Der Weltverfolgungsindex ist eine jährlich aktualisierte Liste von 50 Ländern, die nach dem jeweiligen Ausmaß der Christenverfolgung klassifiziert sind. Jedes Land verfügt über eine eigene Seite, die das Profil sowie alle Artikel und Informationen zum betreffenden Land enthält.

Den aktuellen Weltverfolgungsindex können Sie hier als pdf herunterladen : Weltverfolgungsindex 2019
 

  

  Land  

TOTAL   

  01  

  Nordkorea  

  94  

  02  

  Afghanistan  

  94  

  03  

  Somalia  

  91  

  04  

  Libyen  

  87  

  05  

  Pakistan  

  87  

  06  

  Sudan  

  87  

  07  

  Eritrea  

  86  

  08  

  Jemen  

  86  

  09  

  Iran  

  85  

  10  

  Indien  

  83  

  11  

  Syrien  

  82  

  12  

  Nigeria  

  80  

  13  

  Irak  

  79  

  14  

  Malediven  

  78  

  15  

  Saudi-Arabien  

  77  

  16  

  Ägypten  

  76  

  17  

  Usbekistan  

  74  

  18  

  Myanmar (Burma)  

  71  

  19  

  Laos  

  71  

  20  

  Vietnam  

  70  

  21  

  Zentralafrikanische Rep.  

  70  

  22  

  Algerien  

  70  

  23  

  Turkmenistan  

  69  

  24  

  Mali  

  68  

  25  

  Mauretanien  

  67  

  26  

  Türkei  

  66  

  27  

  China  

  65  

  28  

  Äthiopien  

  65  

  29  

  Tadschikistan  

  65  

  30  

  Indonesien  

  65  

  31  

  Jordanien  

  65  

  32  

  Nepal  

  64  

  33  

  Bhutan  

  64  

  34  

  Kasachstan  

  63  

  35  

  Marokko  

  63  

  36  

  Brunei  

  63  

  37  

  Tunesien  

  63  

  38  

  Katar  

  62  

  39  

  Mexiko  

  61  

  40  

  Kenia  

  61  

  41  

  Russland  

  60  

  42  

  Malaysia  

  60  

  43  

  Kuweit  

  60  

  44  

  Oman  

  59  

  45  

  Ver. Arabische Emirate  

  58  

  46  

  Sri Lanka  

  58  

  47  

  Kolumbien  

  58  

  48  

  Bangladesch  

  58  

  49  

  Palästinensergebiete  

  57  

  50  

  Aserbaidschan  

  57  

Die Karte zum Weltverfolgungsindex gibt Ihnen einen Überblick über die Länder, in denen die Situation für Christen derzeit am schlimmsten ist.

Die aktuelle Weltverfolgungskarte können Sie hier als pdf herunterladen: Weltverfolgungskarte 2019

Drei Trends aus dem Weltverfolgungsindex 2019

Vor fünf Jahren gehörte nur Nordkorea wegen seiner hohen Christenverfolgung zur Kategorie «extrem». Auf dem Weltverfolgungsindex 2019, wie schon im Jahr 2018, gehören 11 Länder dieser Kategorie an. 

Ungefähr ab 2006, und zunehmend ab 2012, wurde auf dem Index jedes Jahr stärkere Verfolgung von Christen weltweit verzeichnet. Dieses Jahr sind mehr Länder denn je auf die Liste gekommen, ohne dass sie im Bereich der Gewalt eine deutlich höhere Punktzahl aufweisen. Dies bedeutet mehr Diskriminierung und Feindseligkeit im strukturellen, rechtlichen und gesellschaftlichen Bereich. 

Trend 1 – Staatlicher Autoritarismus, zusätzliche Gesetze zur Kontrolle von Religion

Zum 18. Mal in Folge steht Nordkorea (Rang 1) zuoberst auf dem Weltverfolgungsindex, weil hier das erdrückendste autoritäre Regime der Welt herrscht, in dem jede Verehrung, die nicht dem Obersten Führer gilt, ein politisches Verbrechen ist. Aber der Trend zum staatlichen Autoritarismus nimmt in vielen Teilen der Welt zu. 

Am deutlichsten zeigt sich dieser Trend in China (27), wo am 1. Februar 2018 neue Vorschriften für religiöse Angelegenheiten in Kraft traten. Seitdem hat der Fokus, Kinder und Jugendliche vom Hören religiöser Lehren abzuhalten, dazu geführt, dass Sonntagsschulen geschlossen, Sommerlager verboten und Kirchen gezwungen wurden, Schilder an ihrem Eingang anzubringen, die jedem unter 18 den Zutritt verbieten. 

Im März 2018 wurde das Regierungsmandat von Präsident Xi Jinping auf unbestimmte Zeit verlängert – er ist der erste seit Mao, der eine solche Macht innehat. China kündigte auch seinen Fünfjahresplan zur ‚Förderung des chinesischen Christentums in China’ an. Chinesische Kirchen wurden unter Druck gesetzt, die Nationalflagge höher als das Kreuz zu hängen und vor dem Gottesdienst die Nationalhymne zu singen. Pekings größte Hauskirche, Zion – mit 1.500 Mitgliedern – wurde im September geschlossen, weil sie sich weigerte, Überwachungskameras mit Blick auf die Gemeinde zu installieren. Kirchenversammlungen werden nach wie vor in mehreren Provinzen gestört, besonders in der ländlichen Provinz Henan in Zentralchina, wo 60 % aller Kirchen geschlossen wurden (zwei der fünf großen Hauskirchennetzwerke begannen hier). 

Die Welt ist in jüngster Zeit auf die Umerziehungslager in der autonomen Region Xinjiang aufmerksam geworden, wo uigurische Muslime 45 % der Bevölkerung ausmachen. Von den geschätzten 6.000 Christen mit muslimischem Hintergrund dort sind einige in solchen Lagern verschwunden und wurde seither nicht mehr gesehen. 

Der gleiche staatliche Autoritarismus setzt auch die Christen in Vietnam (20) unter Druck, wo am 1. Jänner 2018 das erste Gesetz über Glauben und Religion in Kraft getreten ist. Vietnam behandelt Religion als soziales Problem und potenzielle Bedrohung für die nationale Sicherheit. 

In Myanmar (18) verbindet sich staatlicher Autoritarismus mit Nationalismus. Der erste katholische Kardinal des Landes, Charles Bo, sagt, dass «das Militär in den Jahrzehnten des bewaffneten Konflikts die Religion zu einem Werkzeug der [ethnischen] Unterdrückung gemacht hat». Die Mehrheit der christlichen Karen und die Christen im Kachin-Staat ertragen die Hauptlast der Unterdrückung durch die Regierung.

Trend 2 - Ultranationalistische Regierungen deklarieren christliche Minderheiten als «fremd» 

In immer mehr Ländern entwickelt sich der Nationalismus zu einem Ultranationalismus, der gesetzestreue Minderheiten nicht nur als Bedrohung ansieht, sondern sie auch durch Gewalt dazu zwingt, ihre Identität aufzugeben oder gar das Land zu verlassen. Das beste Beispiel ist Indien (10), wo Gesetze zur Verankerung der wachsenden ultranationalistischen Agenda genutzt werden. Die von der BJP geführte Regierung fördert eine extremistische, militante hinduistische Agenda. Um Inder zu sein, muss man Hindu sein.  

Seit dem Amtsantritt von Narendra Modi im Mai 2014 hat die Verfolgung von Christen massiv zugenommen. Jedes Jahr werden mehr Gewalttaten registriert, vor allem weil Polizei und lokale Behörden häufig eine Kultur von Straffreiheit zulassen. Militante Hindus verprügeln Gemeindeleiter, versuchen, sie aus ihren Dörfern zu vertreiben, vergewaltigen ihre Frauen und bedrohen sogar ihre kleinen Kinder. Dies spiegelt globale Trends wieder, die zunehmend die direkte Verfolgung von Frauen und Kindern als Teil der Dynamik der Verfolgung zeigen. 

Trend 3 – Ausbreitung des radikalen Islam über den Nahen Osten nach Afrika südlich der Sahara 

Der dritte auffällige Trend in diesjährigen Weltverfolgungsindex besteht darin, dass die gewalttätigen Ausschreitungen des Islamischen Staates und anderer gewaltbereiter Islamisten im Nahen Osten zwar mehrheitlich aus den Schlagzeilen verschwunden sind; ihr Gebietsverlust dort bedeutet jedoch, dass sich die Kämpfer in eine größere Anzahl von Ländern verstreut haben, nicht nur in der Region, sondern zunehmend auch in Afrika südlich der Sahara.

Seit 2017 haben militante Islamisten auch in Ägypten, Somalia, Libyen und im Jemen an Stärke gewonnen, wo sie weiterhin rekrutieren und Gebiete einnehmen. 

In Ägypten (16), das die größte christlichen Bevölkerungsanteil (Kopten) im Nahen Osten hat, terrorisieren der Islamische Staat und andere terroristische Gruppen die Gemeinschaft weiter. Innerhalb von 18 Monaten wurden zweimal Pilger, unterwegs in einem Bus auf derselben Straße, getötet. 

Aufgrund des ausgeprägten Stammescharakters der Gesellschaft in Somalia (3) wird jeder Muslim, der zum Christentum übertritt, mit hoher Wahrscheinlichkeit von Familie und Freunden entdeckt und riskiert den Tod. 

Als ‚gescheiterter’ Staat ohne einheitliche Regierung ist Libyen (4) nach wie vor ein lebensgefährliches Umfeld, besonders für die festgehaltenen Migranten aus Subsahara-Afrika. Zuverlässige Quellen berichten, dass mindestens 10 Christen allein für ihren Glauben getötet wurden. 

Im Jemen (8) dient eine kleine aber wachsende Kirche einheimischer Christen mit muslimischem Hintergrund weiterhin der Gesellschaft mitten im tödlichen Stellvertreterkrieg zwischen den vom Iran und von Saudi-Arabien unterstützten Truppen – allerdings unter extremer Gefahr.

Von den Ländern, die ein ‚hohes’ Maß an Verfolgung aufweisen (41 Punkte oder mehr), die aber nicht unter die Top 50 fallen, liegen 18 von 23 Ländern in Afrika südlich der Sahara. Diese Region stellt eine der größten Sicherheitsherausforderungen dar, da schwache Staatsführung, Armut und radikaler Islam zunehmend aufeinander treffen. Beispiele dafür sind die Demokratische Republik Kongo DRK (54) und Mosambik (65).

Die kraftvolle Mischung des radikalen Islam mit den regionalen und lokalen Konflikten führt dazu, dass weiterhin afrikanische Christen im Nordosten von Kenia (40), in der Zentralafrikanischen Republik (21) und im Norden und Zentrum von Nigeria (12) sterben.

Höchstes Maß an Gewalt

Während Boko Haram weiterhin tödliche Angriffe ausführt, ist die Verfolgung von Christen durch die islamistische Gruppierung nicht gleich intensiv wie in den letzten Jahren. Aber entlang der christlich-muslimischen Konfliktzone in Mittelnigeria haben Jahrzehnte des Klimawandels und schleichende Wüstenbildung kombiniert mit einem schnellen Bevölkerungswachstum zu einem Kampf um Land und Ressourcen geführt. Die Verschärfung des Konflikts zwischen den nomadischen, überwiegend muslimischen Fulani-Hirten und den einheimischen, überwiegend christlichen Bauern im sogenannten Middle Belt führt dazu, dass Christen weiterhin das im Weltverfolgungsindex höchste Maß an Gewalt (16,7 Punkte in der Kategorie ‚Gewalt’) erleben. Dies hat viele Christen dazu geführt, diese Angriffe als Teil einer ethno-religiösen Säuberung zu bezeichnen. Würde allein die ‚gewalttätige’ Verfolgung bewertet, so läge Nigeria dieses Jahr zusammen mit Pakistan auf dem ersten Platz.

Pakistan: ein Hoffnungsschimmer?

Der Oberste Richter Pakistans, Mian Saqib Nisar – unter Gefahr für sein eigenes Leben – hielt sein Versprechen, die Berufung der pakistanischen Christin Asia Bibi  vor dem Obersten Gerichtshof anzuhören, bevor er Anfang 2019 in den Ruhestand trat. Er und seine beiden Richterkollegen sprachen sie frei und sagten, dass ihr Ankläger gelogen hatte, und dass die Blasphemieklage, für die sie 8 Jahre in der Todeszelle verbrachte, eine Erfindung war. Das bahnbrechende Urteil wurde jedoch durch tagelange Massenproteste und Aufstände in ganz Pakistan durch radikale islamische Gruppierungen in Frage gestellt, welche den Tod der Richter und von Asia Bibi forderten. Während Asia Bibi rechtlich frei ist, fürchtet sie noch immer um ihr Leben und kann Pakistan nicht verlassen, um Asyl in einem Land zu suchen, in dem sie und ihre Familie sicher leben können.

Index 2019 : Trends und Entwicklungen (PDF)

Was ist Christenverfolgung?

Die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte der Vereinten Nationen von 1948 beschreibt in Artikel 18 die Gedanken-, Gewissens-, und Religionsfreiheit als ein zentrales Menschenrecht. Entsprechend wurde die Verfolgung von Menschen aufgrund ihres religiösen Bekenntnisses in internationalen menschenrechtlichen Vereinbarungen stets als berechtigter Flucht- und Asylgrund anerkannt. Eine einheitliche Definition von religiöser Verfolgung konnte allerdings nicht erreicht werden.

Open Doors vertritt eine an der Bibel orientierte und breite Definition von Christenverfolgung. Gemäß den Worten Jesu müssen seine Nachfolger damit rechnen, dass ihr Bekenntnis zu ihm auch Ablehnung und Feindseligkeit auslösen wird (vgl. Joh 15,20: "Der Knecht ist nicht größer als sein Herr. Haben sie mich verfolgt, so werden sie auch euch verfolgen; haben sie mein Wort gehalten, so werden sie eures auch halten.").

Verfolgung von Christen ist für Open Doors demgemäß "jede Feindseligkeit, die Christen von Seiten der Welt als Folge ihrer Identifikation mit Jesus Christus erfahren".

Eine ähnliche Definition gibt der Experte Christof Sauer vom Internationalen Institut für Religionsfreiheit (IIRF). Nach ihm ist Verfolgung "jegliche ungerechte Handlung unterschiedlichen Grades von Feindseligkeit, mit einem oder mehreren Beweggründen, gegenüber einer bestimmten Einzelperson oder einer bestimmten Gruppe von Menschen, die Schaden unterschiedlicher Intensität anrichtet, wie er aus dem Blickwinkel des Opfers wahrgenommen wird".

> > Definition - Langversion

Grundlagen und Instrumente

Der Weltverfolgungsindex (WVI) ist das wichtigste Instrument von Open Doors (OD), um die Entwicklung, das Ausmaß und die Stärke der Christenverfolgung weltweit zu messen. Dazu hat Open Doors ein Analyse-Tool entwickelt, mit dem die gefährdeten Länder identifiziert bzw. zur vertieften Untersuchung aussortiert werden. Die Methodik wurde 2012 vollständig revidiert. Sie wurde vom Internationalen Institut für Religionsfreiheit (IIFR) in Deutschland geprüft und die revidierte Fassung kam im WVI 2014 zum ersten Mal zur Anwendung.

Der Index stützt sich auf Einschätzungen von Fachleuten – OD-interne und externe Forscher und Experten auf dem Gebiet der Glaubensfreiheit und Christenverfolgung – und wurde mit anderen unabhängigen Quellen abgeglichen. Damit wird die größtmögliche Zuverlässigkeit, Transparenz, Objektivität und wissenschaftliche Qualität der Daten gewährleistet.
 

Was ist Christenverfolgung?

'Verfolgung' umfasst alle Äußerungen von Feindseligkeit gegenüber einzelnen Christen oder christlichen Gemeinschaften, von subtilem Druck bis zu offener Gewalt. Häufig sind Kriegssituationen, ethnische, religiöse oder politische Spannungen und einflussreiche mafia-ähnliche Systeme und Gruppen die Auslöser.

Es sind komplexe Situationen, die zur Verfolgung von Christen führen. Ihr Glaube ist nicht zwangsläufig Ursache für den Druck oder die Gewalt, die gegen sie ausgeübt wird. Die Verfolgung kann Auswirkung einer anarchischen Situation z. B. in so genannt gescheiterten Staaten und Krisengebieten sein, oder aber ihre Religionszugehörigkeit kann dazu führen, dass Christen in einer Krisensituation doppelt von den Auswirkungen betroffen sind. Der WVI versucht, die verschiedenen Ursachen von Verfolgung so gut wie möglich zu unterscheiden.
 

Zwei Hauptformen: Subtiler Druck und offene Gewalt

Der WVI unterscheidet zwei Hauptformen der Verfolgung: subtiler Druck und offene Gewalt. Während Gewalttaten besonders auffallen, schränken kaum merkliche Formen der Unterdrückung das Leben von Christen am meisten ein. Es zeigt sich deutlich, dass mehr Gewalt nicht unbedingt stärkere Verfolgung bedeutet, d.h. der Index widerlegt die Annahme, dass die gewalttätigsten Verfolger die Hauptursache von Verfolgung seien.

Während Gewalt anhand der Zahl und der Stärke gewalttätiger Übergriffe auf Christen gemessen werden kann, braucht es andere Instrumente und Methoden, um subtilen Druck und Schikanen gegen Christen aufzudecken.
 

Die Dynamik der Verfolgung

Der WVI unterscheidet drei zugrundeliegende Motive oder Typen von christenfeindlichen Systemen, die die Entstehung von Verfolgung begünstigen: religiöser Extremismus, Staatsideologie und missbräuchliche totalitäre und korrupte Regime. Diese sind der Nährboden für die Triebkräfte von Verfolgung. Diese fasst der WVI in acht Kategorien zusammen, innerhalb derer die eigentlichen Urheber der Christenverfolgung handeln. Insgesamt identifiziert der WVI elf Hauptakteure, wie z.B. Familienclans oder Behörden. (vgl. untenstehende Tabelle).

Wie der Begriff sagt, ist Verfolgung in der größten Kategorie, «religiöser Extremismus», in der radikalen Religiosität der Akteure begründet. Er umfasst Gruppierungen, die dazu neigen, in sich geschlossene Gesellschaften zu bilden. Die «Anderen» sind ausgeschlossen und gelten als minderwertig, als Unmenschen oder Ungläubige. Jegliche noch so unmoralische oder unmenschliche Taten gegen diese sind erlaubt.

Im Bereich Staatsideologie ist der Staat der Auslöser für Verfolgung. Es handelt sich um religionsfeindliche Systeme wie kommunistische Diktaturen oder Länder, in denen radikaler Säkularismus vorherrscht. Personen, die sich dem System und der staatlichen Ideologie nicht beugen, werden nicht geduldet.

In missbräuchlichen Systemen streben elitäre Gruppierungen oder Einzelpersonen mit allen Mitteln danach, alle Macht und Ressourcen an sich zu reißen. Zu diesem Bereich zählen vor allem paranoide totalitäre Systeme oder korrupte mafia-ähnliche Gruppierungen. Um ihr Ziel zu erreichen verbünden sich die politischen Führer mit einflussreichen lokalen Anführern. In diesem Bereich ist Christenverfolgung meist nicht das strategische Ziel, sondern eine Nebenwirkung des Systems.
 

Triebkräfte von Verfolgung und ihre Ziele

Der WVI fasst die Triebkräfte von Verfolgung in acht Kategorien zusammen.

A) Religiöser Extremismus

  1. Islamischer Extremismus: Ein Land oder eine Region dem «Haus des Islam» einverleiben, wenn nötig mit Zwang und Anwendung von Gewalt.
  2. Religiöser Nationalismus: Ein Staat oder eine Region einer Religion unterwerfen: dem Hinduismus, Buddhismus, ultraorthodoxen Judentum oder anderen. (Wegen seiner Prävalenz wird der radikale Islam gesondert aufgeführt.)
  3. Exklusives Stammesdenken: Die Vorrangstellung von ethnisch-religiösen Traditionen oder überlieferten Kulten aufrechterhalten.
  4. Konfessionelles Anspruchsdenken: Eine traditionelle Mehrheitskirche als einzig anerkannte christliche Religionsgemeinschaft durchsetzen.

B) Staatsideologie

  1. Kommunistische Unterdrückung: Der Kommunismus wird zur ausschließlichen Staatsideologie.
  2. Säkulare Intoleranz: Religiöse Konzepte sollen aus dem öffentlichen Leben und dem individuellen Denken beseitigt werden.

C) Missbräuchliche Systeme

  1. Totalitarismus: Festhalten an der absoluten Macht, auch ohne zwangsläufig andere Ziele zu verfolgen.
  2. Systematische Korruption: Ein System von Anarchie, Gesetzlosigkeit und Korruption schaffen mit dem Ziel der eigenen Bereicherung.

In zahlreichen Ländern überschneiden sich die verschiedenen Triebkräfte, die zur Verfolgung führen bzw. eine vorherrschende Triebkraft begünstigt die Entwicklung von anderen Verfolgungsmechanismen.
 

