10.07.2020 /
Ägypten
/ news

Ägypten: Koptische Christinnen verschwinden zu Hunderten

Immer mehr koptische Christinnen verschwinden. Sie werden von Islamisten entführt und gezwungen, zum Islam zu konvertieren. Mindestens vier junge koptische Christinnen und eine verheiratete Frau sind in den letzten zwei Monaten aus ihren Häusern verschwunden.

Ranya Abd al-Masih (39) ist verheiratet und Mutter von drei Töchtern – doch plötzlich war sie verschwunden. Einige Tage später äußerte sie sich in einem Video, in dem sie erklärte, dass sie zum Islam konvertiert sei und jeglichen Kontakt zu ihrer Familie abbricht. Ihre Verwandten und ihre Kirche sind davon überzeugt, dass sie nicht freiwillig konvertiert ist, sondern dazu gezwungen wurde, wahrscheinlich unter massiven Drohungen.

Obwohl ihr keine genauen Zahlen vorliegen, schätzt die in den USA ansäßige NGO »Coptic Solidarity«, dass Hunderte koptischer Christen, Mädchen und verheiratete Frauen, in Ägypten verschwinden. Einige tauchen irgendwann in sozialen Medien oder Videos wieder auf und verkünden, dass sie zum Islam konvertiert sind, von anderen gibt es nie wieder ein Lebenszeichen.

Von islamischen Gruppen angeordnet

Nach Angaben eines ehemaligen Kidnappers werden diese Entführungen von islamischen Gruppen angeordnet. Sie erhalten Geld für jede entführte Frau, und sie bezahlen auch die Polizei, um ihre Nachsicht zu gewährleisten. Er sagte: »Die Entführer verlangen von den Mädchen, zum Islam zu konvertieren. Sobald sie das gesetzliche Alter erreicht haben, bescheinigt ein Imam die Bekehrung, stellt eine offizielle Bescheinigung aus und wechselt die Religion auf dem Ausweis des Mädchens.«

Diese ständige Bedrohung ist psychologisch schwer zu ertragen. Vor allem in ländlichen Gebieten trauen sich christliche Frauen oft nicht, ihre Häuser allein zu verlassen. Sie müssen ständig von einem männlichen Verwandten begleitet werden, der sie beschützt. Minderjährige Mädchen aus gefährdeten Familien werden besonders ins Visier genommen, entführt und zwangsverheiratet. In der traditionellen Gesellschaft ist die Heirat in sehr jungem Alter die Norm.