09.04.2021 /
Kamerun
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Kamerun: »Ich gebe den Glauben nicht auf«

Seit 2013 verübt Boko Haram auch Angriffe im Norden Kameruns und verbreitet Terror unter den Christen jenseits der nigerianischen Grenze. Häuser und Kirchen können wieder aufgebaut werden, aber Trauer zu überwinden und von Traumata zu heilen, ist schwieriger. Das bezeugt Sarata*.

Sarata trägt immer noch ihren Ehering, obwohl ihr Mann schon seit mehreren Jahren tot ist. In ihrem Schoß hält sie ein gefaltetes Stück Stoff und einige Blätter blaues Papier. Diese scheinbar unbedeutenden Dinge sind alles, was ihr von ihrem Mann und ihrer Tochter geblieben ist. Ihr Dorf wurde wiederholt überfallen und die Bewohner leben seit Jahren in Angst vor Angriffen durch Boko Haram. 

Die 55-jährige Sarata spricht wenig über die Angriffe von 2014, bei denen ihr Mann umkam. »Das wird ihn nicht zurückbringen«, meint sie. Hamadou*, ein Kirchenältester, erklärt, was genau passierte. »Ich kann mich gut erinnern. Der ständige Stress und die Angst vor einem drohenden Angriff waren zu viel für ihn. An jenem Tag kamen Männer in Uniform ins Dorf und feuerten Schüsse ab. Tetekwa erlitt einen Herzinfarkt. Gott hat ihn auf diese Weise heimgeholt.«

Die Last einer Witwe

»Es blieb uns nichts mehr nach seinem Tod«, erklärt Sarata. Die Verantwortung für ihre Familie ruht nun allein auf ihren Schultern, eine schwere Last für die Witwe. Sie bewirtschaftet ein Stück Land, das außerhalb des Dorfes liegt. »Wir haben Angst, hinzugehen, Angst, was unterwegs passieren könnte.« Ihre Besorgnis ist nicht unbegründet: Sarata und ihre Kinder waren am 13. September 2019 auf dem Weg zu ihrem Feld, als Boko Haram-Kämpfer angriffen. 

»Wir brachen früh am Morgen auf, um zu unserem Feld im Busch zu gehen. Die Kinder liefen weit voraus. Wir begegneten Boko Haram-Kämpfern, die uns aber nicht behelligten. Doch als sie weiter von uns entfernt waren, hörten wir Schüsse. Ich hatte große Angst – es wurde dort geschossen, wo sich meine Kinder befanden.«

Saratas Befürchtungen bestätigten sich. Die Soldaten versuchten, ihre 16-jährige Tochter Lydia zu entführen. Als sie sich wehrte, wurde sie erschossen. »Jetzt mache ich mir Sorgen um meine übrigen Kinder. Es wäre am sichersten, zu Hause zu bleiben. Aber wir müssen unser Feld bestellen gehen.« 

»Die Kirche hilft mir, wieder Frieden zu finden«

Viele Kirchen in den Grenzdörfern im Norden von Kamerun wurden niedergebrannt und ihre Pastoren getötet oder vertrieben. Hamadou bemerkt: »Bei allem, was Sarata durchgemacht hat, musste sie mit dem Wort Gottes ringen, aber sie hat ihren Glauben nicht aufgegeben. Dafür sind wir Ältesten stolz auf sie.« Sarata fügt bei: »Ich will wieder Frieden finden und bete, dass diese belastenden Gedanken und Erinnerungen verschwinden.«

Open Doors unterstützt die Ortsgemeinden, die sich um die körperlichen und seelischen Bedürfnisse dieser Opfer von Gewalt kümmern. Wir helfen mit Anwesenheit vor Ort, einkommensschaffenden Projekten, Nothilfe und Programmen zur Traumabegleitung. 

* Name geändert