Die Karte zum Weltverfolgungsindex gibt Ihnen einen Überblick über die Länder, in welchen die Situation für Christen derzeit am schlimmsten ist. Die aktuelle Weltverfolgungskarte können Sie hier im PDF-Format herunterladen.

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Was ist Christenverfolgung?

Die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte der Vereinten Nationen von 1948 beschreibt in Artikel 18 die Gedanken-, Gewissens-, und Religionsfreiheit als ein zentrales Menschenrecht. Entsprechend wurde die Verfolgung von Menschen aufgrund ihres religiösen Bekenntnisses in internationalen menschenrechtlichen Vereinbarungen stets als berechtigter Flucht- und Asylgrund anerkannt. Eine einheitliche Definition von religiöser Verfolgung konnte allerdings nicht erreicht werden.

Open Doors vertritt eine an der Bibel orientierte und breite Definition von Christenverfolgung. Gemäß den Worten Jesu müssen seine Nachfolger damit rechnen, dass ihr Bekenntnis zu ihm auch Ablehnung und Feindseligkeit auslösen wird (vgl. Joh 15,20: "Der Knecht ist nicht größer als sein Herr. Haben sie mich verfolgt, so werden sie auch euch verfolgen; haben sie mein Wort gehalten, so werden sie eures auch halten.").

Verfolgung von Christen ist für Open Doors demgemäß "jede Feindseligkeit, die Christen von Seiten der Welt als Folge ihrer Identifikation mit Jesus Christus erfahren".

Eine ähnliche Definition gibt der Experte Christof Sauer vom Internationalen Institut für Religionsfreiheit (IIRF). Nach ihm ist Verfolgung "jegliche ungerechte Handlung unterschiedlichen Grades von Feindseligkeit, mit einem oder mehreren Beweggründen, gegenüber einer bestimmten Einzelperson oder einer bestimmten Gruppe von Menschen, die Schaden unterschiedlicher Intensität anrichtet, wie er aus dem Blickwinkel des Opfers wahrgenommen wird".

> > Definition - Langversion

Der Weltverfolgungsindex ist eine jährlich aktualisierte Liste von 50 Ländern, die nach dem jeweiligen Ausmaß der Christenverfolgung klassifiziert sind. Jedes Land verfügt über eine eigene Seite, die das Profil sowie alle Artikel und Informationen zum betreffenden Land enthält.

>> Weltverfolgungsindex 2018 (detaillierte Tabelle)  29  

Der Weltverfolgungsindex (WVI) ist ein Instrument, das die 'Verfolgungs-Temperatur' in bestimmten Ländern misst. Leider sinkt das 'Fieber' in den wenigsten dieser Länder. In vielen Teilen der Welt ist die wachsende islamistische Bewegung nach wie vor die größte Bedrohung für Christen und andere nicht-muslimische Gemeinschaften. Gleichzeitig breitet sich der religiöse Nationalismus in Asien weiter aus. Das totalitäre Nordkorea bleibt jedoch weiterhin die Nummer 1 auf dem Index.

Der Islamismus ist der Teil des Islams, der eine klare politische Absicht hat, Länder unter muslimische Herrschaft und das Scharia-Gesetz zu stellen. Somit stellt diese Bewegung nicht nur eine Bedrohung für die Religionsfreiheit dar, sondern allgemein für die Stabilität der Länder, in denen sie aktiv ist.

Radikalisierung 'im Haus des Islam'
Mit dem globalen Aufstieg und der Verbreitung der islamistischen Bewegung sind Christen in den mehrheitlich muslimischen Ländern Afrikas vermehrt Verfolgung ausgesetzt. Besonders der Druck auf Christen in ihrem Alltag hat stark zugenommen. Länder wie Saudi-Arabien nützen islamische Nichtregierungsorganisationen, um einen radikalen wahhabitischen Islam zu verbreiten.

Nachdem der IS im Nahen Osten an Einfluss verloren hat, zieht er zu grüneren Gefilden weiter – nämlich nach Asien, dem Zuhause einer der größten Populationen von Muslimen weltweit. Ein Beispiel von einer zunehmenden islamischen Militanz war der fünfmonatige Kampf um Marawi, eine Stadt mit 200.000 Einwohnern auf der philippinischen Insel Mindanao.

