19.06.2020 /
Sudan
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Sudan: Christen leiden unter der Wirtschaftskrise

Im Sudan wird für die Christen die positive Entwicklung im Bereich der Glaubensfreiheit überschattet von der dramatischen Versorgungslage inmitten der Corona-Pandemie.

Die sudanesische Übergangsregierung hat zugestimmt, eine Nationale Kommission für Religionsfreiheit einzurichten. Sie soll gegen Verletzungen der Religionsfreiheit im Land vorgehen. Der Beschluss ist Teil eines Friedensabkommens zwischen der Übergangsregierung und der Sudanesischen Volksbefreiungsbewegung SPLM-A, die ihren Sitz in den überwiegend christlichen Bundesstaaten Südkordofan und Blauer Nil hat. »Wir begrüßen dieses Ergebnis. Es ist ein guter Anfang«, kommentierte Jo Newhouse, Sprecherin der Abteilung für Subsahara-Afrika von Open Doors.

Nun sind aber diese politischen Errungenschaften im Bereich der Glaubensfreiheit durch das unter der Corona-Pandemie kollabierende Gesundheitssystem und die desaströse Wirtschaftslage gefährdet. Bereits vor dem Sturz des ehemaligen Präsidenten Hassan al Bashir litt der Sudan unter einer Wirtschaftskrise. Durch die Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie hat sich die Lage derart verschärft, dass Grundnahrungsmittel wie Brot nur noch zu exorbitanten Preisen auf dem Schwarzmarkt verfügbar sind, sagt Wajih*, ein örtlicher Pastor. Gegenüber Open Doors wies er darauf hin, dass darunter besonders Christen muslimischer Herkunft leiden. »Sie hängen sehr stark von dem Einkommen ab, das sie durch kleinere Verkaufstätigkeiten verdienen. […] Aufgrund ihres Glaubens erhalten sie keinerlei Unterstützung von ihrer Familie, ihrem Stamm oder ihrer Gemeinschaft.« 

Einer dieser Christen namens Adam* ergänzt: »Wegen des Coronavirus verlieren viele von uns die Arbeitsplätze, auf die wir für unseren Lebensunterhalt angewiesen sind. Wir haben unsere Wohnungen verloren, weil wir in Mietshäusern leben und aufgrund der Krise die Miete nicht mehr zahlen können.«

Pastor Wajih macht sich große Sorgen um Konvertiten, die noch jung im Glauben sind und jetzt versucht sein könnten, zum Islam zurückzukehren, um Unterstützung von ihrer Familie und Gemeinschaft zu erhalten. »Wenn sie sich an ihre Gemeinschaft wenden, werden sie unter Druck gesetzt, ihren christlichen Glauben aufzugeben, damit sie Hilfe bekommen. Es ist wirklich eine Tragödie. Aber sie beten, wann immer sie sich treffen, und rufen mich als Pastor an, um für sie zu beten.«

*Decknamen

Quellen: Christian Solidarity Worldwide, Open Doors