18.03.2022 /
Kamerun
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Kamerun: »Ich vertraue in jeder Situation auf Gott«

Der verheerende Einfluss von Boko Haram und anderen islamischen Extremisten ist nicht nur im Nordosten Nigerias zu spüren. Die Gewalt greift auch auf Kamerun, Tschad und Niger über. Fadi Zaras Heimatdorf in Kamerun lag nahe der nigerianischen Grenze.

»Im Jahr 2013 lebte ich in Barawa, als Boko Haram unser Dorf angriff. Sie kamen in der Nacht. Sie haben viele Menschen getötet und unsere Kirchen niedergebrannt«, berichtet Fadi Zara. Für die junge Frau begann eine lange Wanderung. Von Vreket in Kamerun muss sie nach einem weiteren Angriff nach Laoudzaf fliehen. »Sie haben uns auch dort angegriffen und viele Menschen entführt, darunter auch Frauen.«

Immer wieder vertrieben

Im Oktober 2015 kommen Fadi und ihre Familie in Zeleved an. Dort werden sie mehrere Jahre verbringen.

Ihr Leben dort gleicht dem von Tausenden von Menschen, die versuchen, in den Grenzgebieten zu überleben: Tagsüber arbeiten sie in und um ihre Behausungen herum. Vor Sonnenuntergang ziehen sie sich in die nahen Berge zurück, um dort zu übernachten, aus Angst vor einem weiteren Angriff von Boko Haram.

Ein solches Leben war einfach nicht tragbar. Nach einem weiteren gewalttätigen Angriff hatten Fadi und ihre Familie genug. Sie packten ihre wenigen Habseligkeiten zusammen und flohen erneut, diesmal in die Stadt Koza. Seit Jahren lebt sie nun als Vertriebene.

Schmerzhafte Wunden

Die anhaltende Gewalt von Boko Haram hat eine zusätzliche Narbe in Fadis Herz hinterlassen: 2015 wurde ihre jüngere Schwester entführt. »Sie hieß Vusa und war 14 Jahre alt, als sie gekidnappt wurde. Sie ging mit ihren Freunden auf den Feldern arbeiten, aber sie kam nicht mit ihnen zurück. Einige Leute sagen, dass sie nicht mehr lebt, dass sie sie getötet haben. Andere sagen, dass sie eine junge Frau nicht einfach so töten können. Sie sei vielleicht zwangsverheiratet worden. Wir wissen nicht, was wir sagen sollen.«

Als Fadis Mutter diese Nachricht hörte, wusste sie nicht weiter. »Sie dachte immer wieder über die schrecklichen Ereignisse nach, die sie miterlebt hatte. Dann bekam sie Bluthochdruck und starb.«

Fadi hat überlebt, aber sie ist nicht unversehrt. »Ich kann nicht schlafen. Viele Dinge kommen zurück, wie in einer Vision oder einem Traum. Und jedes Mal weine ich, weil ich nun Waise bin. Mein Vater ist tot, Boko Haram hat meine Schwester entführt, und meine Mutter ist auch tot. Ich bin allein.«

Die Hilfe von Open Doors

2021 leistete Open Doors Nothilfe für 449 christliche Familien wie die von Fadi in Koza, im hohen Norden Kameruns. »Ich habe Reis, Fisch und einen Wasserkübel, Seife und Mais, eine Matte, ein Tuch und Pflanzenöl erhalten«, zählt die junge Frau auf. Sie ist dankbar für diese Dinge, denn es ist sehr schwierig, sich als Vertriebene selbst zu versorgen. »Es ist zwei Jahre her, seit ich so ein neues Stück Stoff bekommen habe. Aber ihr habt uns heute beschenkt. Ich bin sehr, sehr glücklich.«

Fadi fehlt es an allem, aber sie richtet ihre Bitte an Gott: »Ich brauche ihn, damit er in jeder Situation bei mir bleibt, damit ich am Ende des Tages sein Gesicht sehen kann.«

 

Schauen Sie im Video, wie Fadi ihre Geschichte selbst erzählt: