11.03.2021 /
Pakistan
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Pakistan: Christliche Krankenschwester fälschlich beschuldigt und gewaltsam angegriffen

Eine christliche Krankenschwester wurde am 28. Jänner in einer Entbindungsklinik in Karachi, Pakistan, von ihren Kolleginnen angegriffen. Ihre Angreifer warfen ihr vor, gegen den Islam gelästert zu haben; dafür hatten sie jedoch keine Beweise.

Tabitha Nazir Gill, eine christliche Krankenschwester, die der Blasphemie beschuldigt wird, wurde von anderen Krankenschwestern in der Entbindungsklinik in Karachi, in der sie arbeitet, angegriffen und geschlagen. Die Szene wurde gefilmt und in sozialen Netzwerken gepostet. Nichts auf dem Video bestätigt die Vorwürfe der Angreifer. Die Krankenschwester hat einer Patientin lediglich mitgeteilt, dass sie für sie beten würde.
Die damals anwesenden Krankenschwestern stürzten sich sofort auf die christliche Krankenschwester. Sie versuchte zu fliehen, aber ihre Kolleginnen verfolgten sie, schlugen sie und schleppten sie die Treppe vom dritten in den ersten Stock hinunter.

Trotz der Anschuldigungen ihrer Angreifer, über die in den pakistanischen Medien berichtet wurde, besteht Nazir Gill darauf, dass sie keine blasphemischen Äußerungen gemacht hat. Auf den Videos, die in sozialen Netzwerken gepostet werden, sagt sie kein Wort über Mohammed, den Propheten des Islam. Doch die Ankläger schafften es, die Polizei davon zu überzeugen, eine Untersuchung wegen Blasphemie einzuleiten: Tabitha Nazir Gil soll gesagt haben, dass Mohammed »kein Prophet« sei.

Seit Monaten unter Druck

Tabithas Kollegen hatten sie seit Monaten unter Druck gesetzt, zu kündigen. Der christliche Glaube der Krankenschwester war der Grund für die Spannung. In Pakistan, einem Land, in dem der Islam die Staatsreligion ist, werden Christen regelmäßig der Blasphemie beschuldigt. Ein Verbrechen, das zu schweren Gefängnisstrafen oder sogar zur Todesstrafe führen kann. Aber pakistanischen Anwälten zufolge wird das Blasphemiegesetz oft einfach als Vorwand benutzt, um Rechnungen mit Nachbarn oder Kollegen zu begleichen; meist, ohne den geringsten Beweis zu erbringen.