16.01.2018 / news

Kirgistan: "Wir segnen die Brandstifter"

Am 10. Jänner haben wir unseren Weltverfolgungsindex publiziert. Doch auch in den Ländern, die nicht auf dieser Liste aufgeführt sind, haben Christen unter Diskriminierung, Anfeindung und Gewalttaten zu leiden, wie dieses Beispiel aus Kirgistan zeigt. Dennoch lassen sich die kirgisischen Christen nicht entmutigen.

Die kleine Baptistengemeinde von Kadschysai im zentralasiatischen Kirgistan hat ihr Gemeindehaus am 3. Jänner durch ein Feuer verloren. Sie zählt etwa 40 Mitglieder. Hier kommen Kirgisen mit Russen gemeinsam zusammen, um Jesus Christus anzubeten, die Bibel zu studieren, Sonntagsschule und andere Treffen abzuhalten. Doch nachdem in den vergangenen Jahren bereits das Dach beschädigt und Fenster eingeworfen wurden, muss die kleine Gemeinschaft sich jetzt erst einmal nach anderen Räumlichkeiten umsehen. Die Brandursache ist nicht eindeutig geklärt, bei einem ähnlichen Anschlag auf eine Kirche in der kirgisischen Stadt Tokmak im Juli 2017 wiesen Graffiti mit Drohungen an den Wänden auf einen islamistischen Hintergrund hin.

Lokale Medien berichteten über den Vorfall und lösten damit einen öffentlichen Aufschrei aus. Die Polizei nahm Ermittlungen auf und äußerte gegenüber Gemeindemitgliedern: "Das Feuer wurde offensichtlich von Menschen gelegt, die eure Kirche und euren Glauben mitten in einem muslimischen Land nicht mögen." Doch anstatt sich auf die Tätersuche zu konzentrieren, stellten die Beamten zahlreiche Fragen an die Christen, die ohne Zusammenhang zu der Tat stehen – so etwa: Wer hat den Gebäudekauf finanziert? Wie viele Kirgisen sind Teil der Gemeinde? Warum besuchen Sie die Kirche anstelle der Moschee?

Einer der Christen erklärt: "Wir glauben nicht, dass die Polizei die Brandstifter finden und bestrafen wird, aber wir segnen sie trotzdem und beten für sie. Gott weiß, wer das getan hat."

Obwohl sie schon einige Anfeindungen erlebt haben, reagieren die Christen auf diesen Angriff bemerkenswert zuversichtlich und vertrauen unerschütterlich auf Gott. Denn trotz der Zerstörung sind einige Dinge in dem Gebäude erstaunlicherweise unversehrt geblieben: die Bibel, das Klavier und das Dach. Der Pastor sieht hier Gott am Werk, denn der Brand wurde spät in der Nacht gelegt, sodass ihn niemand löschen konnte.