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Wenige Wochen später wurde Mariam fälschlich beschuldigt, den Koran entweiht zu haben. Als Ankläger trat der verschmähte Imam auf. In der Golfregion haben solche Anschuldigungen verheerende Folgen. Selbst ohne offizielle Verurteilung müssen die Beklagten mit Haftstrafen, sozialer Ausgrenzung und der ständigen Gefahr von Selbstjustiz rechnen. Ganze Familien stehen häufig schutzlos und isoliert da, sobald Anschuldigungen wegen Blasphemie im Raum stehen. Gerichtsverfahren ziehen sich in die Länge, und mehr als einmal ist die öffentliche Meinung in solchen Fällen schon lange vor einer Urteilsverkündung in Gewalt umgeschlagen.
Während Mariam im Gefängnis auf ihren Prozess wartete, nahmen Verwandte ihr Kind bei sich auf. Sie schildert ihre Gedanken während dieser harten Monate: »Meine größte Angst galt meinem Kind. Ich dachte immer wieder: Was wird aus ihm, wenn ich nicht zurückkomme? Wer wird mein Kind und meine Familie beschützen?«
Unterdessen erreichten Nachrichten von Mariams Situation andere Christen im Land, die sich regelmäßig zum gemeinsamen Bibellesen und Beten treffen. Sie reagierten sofort. Gebetsanliegen wurden verbreitet und ein fester Zeitpunkt vereinbart, an dem alle Bibelkreise gleichzeitig für sie beteten. Obwohl Mariam physisch isoliert war, wurde sie nicht vergessen.
Zusätzlich dazu nahmen christliche Anwälte mit Unterstützung von Open Doors Mariams Fall vor Gericht auf. In einem Umfeld, in dem falsche Anschuldigungen oft unwidersprochen bleiben, war ihr Engagement von entscheidender Bedeutung. Während des Verfahrens forderte der Richter zusätzliche Beweise für die Anklage an. Als die Staatsanwaltschaft nicht in der Lage war, diese vorzulegen, wurde Mariam gegen Kaution freigelassen. Auch wenn der Fall noch nicht abgeschlossen ist, stellte ihre Freilassung eine ungewöhnliche und bedeutende Entwicklung dar. Doch Freilassung bedeutet nicht Sicherheit.
Nach ihrer Entlassung aus dem Gefängnis konnte Mariam nicht nach Hause zurückkehren. Dort hätte nicht nur ihr und ihrem Kind, sondern auch anderen Frauen und Kindern in ihrer Großfamilie Gefahr gedroht.
Stattdessen wurden Mariam und ihr Kind in eine sichere Unterkunft umgesiedelt. Ihr Aufenthaltsort ist geheim. Ihre Bewegungsfreiheit ist eingeschränkt. Immer wieder wacht sie nachts auf, weil sie Albträume hat. »Ich sehe überall Gefahr, auch in meinen Träumen.« Ihr Alltag i
st von Vorsicht geprägt. »Ich bin immer wachsam«, sagt Mariam. »Ich achte darauf, wer sich in meiner Nähe befindet. Ich überlege mir jeden Schritt sorgfältig.« Doch sie erlebt auch Gottes Trost – unter anderem in Träumen, bei denen sie sich und ihr Kind an lichtdurchfluteten Orten sieht. »Ich empfinde das als Gottes Reden, in dem er mir seinen Schutz und Geborgenheit für uns beide zuspricht.«
* Namen aus Sicherheitsgründen geändert