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Nan* erinnert sich daran, wie viele Professoren und Wissenschaftler noch vor einem Jahrzehnt in den Kirchen ihrer Gegend aktiv mitgewirkt haben. Sie pflegte zu scherzen, dass, wenn man in einem Raum voller Professoren und Lehrer die Anwesenden bitten würde, sich als Christen zu zu erkennen geben, die Hälfte die Hand heben würde. Vor zehn Jahren waren christliche Vorträge, Schulungen und die Campus-Seelsorge geprägt von Begeisterung und lebhaften Diskussionen.
Aber jetzt? Alles hat sich verändert.
Nan ist eine Gemeindeleiterin, die in einer Hausgemeinde tätig ist, die vor 15 Jahren in einer Region Chinas gegründet wurde, in der es zahlreiche Universitäten und Hochschulen gibt. Und sie erinnert sich noch sehr gut an den Wendepunkt.
»Es war ein ganz normaler Sonntag, vor etwa vier Jahren«, erinnert sie sich. »Wir waren gerade zusammen, als plötzlich die Polizei bei uns eine Razzia durchführte. Sie verlangten, dass jeder seine Ausweisnummer angibt. Wir zögerten, waren besorgt, aber sie beharrten darauf, dass es sich nur um eine Routinemaßnahme handele, und versicherten uns, dass es keine Auswirkungen auf uns haben würde. Wir hatten keine Erfahrung damit und waren nicht darauf vorbereitet – also haben wir schließlich mitgemacht.«
Von der Razzia waren vor allem Gläubige betroffen, die an Universitäten tätig waren. Kurz darauf gingen entsprechende Mitteilungen an die Einrichtungen. Einige Universitäten luden Lehrkräfte zu privaten Verwarnungsgesprächen ein; strengere Einrichtungen übten öffentliche Kritik oder kürzten sogar die Gehälter. Für diejenigen, die einst Mitglieder der Kommunistischen Partei Chinas (KPCh) gewesen waren und zum Christentum konvertiert waren, war der Druck noch größer.
Von diesem Tag an wurden Hochschullehrer, deren Glaube bekannt wurde, auf eine schwarze Liste gesetzt, streng überwacht, jedes Semester zu Gesprächen vorgeladen und ermahnt, nicht an »illegalen religiösen Aktivitäten« teilzunehmen oder auf dem Campus über ihren Glauben zu sprechen. Ihre berufliche Zukunft wurde durch ständige Kontrolle überschattet.
»Mittlerweile nimmt die Zahl der Hochschullehrer in unserer Kirche immer weiter ab«, sagt Nan. »Aufgrund der langjährigen Unterdrückung des Glaubens in diesem Land haben sich bei den christlichen Hochschullehrern in unserer Kirche Veränderungen vollzogen. Einige wurden gezwungen, ihre Stellen aufzugeben; wenige sind ausgewandert. Die meisten haben sich in kleine Familiengemeinschaften zurückgezogen oder beschränken sich auf Online-Sonntagsgottesdienste.«
»Einige haben aus Angst sogar ihren Glauben aufgegeben. Doch eine kleine Gruppe war bereit, mutig die schlimmsten Konsequenzen in Kauf zu nehmen, und setzte ihren Dienst in der Kirche vorsichtig fort.«
— Nan, Hausgemeindeleiterin in China
In der derzeitigen restriktiven Kultur unter der Führung von Präsident Xi Jinping und der KPCh setzt China den Grundsatz der »Trennung von Bildung und Religion« auf allen Ebenen und in allen Schultypen, einschließlich der Universitäten, strikt durch. Der Staat räumt zudem der Förderung des Atheismus, des Marxismus sowie der Ideologien »Liebe zur Partei« und »Liebe zum Vaterland« innerhalb des Bildungssystems Priorität ein.
