17.05.2019 /
Kasachstan
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Kasachstan: Polizei mit Razzien in zwei Kirchen

In Kasachstan hat die Polizei an zwei aufeinanderfolgenden Sonntagen Razzien in zwei baptistischen Gemeinden durchgeführt.

In Taraz, in der südlichen Region Zhambyl, führten Anti-Terror-Einheiten der Polizei während der Sonntagsgottesdienste zwei Razzien durch. Die beiden betroffenen Gemeinden gehören beide zur Konfession der Baptisten, berichtet die skandinavische NGO «Forum 18».

Drei Christen wurden mit einer Geldstrafe von ein bis zwei Monatsgehältern belegt. Zwei Verwarnungen wurden ausgesprochen, da den Gemeinden eine Registrierung fehlte. Zudem wurde christliche Literatur beschlagnahmt.

Gesetz muss durchgesetzt werden

Obwohl er gegenüber «Forum 18» versicherte, nicht über die Razzien gegen die Baptisten und die Geldstrafen informiert worden zu sein, rechtfertigt Balgabek Myrzayev, Leiter der kasachischen Religionsbehörde und Leiter des Ausschusses für soziale Sicherheit (der die religiösen Aktivitäten überwacht) in der Hauptstadt Astana, die Razzien: «Unsere Gesetze erlauben keine nicht registrierten religiösen Organisationen und ich habe kein Recht, das Gesetz zu ändern.» Er fuhr fort: «Wenn ein Gesetz verabschiedet wurde und in Kraft tritt, müssen sich alle daran halten.»

Baptisten nicht registriert

Um ihre Religionsfreiheit zu wahren, hat sich der Rat der Baptistischen Kirchen dafür entschieden, in keinem der Länder der ehemaligen Sowjetunion eine offizielle Registrierung zu beantragen. Er verfolgt eine Politik des zivilen Ungehorsams und weigert sich, Geldstrafen zu zahlen, die als Bestrafung der Ausübung ihrer Religions- oder Glaubensfreiheit verhängt werden.

Wachsende religiöse Einschränkungen

Im Laufe der Jahre hat die kasachische Regierung ihre Religionspolitik verschärft, um den islamistischen Terrorismus zu bekämpfen. Dabei leiden alle Religionen unter den Folgen dieser Verhärtung.

Die Regierung überwacht zunehmend christliche Versammlungen. Polizeiliche Razzien und Verhaftungen haben zugenommen, ebenso Verbote von Versammlungen, Geld- oder Gefängnisstrafen, Schließung der Kirchengebäude oder Beschlagnahmung des Eigentums. Christen unterliegen ständig gesetzlichen Einschränkungen. Sie können sogar verhaftet werden, weil sie die Bibel auf ihr Smartphone heruntergeladen haben.

2018 erneut verschärft

Im Jahr 2017 gab es 283 Fälle von Verfolgung wegen religiöser Aktivitäten in Kasachstan. Im Jahr 2018 wurden mindestens 37 Verwaltungsverfahren eingeleitet, um Einzelpersonen, Wohltätigkeitsorganisationen oder Unternehmen zu bestrafen, die Gottesdienste veranstalten oder an solchen teilnehmen. In 28 Fällen wurden Geldstrafen verhängt. Am 23. Mai 2018 nahm das Parlament einen neuen Änderungsantrag an, der die Religionsfreiheit weiter einschränkt.