19.08.2022 /
Indien
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Indien: Shekhar trifft eine schwierige Entscheidung

Pastor Shekhar wurde von der Polizei festgenommen, verhört und brutal gefoltert. Dies hat seine Familie zutiefst traumatisiert und ihre Zukunftspläne in Frage gestellt, insbesondere die Idee, dass ihr Sohn ebenfalls Pastor werden soll.  

Pastor Shekhar ist Gemeindeleiter in Südindien. 

Er fand zu Jesus, nachdem ihm jemand eine Bibel gegeben hatte. Er nahm sie mit nach Hause, und die einfache Botschaft in Johannes 3,16 wühlte ihn auf. »Ich musste immer wieder an diesen Vers denken«, erinnert er sich. »Mir wurde bewusst, dass ich ein Sünder war und dass ich Jesus brauchte, um gerettet zu werden. Dann tat ich Buße und nahm Jesus als meinen Erlöser an.«

Shekhar wurde Pastor und begegnete oft Menschen, die ihm vorwarfen, Leute mit Geld zur Bekehrung zu locken. »Sie beschuldigten uns auch, unsere Götter verlassen zu haben und fremden Göttern zu folgen.«

Indien liegt derzeit auf Platz 10 des Weltverfolgungsindex. Dort ist Feindseligkeit gegenüber Christen weit verbreitet und zeigt sich im Alltag: Verwandte sagen ihnen, dass sie den Kontakt abbrechen, dass niemand ihre Kinder werde heiraten wollen.

Aber für Pastor Shekhar und seine Familie ist die Verfolgung viel persönlicher und gewalttätiger geworden.

Eines Tages versammelte sich Shekhar mit einigen Gläubigen zu einem Gebetstreffen. Sie lobten Gott und beteten, lasen Bibelstellen und tauschten sich darüber aus. »Da erschienen mehrere Polizisten«, berichtet der Pastor. »Sie brachen das Treffen ab und begannen, uns zu bedrohen. Sie beschlagnahmten unsere Bibeln und nahmen uns dann mit zum Polizeiposten.«

Dort wurden Shekhar und die anderen Gläubigen bedrängt, geschlagen und gefoltert. »Da bekam ich Angst«, erzählt er.

Die Polizisten schlugen Shekhar mit Bambusrohren auf den Rücken und auf die Füße. Sie ohrfeigten ihn so heftig, dass sein Trommelfell platzte. Sie verhörten ihn und wollten wissen, ob er Hindus dafür bezahle, dass sie zum Christentum konvertierten. Als er die Anschuldigungen bestritt, schlugen sie ihn noch mehr. 

Das Ziel der Beamten war es, Pastor Shekhar so sehr zu verängstigen, dass er aus der Region fliehen würde. Sie ließen ihn schließlich mit einer Warnung frei: Er würde mit seiner Familie im Gefängnis landen, wenn sie nicht verschwinden würden.

Die Folgen des Traumas

Am nächsten Tag ging Pastor Shekhar zur Polizei, um zu melden, was ihm zugestoßen war. Er hoffte, dass andere Beamte den Vorfall untersuchen würden. Doch sie halfen ihm nicht und stellten ihm nur dasselbe Ultimatum: »Geht weg von hier.«

Die Polizisten, die Shekhar gefoltert hatten, suchten auch Hindu-Extremisten und Shekhars Hausbesitzer auf. Sie bedrohten diesen und befahlen ihm, er solle dafür sorgen, dass der Pastor und seine Familie ausziehen würden.

Shekhar wusste, dass seine Verhaftung und Folter tiefe Spuren bei seiner Familie hinterlassen hatten. »Während dieser ganzen Zeit habe ich mich um meine Familie gekümmert und darüber nachgedacht, was im Brief an Timotheus steht, nämlich dass ich der Ehemann meiner Frau und der Vater meiner Kinder bin, bevor ich Pastor bin«, sagt er. »Es ist meine Verantwortung, für sie zu sorgen und ihnen Sicherheit zu bieten. Ich habe mich entschieden, [unser Haus zu verlassen], damit ich für die Sicherheit meiner Familie sorgen und meinen Dienst fortsetzen kann.«

Ohne andere Wahl packte die Familie ihre Sachen und floh aus ihrer Stadt. »Es war der größte Kummer meines Lebens, meine Gemeinde und all ihre Mitglieder zurückzulassen«, bedauert er. »Meine Frau wollte nicht, dass ich meinen Dienst fortsetze. Sie wollte auch nicht, dass unser Sohn ebenfalls Pastor wird, denn wir haben viel Schmerz, Leid und Angst durchgemacht.«

Er sagte seiner Frau, dass er nicht beeinflussen könne, wozu Gott ihren Sohn berufen würde, und beruhigte sie: »Ich habe mein ganzes Leben in Gottes Hände gelegt. Ich werde ihm bis zu meinem letzten Atemzug dienen, ob in Freude oder Leid. Ich kann nicht leben, ohne Gott zu dienen.«

Als die Partner von Open Doors erfuhren, was Pastor Shekhar und die Seinen erlitten hatten, konnten sie der Familie dank Ihrer Spenden und Gebete helfen. So konnten sie ihr Leben an einem neuen Ort wieder aufbauen.