Das einheitliche Verwaltungssystem unter der Aufsicht des Sekretärs der KPCh-Ortsgruppe unterwirft Universitäten und Hochschulen in China einer strengen Überwachung hinsichtlich christlicher Aktivitäten und verpflichtet sie zur Einhaltung der Regierungspolitik. Diese Kontrolle bedeutet, dass immer dann, wenn Kirchen in Nans Gebiet von Razzien oder Störungen betroffen sind, Hochschullehrer oft die Hauptzielscheibe sind. Da sie an Hochschulen unter staatlicher Aufsicht arbeiten und in engem Kontakt mit den Studierenden stehen, werden sie von den Hochschulbehörden genauer beobachtet.
Die meisten Studierenden sind bereits älter als 18 Jahre, was bedeutet, dass sie gesetzlich gesehen die Kirche besuchen dürfen (in China ist es allen Minderjährigen untersagt, die Kirche zu besuchen). Doch der Druck hat eine einschüchternde Wirkung auf die Universitätsmitarbeiter. Und nach und nach sind ihre Stimmen in der christlichen Gemeinde immer leiser geworden und schließlich ganz verstummt.
Hui*, ein lokaler Partner von Open Doors, sprach mit mehreren Gläubigen aus derselben Gegend, in der sich Nans Gemeinde befindet:
Professor Zhang*, ein Mathematiker in den Vierzigern, ist seit mehr als zehn Jahren Christ, während er an der Universität lehrt und forscht. Von Natur aus zurückhaltend, hat er seinen Glauben auf dem Campus nie offen bekundet, dennoch wurde er vor Jahren denunziert. Seitdem bringt jedes Semester eine neue Reihe von Fragen und Warnungen seitens der Hochschulleitung mit sich. Nach jedem Gespräch hat er das Gefühl, dass der Glaube an Jesus ihn zu einem Außenseiter macht.
Er erzählte, dass er einmal von der Universität aufgefordert wurde, eine »Erklärung zum Glaubensverzicht« zu unterzeichnen. Ohne zu zögern lehnte er dies ab und erinnerte sich dabei an die Worte aus Matthäus 10,33: »Wer mich aber vor den Menschen verleugnet, den werde auch ich vor meinem Vater im Himmel verleugnen.« Dennoch bereiten ihm diese Gespräche Unbehagen. »Wenn ich gefragt werde, in welche Kirche ich gehe, bin ich zutiefst beunruhigt«, sagt er. »Aus Sicherheitsgründen kann ich weder den Namen noch den Standort meiner Hauskirche preisgeben. Manchmal sage ich, dass ich einer in China gesetzlich anerkannten Kirche angehöre, aber diese Verschleierung ist mir peinlich. Um ständige Nachfragen zu vermeiden, habe ich im letzten Jahr aufgehört, persönlich an den Sonntagsgottesdiensten teilzunehmen, und höre mir nun nur noch Predigten online an. Das schadet meinem geistlichen Wachstum, da es mich von anderen Gläubigen trennt.«
Mei*, eine Lehrerin mittleren Alters, wurde kürzlich dazu gedrängt, Screenshots ihrer christlichen WeChat-Gruppe (einer in China weit verbreiteten Social-Media-Plattform) herauszugeben, und wurde gezwungen, eine Erklärung zu unterzeichnen, in der sie versprach, nicht an illegalen christlichen Versammlungen teilzunehmen. »Ich gehe immer noch jeden Sonntag in die Hauskirche«, erzählt sie Hui. »Jedes Mal, wenn ich hingehe, habe ich Angst, entdeckt zu werden. Wenn unsere Kirche durchsucht wird, wird meine Identität aufgedeckt, und ich weiß nicht, wie ich mit der Bestrafung durch die Schule umgehen soll.«
Professorin Li* steht kurz vor dem Ruhestand. Sie war Mitglied der Kommunistischen Partei, ist aber vor Jahren zum Christentum konvertiert. An ihrer Universität drohen Mitgliedern der KPCh schwere Strafen, wenn sie an christlichen Veranstaltungen teilnehmen – selbst in offiziell anerkannten Kirchen. Sie sehnt sich nach dem Ruhestand, um dieser Kontrolle zu entkommen, doch Gerüchte besagen, dass ein offenes Bekenntnis zu ihrem Glauben, selbst nach dem Ruhestand, ihre Rente beeinträchtigen könnte. »Solche Nachrichten mögen wahr sein oder auch nicht«, überlegte sie, »aber sie können diejenigen entmutigen, die schwach sind. Ich danke Gott, dass er mich, obwohl ich schwach bin, weiterhin auf vielfältige Weise unterstützt und mich dadurch bereit macht, ihm näherzukommen.«
Professor Wei* ist ein angesehener Kunstprofessor, der seit langem in einer Hauskirche mitwirkt. In seiner Lehre verbindet er häufig Philosophie mit einer christlichen Sichtweise auf die Kunst, was ihm die Bewunderung seiner Studenten einbringt. Dennoch erzählte er Hui, dass er vorgeladen und gezwungen worden sei, eine Erklärung zu unterzeichnen, in der er sich verpflichtet, das Evangelium auf dem Campus nicht zu verbreiten.