Islamischer Expansionismus
Der islamische Expansionismus steht in engem Zusammenhang mit der Deklaration von Abuja aus dem Jahr 1989, deren Ziel es war, Afrika zum ersten islamischen Kontinent der Welt zu machen. Die Entwicklungen in Afrika deuten darauf hin, dass die islamistische Bewegung dieses Ziel noch immer verfolgt. Die islamische Missionstätigkeit wird ebenso stark in den ärmeren Gesellschaftsgruppen in Indonesien und Malaysia vorangetrieben.

Überschneidungen, die zu ethnischen Säuberungen führen
Islamische Radikalisierung und islamischer Expansionismus überschneiden sich zum Beispiel in Nordnigeria, wo in zwölf Bundesstaaten entgegen der Verfassung das Scharia-Gesetz in Kraft ist. Während die Gewalt durch Boko Haram nachgelassen hat, richtet die Gruppierung noch immer viel Verwüstung an, und muslimische Fulani-Hirten versuchen den sogenannten Middle Belt von der ursprünglich christlichen Mehrheit und anderen traditionellen Einwohnern zu säubern – ein klares Beispiel für ethnische Säuberung aufgrund von Religionszugehörigkeit.

Eine nationalistische Welle in Asien
Indien ist von Rang 28 (55 Punkte) auf dem WVI 2014 auf Rang 11 (81 Punkte) auf dem WVI 2018 aufgestiegen. 2017 war ein Rekordjahr mit über 600 verzeichneten Verfolgungsfällen. Die Hauptursache ist die wachsende Hindutva-Bewegung, eine nationalistische Bewegung zur «Hinduisierung» Indiens. Christen sind konfrontiert mit sozialer Ausgrenzung, Vertreibung, körperlicher Gewalt und manchmal auch mit dem Tod.

Leider tritt Nepal in die Fußstapfen seines 'großen Bruders'. Es belegt Rang 25 (64 Punkte) auf dem WVI 2018. Die Regierung sowie lokale Gemeinschaften sind aktiver geworden in der Christenverfolgung, was in der deutlichen Zunahme von körperlichen Misshandlungen deutlich wird.

In den buddhistischen Ländern wie Sri Lanka, Bhutan und Myanmar manifestiert sich der religiöse Nationalismus viel subtiler. Es gibt viele rechtliche Restriktionen gegen Christen. Wenn Eltern wollen, dass ihre Kinder zur Schule gehen, müssen sie diese in buddhistische Schulen schicken, wo sie gezwungen werden, an buddhistischen Ritualen teilzunehmen.

Ideologische Nationalisten
Der extreme Personenkult um Kim Jong-un, den 'Großen Führer' Nordkoreas in der dritten Generation, sowie die Staatsideologie 'Juche' mit dem Fokus auf Selbständigkeit und Selbstgenügsamkeit, lassen keinen Platz für ein anderes Glaubensbekenntnis. Die ideologischen Nationalisten in China, Vietnam und Laos, die häufig mit dem Kommunismus in Verbindung stehen, sehen Religion noch immer als 'Opium für das Volk'. Eine wirtschaftliche Öffnung der Länder sollte nicht fälschlicherweise so interpretiert werden, dass ein Nachlassen des Druckes oder gar eine Liberalisierung stattfindet.

Die gute Nachricht
Einige bedeutende Verbesserungen in Ostafrika haben viel mit Politik zu tun. Während in Kenia Muslime und Christen während der Präsidentschaftswahlen gemeinsam den Kandidaten ihres Stammes unterstützten, protestierten in Äthiopien Christen und Muslime gemeinsam gegen die Regierung für eine Veränderung – ein Ende der Korruption, mehr Respekt für Menschenrechte, mehr Demokratie. Diese Entwicklungen haben die Platzierung dieser Länder auf dem WVI verbessert. Tansania ist gar nicht mehr auf dem WVI. Die Wahl des Präsidenten John Magufuli 2015 war dabei ein Wendepunkt für das Land. Seine Regierung arbeitete ernsthaft daran, gegen radikal islamische Gruppierungen vorzugehen und folglich ist die Gewalt gegen Christen massiv zurückgegangen.

