Sie werden regelmäßig vom Militär angegriffen.

Zahlreiche Berichte, die uns aus dem Bundesstaat Kayah erreichen, bestätigen, dass die reguläre Armee weiterhin die Kirchen angreift. Es gibt keine Anzeichen für einen Rückgang der Kämpfe oder einen Rückgang gezielter Angriffe auf Christen.

Mehr als 25 Christen im Jahr 2021 getötet

Christen sind traumatisiert und kämpfen ums Überleben. Im ganzen Land werden sie gezielt angegriffen. Kirchenführer werden verhaftet oder entführt. Zwischen Februar 2021 und Jänner 2022 wurden 47 Kirchen und 15 mit Kirchen verbundene Gebäude zerstört, hauptsächlich in den Bundesstaaten Chin und Kayah, in denen die Einwohner überwiegend Christen sind. Viele Christen haben das Land zu ihrer Sicherheit verlassen. Nach dem Putsch im Februar 2021 wurden eine Million Christen durch die Gewalt vertrieben.
Am 17. Jänner bombardierte die Armee im Osten des Landes ein Flüchtlingslager, dabei wurden drei Menschen getötet und sieben weitere verletzt. Diese Flüchtlinge waren katholische Christen, die wegen der Gewalt aus ihren Dörfern geflohen waren. Am nächsten Tag rief Priester Jakob Khun während eines Gottesdienstes zum Gedenken an die Opfer auf und um für Hoffnung zu beten.
Am 24. Dezember 2021 wurden im Bundesstaat Kayah 30 Menschen von der Armee getötet. 15 von ihnen waren junge vertriebene Christen, die nach Abschluss der Vorbereitungen für die Weihnachtsfeier auf dem Heimweg waren. Im Jahr 2021 wurden mehr als 25 Christen von der Armee getötet.

Warum werden Christen angegriffen?

Zunächst einmal lebt die Mehrheit der Christen in den Bundesstaaten Chin, Kachin und Karen, die seit mehreren Jahren Schauplatz eines Bürgerkriegs sind. Seit dem Putsch im Februar haben sich die Kämpfe verschärft. Christen unterstützen den Widerstand, auch um sich vor der Brutalität der burmesischen Armee zu schützen. Infolgedessen werden sie mit Argwohn betrachtet.
Weiters beteiligten sie sich massiv an den Demonstrationen, die zur Zeit des Staatsstreichs das Land erschütterten. Sie sind daher ein bevorzugtes Ziel für die Armee.
Und schließlich, so General Min Aung Hlaing, Oberbefehlshaber der Armee, der das Land seit Februar 2021 de facto regiert, bedeutet Burmese zu sein, Buddhist zu sein. Deshalb nutzt er die gegenwärtige Instabilität, um Christen gewaltsam zu konvertieren oder zu eliminieren.

Myanmar belegt auf dem Weltverfolgungsindex 2022 den 12. Platz, sechs Plätze höher als im Vorjahr.