03.06.2022 /
Kongo DR (DRK)
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Demokratische Republik Kongo: »Die Schulung kam genau rechtzeitig«

Während ein Seminar zur Stärkung der Christen endet, werden im Nachbardorf Menschen getötet

»Die Schulung kam gerade zur rechten Zeit, denn im Moment erleben wir in unserer Gegend aufgrund der Unsicherheit und der wiederholten Angriffe der ADF eine sehr chaotische Zeit. Wir sehen diese Ausbildung als Gottes Vorbereitung für uns... Es ist wichtig, dass wir unser Vertrauen in den Herrn setzen, der uns verspricht, dass er uns niemals verlassen wird, auch wenn wir schwere Zeiten durchmachen.«

Mit diesen Worten reagierte Pastor Kambale auf einen tödlichen Angriff im Norden der Demokratischen Republik Kongo (DRK) vor wenigen Tagen. Er war einer von 65 Seminarteilnehmern, die ganz in der Nähe des Tatortes eine Schulung besuchten und noch während der Verabschiedung von dem Vorfall erfuhren. »Die Unterrichtseinheiten gaben uns in dieser Situation den Mut, weiterhin auf unseren Schöpfer zu vertrauen,« erklärte er.

Mehrheitlich christliche Gebiete von Islamisten kontrolliert

Das Thema der Schulung war eigentlich »Jüngerschaft«. Doch angesichts immer häufigerer Angriffe durch die islamisch-extremistischen Allied Democratic Forces (ADF), beschlossen die Kursleiter, einige Module aus dem Schulungsmaterial zur Vorbereitung auf Verfolgung mit dem Titel »Standing Strong through the Storm« einzubeziehen.

Anders als viele Rebellengruppen mit einer eher politischen Agenda verfolgen die ADF eine islamische Expansionsstrategie. Dabei gehen sie mit großer Brutalität vor und setzen oft primitive Waffen ein. Mittlerweile kontrollieren sie weite Gebiete der Provinzen Nord-Kivu und Ituri im Osten des Landes, die überwiegend von Christen bewohnt werden.

Kirchen als Zufluchtsorte überfordert

Die Unsicherheit ist in entlegenen Gebieten noch größer, wo Menschen am Rand des Dschungels ihre Felder bewirtschaften. Viele von ihnen trauen sich nicht mehr auf ihre Felder und sind deshalb von Hunger bedroht. Andere werden durch Angriffe aus ihren Häusern vertrieben; sie verlieren neben ihrer Lebensgrundlage auch ihr soziales Umfeld und werden vollständig entwurzelt. Dadurch suchen in der Region so viele Witwen und Waisen bei den Kirchen Zuflucht, dass nicht mehr alle versorgt werden können. Parallel dazu sind Kriminalität und Prostitution auf dem Vormarsch. Dieser Kreislauf ist nur sehr schwer zu durchbrechen.

Abgesehen von den offensichtlichen äußeren Bedürfnissen der Gemeinde Jesu gibt es auch einen enormen Bedarf an geistlicher Unterstützung. Lokale Pastoren sprechen davon, dass der Leib Christi nicht gut auf den Umgang mit Verfolgung oder den oft daraus resultierenden Traumata vorbereitet ist. Deshalb führt Open Doors neben der praktischen Hilfe verstärkt Seminare in den Bereichen Jüngerschaft und Vorbereitung auf Verfolgung durch.