Index 2018: Trends - lange Version (PDF)

Grundlagen und Instrumente

Der Weltverfolgungsindex (WVI) ist das wichtigste Instrument von Open Doors (OD), um die Entwicklung, das Ausmaß und die Stärke der Christenverfolgung weltweit zu messen. Dazu hat Open Doors ein Analyse-Tool entwickelt, mit dem die gefährdeten Länder identifiziert bzw. zur vertieften Untersuchung aussortiert werden. Die Methodik wurde 2012 vollständig revidiert. Sie wurde vom Internationalen Institut für Religionsfreiheit (IIFR) in Deutschland geprüft und die revidierte Fassung kam im WVI 2014 zum ersten Mal zur Anwendung.

Der Index stützt sich auf Einschätzungen von Fachleuten – OD-interne und externe Forscher und Experten auf dem Gebiet der Glaubensfreiheit und Christenverfolgung – und wurde mit anderen unabhängigen Quellen abgeglichen. Damit wird die größtmögliche Zuverlässigkeit, Transparenz, Objektivität und wissenschaftliche Qualität der Daten gewährleistet.
 

Was ist Christenverfolgung?

'Verfolgung' umfasst alle Äußerungen von Feindseligkeit gegenüber einzelnen Christen oder christlichen Gemeinschaften, von subtilem Druck bis zu offener Gewalt. Häufig sind Kriegssituationen, ethnische, religiöse oder politische Spannungen und einflussreiche mafia-ähnliche Systeme und Gruppen die Auslöser.

Es sind komplexe Situationen, die zur Verfolgung von Christen führen. Ihr Glaube ist nicht zwangsläufig Ursache für den Druck oder die Gewalt, die gegen sie ausgeübt wird. Die Verfolgung kann Auswirkung einer anarchischen Situation z. B. in so genannt gescheiterten Staaten und Krisengebieten sein, oder aber ihre Religionszugehörigkeit kann dazu führen, dass Christen in einer Krisensituation doppelt von den Auswirkungen betroffen sind. Der WVI versucht, die verschiedenen Ursachen von Verfolgung so gut wie möglich zu unterscheiden.
 

Zwei Hauptformen: Subtiler Druck und offene Gewalt

Der WVI unterscheidet zwei Hauptformen der Verfolgung: subtiler Druck und offene Gewalt. Während Gewalttaten besonders auffallen, schränken kaum merkliche Formen der Unterdrückung das Leben von Christen am meisten ein. Es zeigt sich deutlich, dass mehr Gewalt nicht unbedingt stärkere Verfolgung bedeutet, d.h. der Index widerlegt die Annahme, dass die gewalttätigsten Verfolger die Hauptursache von Verfolgung seien.

Während Gewalt anhand der Zahl und der Stärke gewalttätiger Übergriffe auf Christen gemessen werden kann, braucht es andere Instrumente und Methoden, um subtilen Druck und Schikanen gegen Christen aufzudecken.
 

Die Dynamik der Verfolgung

Der WVI unterscheidet drei zugrundeliegende Motive oder Typen von christenfeindlichen Systemen, die die Entstehung von Verfolgung begünstigen: religiöser Extremismus, Staatsideologie und missbräuchliche totalitäre und korrupte Regime. Diese sind der Nährboden für die Triebkräfte von Verfolgung. Diese fasst der WVI in acht Kategorien zusammen, innerhalb derer die eigentlichen Urheber der Christenverfolgung handeln. Insgesamt identifiziert der WVI elf Hauptakteure, wie z.B. Familienclans oder Behörden. (vgl. untenstehende Tabelle).

Wie der Begriff sagt, ist Verfolgung in der größten Kategorie, «religiöser Extremismus», in der radikalen Religiosität der Akteure begründet. Er umfasst Gruppierungen, die dazu neigen, in sich geschlossene Gesellschaften zu bilden. Die «Anderen» sind ausgeschlossen und gelten als minderwertig, als Unmenschen oder Ungläubige. Jegliche noch so unmoralische oder unmenschliche Taten gegen diese sind erlaubt.

