01.05.2019 /
Vietnam
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Vietnam: Großmutter und ihr Sohn von Familie vertrieben

In Vietnam wurden ein Mann und seine 90-Jährige Mutter von ihrer eigenen Familie aus ihrem Dorf vertrieben, weil sie zum Christentum konvertierten.

Die 90-jährige Großmutter hat in der Kirche in einem anderen Dorf Zuflucht gefunden, aber ihr Sohn Vinh (Name geändert) hat noch keine Bleibe. Die eigene Familie schlug die beiden, weil sie zum Christentum übergetreten waren.

In den Wald gejagt

Im Jahr 2018 wurde Vinh (57), der in Nordvietnam lebt, Christ. Einige Wochen später traf seine Mutter, Ngoc (Name ebenfalls geändert), die gleiche Entscheidung. Nachdem die beiden der Familie von ihrer Bekehrung erzählten, lehnten Vins Frau und die Kinder dies ab. Sie schlugen die beiden und jagten sie in den Wald.

Vinhs Frau und die Kinder warnten die Nachbarn: «Wenn ihr sie aufnehmt, werden wir kommen und sie schlagen und euch den Behörden melden!»

Von Enkeln am Bein verwundet

Ngoc, die 90 Jahre alt ist, wurde an ihrem Bein schwer verletzt. Heute humpelt sie noch immer. Sie wurde von einer Kirche in einem anderen Dorf aufgenommen. Vinh wohnt derzeit in einem provisorischen Zelt im Wald. Christen im anderen Dorf wagten nicht, ihn aufzunehmen, aus Angst vor Vergeltungsmaßnahmen. Sie versorgen ihn jedoch mit Essen.

Mitte März 2019 reiste er in eine nahegelegene Stadt, um eine Taufurkunde zu erhalten. Als er damit zurückkam und es den örtlichen Behörden überreichte, wurde ihm gesagt: «Wir erkennen dieses Dokument nicht an, weil es für uns keinen Wert hat.»

Warum ein solcher Widerstand von Verwandten?

In Vietnam erfolgt die stärkste Verfolgung gegen Christen durch die kommunistische Regierung, das aktuelle Religionsgesetz ist am 1. Januar 2018 in Kraft getreten. Die Aktivität von Christen wird überwacht, weil der Staat dieser wachsenden Gemeinschaft misstraut. In den letzten Jahren hat sich die Lage verschärft, indem ihre Meinungs- und Versammlungsfreiheit eingeschränkt worden ist.

Fast 80 Prozent der protestantischen Gläubigen in Vietnam kommen aus indigenen Minderheiten, wie aus dem Volk der Hmong, die in abgelegenen Gebieten der zentralen und nördlichen Regionen des Landes leben. Diese Minderheiten werden stärker verfolgt, weil zusätzlicher Druck durch die Familien entsteht. Denn ihre Verwandten glauben, dass sie ihren angestammten Glauben verleugnen. Sie gelten dann als Verräter ihrer Kultur und Identität.