Akteure oder Urheber von Verfolgung

Die eigentlichen Urheber von Verfolgung sind Gruppen oder Einzelpersonen, die von den oben genannten Kräften angetrieben werden. Der WVI erfasst elf Kategorien, die sich teilweise überschneiden bzw. verschiedene Akteure können sich zusammenschließen, um die Dynamik der Verfolgung in Gang zu setzen. Mit Ausnahme der Kategorie «Behörden» können die Akteure ziemlich genau identifiziert werden.

  • Lokale, nationale oder Provinz-Behörden
  • Anführer von militanten Gruppierungen oder Clans
  • Geistliche nichtchristlicher Religionen
  • Geistliche christlicher Glaubensgemeinschaften
  • Fanatische und extremistische Bewegungen
  • Anführer aus der Zivilgesellschaft oder Menschenansammlungen, Mobs
  • Familien und Familienverbände
  • Lokale oder nationale politische Parteien
  • Aufständische oder paramilitärische Gruppen
  • Kartelle, Clans und Netzwerke des organisierten Verbrechens
  • Internationale Organisationen und Interessensgemeinschaften

Bei all diesen christenfeindlichen Systemen, Triebkräften und Akteuren von Verfolgung steht das Streben nach absoluter Macht im Mittelpunkt. Christen oder andere Einzelpersonen und Gruppen, die sich nicht unterwerfen, können Opfer von Verfolgung werden.

Der WVI zeigt, dass Christen in keiner Kategorie ausdrücklich Zielscheibe der Verfolgung sind. Möglicherweise steht bei allen ausschließlich das Streben nach absoluter Macht im Mittelpunkt.
In einer solchen Situation wäre es ratsamer, sich dieser zu beugen und möglichst nicht aufzufallen. Das steht jedoch im Gegensatz zum fundamentalen Glauben der Christen, dass absolute Macht keine irdische ist. Diese Haltung zeigt sich im öffentlichen sowie im privaten und familiären Umfeld und kann von möglichen Urhebern von Verfolgung als Herausforderung oder Provokation aufgefasst werden.
 

Analyse der Glaubensfreiheit in den fünf Lebensbereichen
 
Der Fragenkatalog folgt der Annahme, dass ein Christ sein Glaubensleben in fünf sich überschneidenden Sphären lebt:

  • Privatleben: Versucht der Verfolger die persönliche Intimsphäre zu besetzen und missachtet damit die Gedanken- und Gewissensfreiheit?
  • Familienleben: Versuchen Staat oder Angehörige einen Christen innerhalb seiner Familie an der Ausübung des Glaubens zu hindern?
  • Soziales Leben: Werden Christen in ihrem Lebensumfeld wegen ihres Glaubens bedroht oder daran gehindert, ihn auszuüben?
  • Zivilleben: Kontrolliert der Staat das Leben seiner Bewohner, sind Christen frei oder zu Bürgern zweiter Klasse deklassiert?
  • Kirchliches Leben: Haben Christen die Freiheit, ihren Glauben in einer Gemeinschaft zu leben und auszudrücken?

Ein sechster Abschnitt steht unter dem Titel "körperliche Gewalt". Dieser Bereich überschneidet sich mit den anderen; er wird zu Analyse- und Kommunikationszwecken getrennt betrachtet. Die Gewalt in der für die Erhebung maßgeblichen Zeitspanne zwischen dem 1. November und dem der Publikation vorangegangenen Oktober untersucht. Sie kann in jedem Bereich auftreten.
 

Verfahren von der Vorausscheidung bis zum definitiven Index

Die Vorausscheidung der unter Beobachtung stehenden Länder erfolgt mit einem Schnellanalyseverfahren, dem «Rapid Appraisal Tool». Es gleicht Ergebnisse von Internetrecherchen mit verschiedenen Quellen ab. Je nach Resultat werden zusätzliche Feinuntersuchungen mit den Instrumenten «World Watch Survey» oder «Vulnerability Assessment Tool» vorgenommen. Wenn das Ergebnis einer oder mehrerer Analysen die Notwendigkeit einer vertieften Untersuchung bestätigt, werden die internen und externen Fachleute mit der Bewertung der betroffenen Länder mittels einem für den WVI ausgearbeiteten Fragebogen beauftragt.