Im Bereich Staatsideologie ist der Staat der Auslöser für Verfolgung. Es handelt sich um religionsfeindliche Systeme wie kommunistische Diktaturen oder Länder, in denen radikaler Säkularismus vorherrscht. Personen, die sich dem System und der staatlichen Ideologie nicht beugen, werden nicht geduldet.

In missbräuchlichen Systemen streben elitäre Gruppierungen oder Einzelpersonen mit allen Mitteln danach, alle Macht und Ressourcen an sich zu reißen. Zu diesem Bereich zählen vor allem paranoide totalitäre Systeme oder korrupte mafia-ähnliche Gruppierungen. Um ihr Ziel zu erreichen verbünden sich die politischen Führer mit einflussreichen lokalen Anführern. In diesem Bereich ist Christenverfolgung meist nicht das strategische Ziel, sondern eine Nebenwirkung des Systems.
 

Triebkräfte von Verfolgung und ihre Ziele

Der WVI fasst die Triebkräfte von Verfolgung in acht Kategorien zusammen.

A) Religiöser Extremismus

  1. Islamischer Extremismus: Ein Land oder eine Region dem «Haus des Islam» einverleiben, wenn nötig mit Zwang und Anwendung von Gewalt.
  2. Religiöser Nationalismus: Ein Staat oder eine Region einer Religion unterwerfen: dem Hinduismus, Buddhismus, ultraorthodoxen Judentum oder anderen.
  3. (Wegen seiner Prävalenz wird der radikale Islam gesondert aufgeführt.)
  4. Exklusives Stammesdenken: Die Vorrangstellung von ethnisch-religiösen Traditionen oder überlieferten Kulten aufrechterhalten. Konfessionelles Anspruchsdenken: Eine traditionelle Mehrheitskirche als einzig anerkannte christliche Religionsgemeinschaft durchsetzen.

B) Staatsideologie

  1. Kommunistische Unterdrückung: Der Kommunismus wird zur ausschließlichen Staatsideologie.
  2. Säkulare Intoleranz: Religiöse Konzepte sollen aus dem öffentlichen Leben und dem individuellen Denken beseitigt werden.

C) Missbräuchliche Systeme

  1. Diktatorische Paranoia: Festhalten an der absoluten Macht, auch ohne zwangsläufig andere Ziele zu verfolgen.
  2. Systematische Korruption: Ein System von Anarchie, Gesetzlosigkeit und Korruption schaffen mit dem Ziel der eigenen Bereicherung.

In zahlreichen Ländern überschneiden sich die verschiedenen Triebkräfte, die zur Verfolgung führen bzw. eine vorherrschende Triebkraft begünstigt die Entwicklung von anderen Verfolgungsmechanismen.
 

Akteure oder Urheber von Verfolgung

Die eigentlichen Urheber von Verfolgung sind Gruppen oder Einzelpersonen, die von den oben genannten Kräften angetrieben werden. Der WVI erfasst elf Kategorien, die sich teilweise überschneiden bzw. verschiedene Akteure können sich zusammenschließen, um die Dynamik der Verfolgung in Gang zu setzen. Mit Ausnahme der Kategorie «Behörden» können die Akteure ziemlich genau identifiziert werden.

  • Lokale, nationale oder Provinz-Behörden
  • Anführer von militanten Gruppierungen oder Clans
  • Geistliche nichtchristlicher Religionen
  • Geistliche christlicher Glaubensgemeinschaften
  • Fanatische und extremistische Bewegungen
  • Anführer aus der Zivilgesellschaft oder Menschenansammlungen
  • Familien und Familienverbände
  • Lokale oder nationale politische Parteien
  • Aufständische oder paramilitärische Gruppen
  • Kartelle, Clans und Netzwerke des organisierten Verbrechens
  • Geheime Organisationen und Gesellschaften

Bei all diesen christenfeindlichen Systemen, Triebkräften und Akteuren von Verfolgung steht das Streben nach absoluter Macht im Mittelpunkt. Christen oder andere Einzelpersonen und Gruppen, die sich nicht unterwerfen, können Opfer von Verfolgung werden.