»Sollte bekannt werden, dass ich in einer Hauskirche mitarbeite, und ich mich zwischen meinem Glauben und meinem Arbeitsplatz entscheiden müssen, bin ich bereit, meinen Arbeitsplatz aufzugeben«
— Professor Wei*
Die Behörden scheinen es auf mehrere konkrete Ausdrucksformen des christlichen Glaubens und christlichen Einflusses abgesehen zu haben: Verbindungen zu christlichen Kreisen im Ausland; Mitglieder der KPCh, die zum Christentum konvertieren; Lehrer, die den Glauben ihrer Schüler beeinflussen; sowie christliche Zusammenkünfte, an denen sowohl Lehrer als auch Schüler teilnehmen. Keine dieser Handlungen wird von den Behörden toleriert.
»Die Universitätsleitung fördert das Melden von Verstößen und untergräbt damit das Vertrauen zwischen Kollegen und Studierenden«, erklärt Hui. »Einige Lehrkräfte mussten aufgrund ihres Glaubens mit Verwarnungen, Degradierungen oder der Entlassung aus dem Lehramt rechnen. Forschungsmöglichkeiten und Aufstiegschancen werden denjenigen oft verwehrt, von denen bekannt ist, dass sie christlichen Glaubens sind.«
Insgesamt ist die Atmosphäre erdrückend. Die Universitätsgelände, insbesondere an staatlichen Hochschulen, sind von Überwachungsmaßnahmen durchdrungen. Äußerungen von Lehrenden in Vorlesungen können gemeldet werden. In den Winter- und Sommerferien finden obligatorische Veranstaltungen zu Patriotismus und Sektenbekämpfung statt. Diese Propaganda wird von den Behörden häufig als Mittel zur Unterdrückung von Christen eingesetzt. Gleichzeitig müssen Reisepässe zwangsweise an die Universitäten abgegeben werden und können nur während der Ferien nach vorheriger Beantragung wieder entnommen werden, wofür Reisepläne ins Ausland und »triftige« Reisegründe erforderlich sind. Selbst dann erhalten christliche Lehrkräfte manchmal eine besondere Warnung, im Ausland keine Kirchen zu besuchen.
»Die beschriebenen Situationen sind keine Ausnahmen«, erklärt Hui. »An fast jeder Universität in ganz China ist dies mittlerweile gang und gäbe. Sobald der christliche Glaube eines Lehrenden bekannt wird, wird dieser einer besonderen Überwachung und Kontrolle unterworfen – wobei das Ausmaß der Einschränkungen je nach Einrichtung und Region variiert.«
Professor Zhang erläutert die Gründe dafür. »An unserer Hochschule wird betont, dass nicht nur unsere Körper der Einrichtung gehören, sondern auch unsere Gedanken«, sagt er. »Wenn man fragt, welcher Glaube hier kontrolliert wird, lautet die Antwort: das Christentum.«
Ein weiterer Dozent, Professor Jing*, pflichtet ihm bei. »Vor kurzem wurde ein neuer Vizepräsident direkt vom Amt für religiöse Angelegenheiten entsandt, der speziell dazu bestimmt ist, unser ideologisches Denken zu überwachen und zu kontrollieren«, sagt er. »Der christliche Glaube ist das Hauptziel.« Jing hat aufgrund der verschärften Kontrollen vorübergehend aufgehört, die Sonntagsgottesdienste in einer örtlichen Hauskirche zu besuchen, und trifft sich nun heimlich mit einer kleinen Gruppe von Gläubigen in einer Privatwohnung.