Anhand der zusammengetragenen Daten wird eine Punktzahl ermittelt, die es ermöglicht, die betroffenen Länder nach Schweregrad der Verfolgung zu erfassen und aus den 50 Ländern, in denen die Christen am meisten verfolgt werden, die Reihenfolge auf dem Weltverfolgungsindex zu ermitteln.
 

Darstellung des Verfolgungsgrades im WVI-Raster

Das Ausmaß der Verfolgung wird im Raster des WVI mit verschiedenen abgestuften Farben dargestellt. Zuoberst im Index befinden sich die Länder, in denen die Christen am stärksten unter Verfolgung zu leiden haben.

  1. Extreme Verfolgung: Länder mit einem Wert von über 81 Punkten im Verfolgungsindex
  2. Sehr schwere Verfolgung: Länder mit einem Wert zwischen 61 und 80 Punkten
  3. Schwere Verfolgung: Länder mit einem Wert zwischen 40 und 60 Punkten

Die Reihenfolge erlaubt es lediglich, die einzelnen Länder miteinander zu vergleichen. Eine Veränderung im Rang von einem Jahr zum anderen bedeutet aber nicht zwangsläufig eine Verschlechterung oder Verbesserung der Situation der Christen im betreffenden Land. Hingegen kann aus der Veränderung der erreichten Punktzahl von einem Jahr zum anderen eine gewisse Entwicklungstendenz für ein Land ermittelt werden.
 

Definition der Schlüsselbegriffe für die WVI-Recherche

Ein Christ ist: "jede Person, die sich selbst als Christ identifiziert oder zu einer christlichen Gemeinschaft gehört, die auf den historischen Bekenntnissen der Kirche gründet."

Verfolgung ist: "jegliche Form von Anfeindung oder Benachteiligung, die ein Christ wegen seines Glaubens an Christus erfährt. Das können feindselige Haltungen, Aussagen und Taten sein, die von außerhalb oder auch innerhalb der christlichen Gemeinschaft herrühren."

Die vorliegende Zusammenstellung der Situation erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Das ist vor allem bei Ländern der Fall, wo Open Doors nur einen begrenzten Zugang zu Informationen hat, was auf mehrere Länder des Weltverfolgungsindexes zutrifft. Die vorliegenden Zahlen sind Minimalwerte. Wir gehen aber davon aus, dass die tatsächliche Anzahl mit Blick auf die hohe Dunkelziffer wesentlich höher liegt, weil die Herausforderungen, konkrete und genaue Zahlen zu Angriffen auf Christen zu ermitteln, sehr groß sind.

Angegebene Zahlen mit einem * sind als symbolische Zahl zu verstehen. Das bedeutet, dass die tatsächliche Anzahl der Vorfälle viel höher liegt. In Fällen, in denen es nicht möglich war, den genauen Wert zu ermitteln, geben wir eine symbolische Rundungszahl (10, 100 usw.) an. Weiter haben wir beschlossen, für Nordkorea keine detaillierten Zahlen anzugeben.

Der Erhebungszeitraum der gesammelten Daten für den Weltverfolgungsindex (WVI) 2019 dauerte vom 1. November 2017 bis 31. Oktober 2018.

Christen, die wegen ihres Glaubens getötet wurden

Die folgenden Tabellen zum Thema Gewalt (entspricht dem Kapitel 6 im Fragebogen zum VWI) listen die Länder in absteigender Reihenfolge auf.

  Christen getötet

   2019   

   2018  

  Nigeria  

3 731  

  2 000  

  Zentralafrikanische Republik  

146  

  500  

  Somalia 

50  

  23  

  Äthiopien  

31  

  3  

  Pakistan  

28  

  15  

  Kenia  

20  

  39  

  Indonesien  

18  

  1  

  Ägypten  

17  

  128  

  Mexiko  

15  

  8  

  Andere Länder im Weltverfolgungindex 2019  

80  

64  

  Nicht indexierte Länder 2019

169  

284  

  TOTAL 6.1  

  4 305  

  3 066  

Kirchen und andere angegriffene christlichen Gebäude

Dazu gehören Kirchen, Schulen, Krankenhäuser und andere christlichen Gebäude, die angegriffen, ganz oder teilweise niedergebrannt oder abgerissen wurden.