Der WVI zeigt, dass Christen in keiner Kategorie ausdrücklich Zielscheibe der Verfolgung sind. Möglicherweise steht bei allen ausschließlich das Streben nach absoluter Macht im Mittelpunkt.
In einer solchen Situation wäre es ratsamer, sich dieser zu beugen und möglichst nicht aufzufallen. Das steht jedoch im Gegensatz zum fundamentalen Glauben der Christen, dass absolute Macht keine irdische ist. Diese Haltung zeigt sich im öffentlichen sowie im privaten und familiären Umfeld und kann von möglichen Urhebern von Verfolgung als Herausforderung oder Provokation aufgefasst werden.
 

Analyse der Glaubensfreiheit in den fünf Lebensbereichen
 
Der Fragenkatalog folgt der Annahme, dass ein Christ sein Glaubensleben in fünf sich überschneidenden Sphären lebt:

  • Privatleben: Versucht der Verfolger die persönliche Intimsphäre zu besetzen und missachtet damit die Gedanken- und Gewissensfreiheit?
  • Familienleben: Versuchen Staat oder Angehörige einen Christen innerhalb seiner Familie an der Ausübung des Glaubens zu hindern?
  • Soziales Leben: Werden Christen in ihrem Lebensumfeld wegen ihres Glaubens bedroht oder daran gehindert, ihn auszuüben?
  • Zivilleben: Kontrolliert der Staat das Leben seiner Bewohner, sind Christen frei oder zu Bürgern zweiter Klasse deklassiert?
  • Kirchliches Leben: Haben Christen die Freiheit, ihren Glauben in einer Gemeinschaft zu leben und auszudrücken?

Ein sechster Abschnitt steht unter dem Titel "körperliche Gewalt". Dieser Bereich überschneidet sich mit den anderen; er wird zu Analyse- und Kommunikationszwecken getrennt betrachtet. Gewalt in der für den WVI 2017 maßgeblichen Zeitspanne zwischen dem 1. November 2015 und 31. Oktober 2016 untersucht. Sie kann in jedem Bereich auftreten.
 

Verfahren von der Vorausscheidung bis zum definitiven Index

Die Vorausscheidung der unter Beobachtung stehenden Länder erfolgt mit einem Schnellanalyseverfahren, dem «Rapid Appraisal Tool». Es gleicht Ergebnisse von Internetrecherchen mit verschiedenen Quellen ab. Je nach Resultat werden zusätzliche Feinuntersuchungen mit den Instrumenten «World Watch Survey» oder «Vulnerability Assessment Tool» vorgenommen. Wenn das Ergebnis einer oder mehrerer Analysen die Notwendigkeit einer vertieften Untersuchung bestätigt, werden die internen und externen Fachleute mit der Bewertung der betroffenen Länder mittels einem für den WVI ausgearbeiteten Fragebogen beauftragt.

Anhand der zusammengetragenen Daten wird eine Punktzahl ermittelt, die es ermöglicht, die betroffenen Länder nach Schweregrad der Verfolgung zu erfassen und aus den 50 Ländern, in denen die Christen am meisten verfolgt werden, die Reihenfolge auf dem Weltverfolgungsindex zu ermitteln.
 

Darstellung des Verfolgungsgrades im WVI-Raster

Das Ausmaß der Verfolgung wird im Raster des WVI mit verschiedenen abgestuften Farben dargestellt. Zuoberst im Index befinden sich die Länder, in denen die Christen am stärksten unter Verfolgung zu leiden haben.

  1. Absolute Verfolgung: Länder mit einem Wert von über 85 Punkten im Verfolgungsindex
  2. Extreme Verfolgung: Länder mit einem Wert zwischen 71 und 85 Punkten
  3. Schwere Verfolgung: Länder mit einem Wert zwischen 56 und 70 Punkten
  4. Mittelschwere Verfolgung: Länder mit einem Wert zwischen 41 und 55 Punkten
  5. Gelegentliche Verfolgung: Länder mit einem Wert zwischen 26 und 40 Punkten

Die Reihenfolge erlaubt es lediglich, die einzelnen Länder miteinander zu vergleichen. Eine Veränderung im Rang von einem Jahr zum anderen bedeutet aber nicht zwangsläufig eine Verschlechterung oder Verbesserung der Situation der Christen im betreffenden Land. Hingegen kann aus der Veränderung der erreichten Punktzahl von einem Jahr zum anderen eine gewisse Entwicklungstendenz für ein Land ermittelt werden.
 

