3 Minuten Lesezeit
Jeglicher Kontakt und Interaktion mit den anderen Dorfbewohnern ist ihnen untersagt. Selbst der Zugang zu den Fischereigebieten und zu Nahrungsmitteln wird ihnen verweigert.
In einem Küstendorf im Norden von Andhra Pradesh sind derzeit etwa hundert christliche Familien einem heftigen Boykott ausgesetzt: Der Dorfvorsteher und andere Einwohner verweigern ihnen den Zugang zu den nahe gelegenen Fischereigebieten, entziehen ihnen lebensnotwendige Güter und schließen sie vollständig aus dem gesellschaftlichen Leben aus. Der Grund dafür ist, dass die Christen sich nicht finanziell am Bau eines Hindu-Tempels beteiligen wollen.
Der von den lokalen Behörden angeordnete Boykott hat schwerwiegende wirtschaftliche Folgen für die christlichen Familien des Dorfes: Die lokalen Händler weigern sich, ihnen Lebensmittel zu verkaufen oder von ihnen zu kaufen. Das gilt sogar für Trinkwasser, wie Dorfbewohner gegenüber lokalen indischen Medien berichteten. Christen dürfen nicht mehr mit ihren Booten aufs Wasser fahren und fischen. Um sich ernähren zu können, sind sie nun gezwungen, weite Strecken zu anderen Dörfern zurückzulegen, um dort Waren zu kaufen und Arbeit zu finden.
Eine christliche Witwe, die von dieser Situation betroffen ist, berichtete im Beisein ihrer Kinder unter Tränen einem indischen Fernsehsender: »Mein Mann ist vor einigen Monaten verstorben. Als ich mit meinen fünf Kindern allein zurückblieb, half mir meine Mutter und investierte viel Geld, damit ich ein kleines Lebensmittelgeschäft eröffnen konnte, um unseren Lebensunterhalt zu bestreiten. Kurz darauf rief das Dorf zum Boykott auf, und niemand kommt mehr in mein Geschäft. Ich habe alles verloren. Das bricht mir das Herz.«
Die wirtschaftliche Ausgrenzung ist jedoch nur ein Aspekt des Boykotts: Christen werden auch sozial aus der Dorfgemeinschaft ausgeschlossen, als ob sie nicht existierten. Dazu gehört auch, dass sie nicht an lokalen Veranstaltungen teilnehmen dürfen. Die Nachbarn dürfen nun nicht einmal mehr mit Christen sprechen oder sie grüßen: Die Dorfvorsteher haben öffentlich verkündet, dass niemand mit Christen sprechen darf. Wer gegen diese Regel verstößt, muss mit einer Geldstrafe von 5000 indischen Rupien (etwa 50 Euro) rechnen. Aus Angst haben viele Dorfbewohner daher jeden Kontakt zu ihren christlichen Verwandten und Freunden abgebrochen.
Trotz zahlreicher Bemühungen, die Aufmerksamkeit der überregionalen Behörden zu erlangen, hat sich die Lage der Christen in diesem Dorf nicht verbessert. Die Dorfvorsteher haben die von den Beamten vorgeschlagenen Friedensgespräche abgelehnt. Die Christen fühlen sich im Stich gelassen und haben den Obersten Gerichtshof um Hilfe gebeten. Ihre Klage wird derzeit geprüft.
Indien liegt derzeit auf Rang 11 auf dem Weltverfolgungsindex.