21.01.2022 /
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Afghanistan an der Spitze des Weltverfolgungsindex 2022

Einer von sieben Christen, das sind mehr als 360 Millionen Menschen, leiden weltweit unter schwerer Verfolgung wegen ihres Glaubens. Das zeigt der neue Weltverfolgungsindex, der vorgestern veröffentlicht wurde.

Afghanistan: Noch extremere Bedingungen als in Nordkorea

In den letzten 20 Jahren führte Nordkorea die Rangliste der Länder des WVI an. Doch 2021 hat sich die Lage der Christen in Afghanistan noch weiter verschlechtert, seit die Taliban die Macht übernommen haben. So liegt  das Land nun auf Platz 1 der Negativreihung der Länder in Bezug auf Religionsfreiheit. Christliche Männer riskieren den fast sicheren Tod, wenn ihr Glaube entdeckt wird. Sie werden von den Taliban-Kämpfern gejagt, die sogar von Tür zu Tür gehen, um sie ausfindig zu machen. Frauen sind häufig Opfer von Vergewaltigung, Zwangsheirat oder Menschenhandel. Ein Großteil der wenigen Christen ist in ländliche Gebiete oder Flüchtlingslager in den Nachbarländern geflohen, die alle ebenfalls auf dem WVI aufgeführt sind. Unsere Glaubensgeschwister sind allein, aber wir lassen sie nicht im Stich!

Die markantesten Verschlechterungen

Neben Afghanistan haben mehrere Länder eine starke Zunahme der Verfolgung verzeichnet. Dazu gehören Katar (18., vorheriger 29. Rang), wo heuer die Fußballweltmeisterschaft stattfinden wird und wo Muslime, die zum Christentum konvertieren, besonders gefährdet sind. Indonesien ist von Rang 47 im Vorjahr auf Rang 28 vorgerückt, unter anderem, weil Christen Opfer zweier Angriffe in Zentral-Sulawesi sowie eines Bombenanschlags auf die Kathedrale von Makassar wurden. Myanmar, wo die Armee Kirchen und christliche Dörfer angriff, was 200.000 Menschen in die Flucht getrieben hat, rutschte von Rang 18 auf Rang 12 nach vorne.

Die 10 Länder, die den WVI 2022 anführen (Rang 2021 in Klammern)

1.     Afghanistan (2)
2.    Nordkorea (1)
3.    Somalia (3)
4.    Libyen (4)
5.    Jemen (7)
6.    Eritrea (6)
7.    Nigeria (9)
8.    Pakistan (5)
9.    Iran (8)
10.  Indien (10)

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Die Gewalt nimmt zu

Die Zahl der wegen ihres Glaubens ermordeten Christen ist von 4761 registrierten Fällen (Index 2021) auf 5898 (Index 2022) gestiegen. Die Mehrheit dieser Verbrechen konzentrieren sich auf Subsahara-Afrika, insbesondere Nigeria.

Die Zahl der angegriffenen Kirchen stieg von 4488 registrierten Fällen (Index 2021) auf 5110 (Index 2022), während die Verhaftungen und Festnahmen innerhalb eines Jahres um 44 % auf 6175 stiegen, davon 1315 in Indien.

China, Modell der Unterdrückung der Vielfalt

Genauso, wie sich der wirtschaftliche Einfluss Chinas (17. Rang) weltweit ausbreitet, setzt sich auch eine autoritäre soziale Norm im Land durch. Diese betrifft fast alle Lebensbereiche: Redefreiheit, Glaubensüberzeugung und Verhalten. Wer von dieser Norm abweicht, wird verhaftet; aktuell sind über 1000 Christen im Gefängnis, viele von ihnen Pastoren. Und dieser technologisch befeuerte autoritäre Nationalismus breitet sich rasch über das Land hinaus aus. Vietnam (19. Rang) und Kuba (37. Rang) haben das chinesische Modell übernommen. Auch in Indien (10. Rang) gewinnt der Leitsatz »eine Nation, ein Volk, ein Glaube« durch die »Hindutva«-Ideologie Raum. Gewalt gegen Christen und andere religiöse Minderheiten wird von der politischen Führung zugelassen, nicht geahndet oder sogar ermutigt.