Definition der Schlüsselbegriffe für die WVI-Recherche

Ein Christ ist: "jede Person, die sich selbst als Christ identifiziert oder zu einer christlichen Gemeinschaft gehört, die auf die historischen Bekenntnisse der Kirche gründet."

Verfolgung ist: "jegliche Form von Anfeindung oder Benachteiligung, die ein Christ wegen seines Glaubens an Christus erfährt. Das können feindselige Haltungen, Aussagen und Taten sein, die von außerhalb oder auch innerhalb der christlichen Gemeinschaft herrühren."

Die vorliegende Zusammenstellung der Situation erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Die vorliegenden Zahlen sind Minimalwerte, weil wir davon ausgehen, dass die Dunkelziffer der Vorfälle sehr viel höher liegt. Die Herausforderungen, konkrete und genaue Zahlen zu Angriffen auf Christen zu ermitteln, sind groß. Der Erhebungszeitraum der gesammelten Daten für den Weltverfolgungsindex (WVI) 2018 dauerte vom 1. November 2016 bis 31. Oktober 2017.

Wegen ihres Glaubens getötete Christen

Im Erhebungszeitraum wurden mindestens 3 066 Christen getötet. Die Anzahl hat sich im Vergleich zum Vorjahr verdoppelt, auch wenn sie den Spitzenwert des Indexjahres 2016 mit 7 106 Todesfällen nicht erreicht. Die größten Unterschiede zur Vorjahresperiode 2017 treten in Afrika auf, d.h. bei Auseinandersetzungen ethnischer Stammeskonflikte.

  Getötete Christen

  Index 2016  

  Index 2017  

  Index 2018  

  Nigeria

  4 028  

695  

  2 000  

  Zentralafrikanische Republik

  1 269  

13  

500  

  Ägypten  

12  

12  

128  

  Kenia  

225  

37  

39  

  Somalien  

3  

12  

23  

  Afghanistan  

3  

10  

21  

  Libyen  

58  

2  

10  

  Übrige Länder auf dem WVI 2018  

110  

90  

45  

  Nicht indexierte Länder 2018  

  1 359  

260  

285  

  TOTAL  

  7 106  

  1 207  

  3 066  

Überfallene, verwüstete und zerstörte Kirchen

Im Erhebungszeitraum für den WVI 2018 zählen wir 793 attackierte Kirchen. Die Verwüstungen reichen von bloßem Vandalismus bis hin zur völligen Zerstörung der Gebäude. Dazu zählen auch den Kirchen angeschlossene Schulen, Krankenhäuser und Friedhöfe. Der große Rückgang der Überfälle auf Kirchen, die zu ihrer Schließung oder Zerstörung führten, ist vor allem auf die veränderte Situation in China (siehe Länderprofil) zurückzuführen.

  Attackierte Kirchen

  Index 2016  

  Index 2017  

  Index 2018  

  Pakistan  

17  

600  

168  

  Zentralafrikanische Republik  

131  

1  

157  

  Indien  

23  

21  

34  

  Kolumbien  

14  

9  

32  

  Sudan  

53  

10  

25  

  Nigeria  

198  

33  

22  

  Indonesien  

20  

15  

19  

  Äthiopien  

0  

0  

19  

  Iran  

2  

11  

17  

  Mali  

7  

0  

13  

  Sri Lanka  

81  

35  

10  

  China  

  1 500  

300  

10  

  Übrige Länder auf dem WVI 2018  

169  

113  

95  

  Nicht indexierte Länder 2018  

210  

181  

172  

  TOTAL  

  2 425  

  1 329  

  793  

 

Entführungen, Vergewaltigungen und Zwangsheiraten

Unabhängig davon, ob im untersuchten Land Krieg herrscht oder nicht, wurden weitere, auf Christen abzielende Gewalttaten registriert. Bei Entführungen, Vergewaltigungen oder Zwangsheiraten zählen vor allem christliche Frauen und Mädchen zu den Opfern. Im Berichtszeitraum wurden 1 252 Entführungen, 1 020 Fälle von sexuellem Missbrauch und 1 240 Zwangsheiraten aus religiösen Gründen verzeichnet.

