11.06.2021 /
Ägypten
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Ägypten: Angegriffen wegen ihres Glaubens, beschützt von Gott

Sara* dachte, sie könne ihr Haus gefahrlos ohne Schleier verlassen, um einkaufen zu gehen. Sie wurde als »dreckige Christin« beschimpft und gewaltsam angegriffen, doch Gott beschützte sie, richtete sie wieder auf und segnete sie.

»Meine Tochter! Sie ist allein zu Hause, was wird aus ihr, wenn ich nie mehr zurückkomme?« Saras (im Bild) Gedanken kreisten ununterbrochen um ihre Tochter. Es war an jenem schrecklichen Tag, als sie mitten auf der Straße überfallen wurde. Dann wurde ihr schwarz vor Augen und sie fiel in Ohnmacht. Ihr Angreifer beschimpfte sie weiter und bezeichnete sie als »dreckige Christin«.

Eine Frau ohne Schleier

In den Tagen vor dem Angriff hatte Sara ein eigenartiges Gefühl. Sie spürte, dass etwas passieren würde, ohne es genauer definieren zu können. Aber sie war deswegen nicht beängstigt und es hielt sie nicht davon ab, ihre Einkäufe zu tätigen. Außerdem war die Straße, die sie einschlagen würde, ja sehr belebt und gut beleuchtet. Sara trug keinen Schleier und war somit klar identifizierbar: Sie war eine christliche Frau. Aber das war bis dahin nie ein Problem gewesen. Nie hatte sie gedacht, sie sei »dreckig«, weil sie keinen Schleier trug.

Wie sie es beim Verlassen des Hauses oft tat, begann Sara innerlich zu beten. Sie war zum Geschäft unterwegs, als sie plötzlich einen scharfen Gegenstand spürte, der sich in ihren Körper grub. Ihre Beine begannen zu zittern. Sie hörte einen Mann schreien: »Du Christenschlampe, stirb! Zuerst empfand ich keinen Schmerz, weil ich wohl unter Schock stand. Ich spürte, dass ich stark blutete und begann, das Blut mit meinem Schal abzuwischen. Aber es floss so stark«, erinnert sich Sara.

Sara wurde ohnmächtig. Ihr Angreifer, der die für extremistische Salafisten typische weiße Kleidung trug, fuhr fort, sie zu bedrohen. Trotz der Menschenmenge, die sich bereits versammelt hatte, hielt er es nicht für nötig, zu fliehen. Vielleicht wusste er, dass seine Tat ungestraft bleiben oder nur geringe Folgen nach sich ziehen würde. »Der Angreifer wurde für sein Handeln nicht zur Rechenschaft gezogen«, sagt Sara. Das macht mir Sorgen. Was passiert, wenn meine Tochter nächstes Mal angegriffen wird?«

Es ist ein Wunder, dass Sara überlebt hat. Die Ärzte standen kurz davor, den Kampf um ihr Leben aufzugeben. Die erschreckenden Bilder ihrer Wunden zeugen davon. Für Sara sind diese Fotos zu einem Teil ihres Zeugnisses geworden: Gott hat sie vor dem Tod bewahrt.

»Wenn jemand bereit ist, mich für meinen Glauben zu töten, muss mein Gott mächtig sein!«

Sie und ihre Tochter meiden vorsichtshalber die Straße, in der der Angriff stattfand. Sie haben immer noch Angst, denn das Trauma hat unauslöschliche Spuren hinterlassen. Aber sie sind keineswegs verbittert. Sara ist auf den Angreifer nicht wütend. Sie hat ihm verziehen und betet regelmäßig für ihn. »Ich hoffe, dass Gott sein Herz berührt«, fügt sie hinzu.

Die wichtigste Veränderung in ihrem Leben seit dem Überfall? Ihre Beziehung zum Herrn. Saras Gesicht leuchtet auf, wenn sie über Jesus spricht. Sie kann nicht wirklich erklären, was genau sich verändert hat. Sie hat erlebt, dass er sie durch den Angriff und den Heilungsprozess hindurch begleitet hat. »Es ist ein Gefühl des inneren Friedens, eine enge Liebesbeziehung«, staunt sie. Jetzt freut sie sich jeden Tag über das, was sie in Christus gefunden hat. »Wenn jemand bereit ist, mich für meinen Glauben zu töten, muss mein Gott mächtig sein!«, meint sie gedankenverloren.

* Name geändert