  Zerstörte Kirchen und Gebäude

   2019   

   2018  

  Nigeria  

569   

22  

  China  

171* 

10  

  Myanmar  

100* 

2  

  Indien  

98   

34  

  Mexiko  

40   

6  

  Pakistan  

28* 

168  

  Kolumbien  

26   

32  

  Ägypten  

25   

7  

  Zentralafrikanische Republik  

22   

157  

  Andere Länder im Weltverfolgungindex 2019  

187   

184  

  Nicht indexierte Länder 2019  

581   

172  

  TOTAL 6.2  

  1 847  

  793  

 

Christen verhaftet, verurteilt und inhaftiert

Christen, die während des Berichtszeitraums festgenommen, verhaftet, vor Gericht gestellt oder inhaftiert wurden.

  Christen in Haft 

  2019   

  2018   

  China  

1 131* 

134   

  Eritrea  

370   

375   

  Indien  

207   

635   

  Vietnam  

186   

25   

  Myanmar  

154* 

19   

  Nigeria  

116* 

14   

  Iran  

67   

69   

  Sudan  

63   

20   

  Pakistan  

56   

  110   

  Usbekistan  

40   

  25   

  Andere Länder im Weltverfolgungindex 2019  

235   

334   

  Nicht indexierte Länder 2019  

525   

145   

  TOTAL 6.3 und 6.4  

3 150   

1 905   

 

>> Gegen Christen verübte Gewalttaten (PDF) 

35

Marokko ist eine parlamentarische Monarchie, in der der König über weitreichende Befugnisse verfügt, sowohl politisch wie auch religiös. Die Bilanz zur Situation der Menschenrechte fällt gemischt aus, hat sich aber seit dem Ende der Herrschaft von Hassan II. im Jahr 1999 verbessert, denn als Reaktion auf den Arabischen Frühling kam es im Jahr 2011 zu Verfassungsreformen. 
In Marokko ist das Christentum seit der Römerzeit präsent. Im 7. Jahrhundert mit dem Aufkommen des Islam wurden viele Christen zwangsislamisiert. Als Marokko im 19. Jahrhundert zu einer französischen Kolonie wurde, kam die katholische Kirche in das Land. Protestantische Christen gibt es dort seit 1912.

Zur Situation der Christen

37

Seit dem Sturz von Präsident Zine El Abidine Ben Ali im Jahr 2011 hat sich die politische Landschaft Tunesiens dramatisch verändert. Die neue Verfassung vom 26. Januar 2014 schien zwar einen Demokratisierungsprozess einzuleiten, aber das Land ist aufgrund der islamistischen Terrorgruppen, die die ganze Region unsicher machen, mit grossen Problemen konfrontiert. Die daraus resultierenden Unsicherheiten belasten die Wirtschaft, insbesondere den Tourismussektor. 

38

In Katar sind 80 Prozent der Bevölkerung Ausländer. Damit ist Katar das Land der Welt mit dem höchsten Anteil an ausländischer Wohnbevölkerung. Die Ausländer zählen allerdings in der Regel nicht viel. Zwangsarbeit und Menschenhandel sind zu großen Problemen geworden. Als Arbeitskräfte erleiden sie häusliche Gewalt, sexuellen Missbrauch und leben unter äusserst armseligen Bedingungen wie überfüllte und vernachlässigte Arbeiterunterkünfte. Katar ist eine absolute Monarchie. Der Emir ist sowohl Staatsoberhaupt als auch Regierungschef. Es gibt kein Wahlsystem und keine politische Partei. Offizielle Religion ist der Wahhabismus, eine strenge und puritanische Form des Islam. Das Familienrecht basiert auf der Scharia. Die Abkehr vom Islam gilt als Verbrechen.

39

Die Zahl der Zivilisten, die durch die organisierte Kriminalität im Zusammenhang mit dem Drogenhandel getötet wurden, liegt im Jahr 2017 bei über 200 000. Das sind mehr Tote als die Zahl der Kriegstoten in Syrien.

40

Die Wahlen vom vergangenen August 2017 fanden in einem angespannten Umfeld statt und wurden vom Obersten Gerichtshof des Landes als ungültig erklärt. Die Unsicherheit im Land nimmt zu und im Norden zur somalischen Grenze hin führt das zu Gewaltausbrüchen: Nicht-Muslime werden von Schabaab-Milizen, die aus dem benachbarten Somalia kommen, enthauptet. Obwohl die christliche Bevölkerung eine Mehrheit von 82 % bildet, sind sie zur Zielscheibe für extremistische Gruppen in Gebieten mit muslimischer Mehrheit geworden.