 

   

  Entfüh-  
  rungen  

  Vergewal-  
  tigungen  

  Zwangs-  
  heiraten  

  Pakistan  

700  

83  

700  

  Nigeria  

52  

500  

200  

  Zentralafrikanische Republik  

150  

150  

100  

  Kenia  

10  

100  

100  

  Libyen  

50  

30  

  

  Irak  

65  

10  

  

  Mexiko  

51  

   

  

  Mali  

9  

10  

25  

  Afghanistan  

22  

    

18  

  Kolumbien  

36  

  

2  

  Übrige Länder auf dem WVI 2018  

47  

72  

46  

  Nicht indexierte Länder 2018  

60  

65  

49  

  TOTAL  

1 252  

1 020  

1 240  

 

>> Gegen Christen verübte Gewalttaten (PDF)

1

In Nordkorea herrscht weiterhin ein sich von der Welt abschottendes Regime. Kim Jong-Uns Machtergreifung brachte weder eine wirtschaftliche noch eine diplomatische Öffnung: Ganz im Gegenteil, Nordkorea isoliert sich noch mehr. Kriegsrhetorik des Führers und Raketenbeschuss führen zu einer Verhärtung der Fronten in der internationalen Gemeinschaft. Der siebte Parteikongress im Jahr 2016 stärkte die Ideologie und die Rolle des Staatsoberhauptes. Die Grundlage der Herrschaft durch Kim Jong-Un steht auf zwei ideologischen Pfeilern: Auf der als «Juche» bezeichneten politischen Ideologie mit dem Fokus auf Autarkie und Selbstständigkeit und dann auf dem extremen Personenkult um seine Figur als «Grosser Führer».

2

Die Instabilität in Afghanistan nimmt weiterhin zu: einerseits durch das komplexe System der Stammeszugehörigkeiten und der daraus folgenden Rivalitäten, die sich im Vorfeld der Parlamentswahlen 2018 verschärfen, andererseits nehmen die gewalttätigen Angriffe extremistischer Gruppierungen zu – Beispiel ist die Bombardierung von 140 Regierungssoldaten im April 2017 durch die Taliban. Die westliche Vorstellung, was eine Nation ausmacht, hat in der afghanischen Kultur keinen Rückhalt: die Loyalität gilt zuerst der Familie, dann dem Clan, danach dem Stamm und erst dann einem Staat.

3

Somalia gilt als das korrupteste Land der Welt: Die organisierte Kriminalität grassiert. Die al-Schabaab-Gruppe, verbunden mit al-Kaida, ist stark im Menschenhandel involviert und erhebt sogar Steuern, um sich selbst zu finanzieren. In der somalischen Verfassung heißt es, dass alle Gesetze mit den allgemeinen Grundsätzen der Scharia übereinstimmen müssen: Jeder andere Glaube als der Islam wird abgelehnt und Muslime haben kein Recht, sich zu einer anderen Religion zu bekehren. Verboten sind z.B. auch Weihnachtsfeiern. Die religiösen Oberhäupter erklären in aller Öffentlichkeit, dass das Christentum in Somalia keinen Platz habe.

4

Während der Krieg in Darfur, Südkordofan und dem Gebiet des Blauen Nils weitergeht, geht die systematische Verfolgung der Christen durch die Regierung weiter. Besonders betroffen sind die Christen in den Nuba-Bergen. Die Politik der Regierung lautet schlicht: «Wir bedrängen sie, wir töten sie, wir hungern sie aus – solange, bis sie aufgeben.» Manch einer spricht von ethnischer Säuberung. 

5

Auch wenn im abgelaufenen Jahr der beabsichtigte Angriff zu Ostern auf die Kirchen in Lahore von den Sicherheitskräften verhindert werden konnte, erinnerte er daran, dass der islamische Extremismus in Pakistan weiterhin präsent und sehr aktiv ist. Die Armee geht auf eine widersprüchliche Weise gegen islamische Extremisten vor, indem sie zwischen «guten» und «schlechten» Dschihadisten unterscheidet. Sie bekämpft beispielsweise den Islamischen Staat, arbeitet aber mit Gruppen wie Jamaat-ud-Dawah und Haqqani zusammen, die es Pakistan ermöglichen, in Indien und Afghanistan Einfluss zu gewinnen.