Der Glaubensfreiheit der Lehrkräfte werden nicht nur Grenzen gesetzt; die Behörden nutzen die Lehrkräfte zudem dazu, die Weltanschauung der Schüler zu kontrollieren. In jedem Fach – selbst in Mathematik und Naturwissenschaften – muss politische Ideologie einfließen, und von den Lehrkräften kann verlangt werden, die Schüler jedes Semester davor zu warnen, an »illegalen religiösen Aktivitäten« teilzunehmen.
»In meinem Forschungsbereich werden Doktoranden aufgenommen, doch seit kurzem sind Christen davon ausgeschlossen, während buddhistische Studierende keinerlei Einschränkungen unterliegen«, sagt Professor Jing seufzend. »Ich habe mich einmal dagegen gewehrt, aber es hat sich nichts geändert.«
Vor zehn Jahren waren die religiösen Überzeugungen von Professoren weitgehend eine private Gewissensangelegenheit. Doch mittlerweile sind sie zu einem öffentlichen Kontrollthema geworden. Der Glaube wird nicht mehr als Teil des Privatlebens eines Lehrenden toleriert – stattdessen wird er als Bedrohung für die ideologische Korrektheit angesehen. Die Folge ist Schweigen auf den Campus: Christliche Lehrende leben unter ständiger Beobachtung, ihre Stimmen werden zum Schweigen gebracht, ihr Vertrauen untergraben und ihr spirituelles Leben in die Geheimhaltung gedrängt.
Diese Tatsache hat die Partner von Open Doors dazu veranlasst, Wege zu finden, um den besonderen Bedürfnissen dieser Gemeinschaft gerecht zu werden.
»In den letzten Jahren ist uns bewusst geworden, dass christliche Hochschullehrer in China eine in besonderer Weise verfolgte Gruppe sind«, sagt Hui. Diese Gläubigen sind nur wenige und über die riesige akademische Gemeinschaft verstreut, doch sie strahlen das Licht Christi aus. Sowohl an ihren Arbeitsplätzen als auch in ihren Gemeinden ist ihr Einfluss ungebrochen. Wie es in Johannes 1,5 heißt: »Das Licht leuchtet in der Finsternis, und die Finsternis hat es nicht überwunden.«
»Auch wenn sie nur selten inhaftiert werden, leben diese Christen unter ständiger Überwachung und unter Druck. Ihr Denken, ihre berufliche Laufbahn und ihr geistliches Wirken werden streng kontrolliert, und ihr Leid ist für andere nur schwer nachzuvollziehen.«
Um Hochschullehrern und Wissenschaftlern zur Seite zu stehen, organisieren die lokalen Partner von Open Doors Treffen und Gespräche zur Vorbereitung auf Verfolgung für sie. Bei diesen Gelegenheiten sprachen die Professoren über ihren Glauben und ihre Erfahrungen, in dem Wissen, dass sie nicht allein waren.
»Unsere Unterstützung sorgt dafür, dass sie nicht isoliert zappeln müssen«, erklärt Hui. »Wir fördern die christliche Gemeinschaft, die gegenseitige Hilfe bei der Forschung und den fortwährenden Dienst für den Herrn in ihren jeweiligen Fachgebieten.«
»Bitte betet für sie! Wir suchen weiterhin nach Wegen, ihren Glauben an Jesus zu stärken. Wir glauben, dass Gott am Werk ist, selbst in der Stille.«
— Hui*, Partner von open Doors