24.07.2020 /
Nigeria
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Nigeria: Erneute Angriffe gegen Christen

Die Gewalt und die Ermordung von Christen in Nigeria gehen weiter.

Matthew war an diesem Abend mit dem Kirchensekretär auf Patrouille, um ihr Dorf auf Anzeichen eines Angriffes zu überwachen. Er wurde auf dem Heimweg erschossen. Am nächsten Morgen holten Dorfbewohner seine Ehefrau und führten sie zum Ort der Tragödie. »Ich sah meinen Mann tot liegen, das Grab war bereits ausgehoben. Ich stand unter Schock. Ich umarmte meine Töchter und weinte«, erzählt Rose*. 22 Tote, Dutzende Verletzte, 163 niedergebrannte Häuser, über tausend Personen auf der Flucht: Das ist die Bilanz der jüngsten Angriffe, die zwischen dem 10. und 12. Juli im Bundesstaat Kaduna verübt wurden.

Eine von einer christlichen Kriminologin geleitete NGO der nigerianischen Zivilgesellschaft hat kürzlich einen Report veröffentlicht, der auf ausführlichen Berichten und zuverlässigen Zeugenaussagen beruht. Er zeigt, dass von den zahlreichen zwischen Jänner und Juni 2020 verzeichneten Opfern die meisten von Fulani-Hirten, die größtenteils Muslime sind, ermordet wurden. Diese Viehzüchter wurden radikalisiert, um Anschläge gegen vorwiegend christliche Gemeinschaften in ländlichen Gebieten in den Staaten des Middle Belt zu verüben, wo vor allem Landwirtschaft betrieben wird. Andere Morde an Christen werden radikal-islamischen Gruppen wie Boko Haram im Nordosten und dem Islamischen Staat in Westafrika (ISWAP) zugeschrieben. Es ist auch von bewaffneten Banditen die Rede.

Nigeria steht im Weltverfolgungsindex 2020 von Open Doors auf Platz 12. Und zum fünften Mal in Folge ist Nigeria das Land, wo die meisten Christen wegen ihres Glaubens getötet wurden. 

»Die Polizisten, die dafür sorgen sollten, dass die Ausgangssperre eingehalten wird, waren nicht auffindbar, als die Angriffe begannen«, sagten mehrere Zeugen, wie die Medien und verschiedene NGOs berichteten. Der Leiter der NGO »Christian Solidarity Worldwide (CSW)« meint: »Wir sind bestürzt über die Haltung der Sicherheitskräfte, die diese bewaffneten Gruppen nicht daran hinderten, die Zivilbevölkerung während drei aufeinanderfolgenden Tagen zu terrorisieren.« Er sagt weiter: »Die anhaltende Gewalt und der Verlust von Menschenleben zeigen ein dauerhaftes Versagen oder einen mangelnden Willen seitens der Behörden auf, alle Bürger wirksam und unparteiisch zu beschützen.«

Eine nigerianische NGO ist alarmiert: »Die Zahl der Mädchen und (un)verheirateten Frauen, die von radikalen Muslimen entführt werden, steigt weiter an. Sie werden als Sexsklavinnen ausgebeutet oder zwangsverheiratet und zum Islam bekehrt.« Im Dezember 2019 hat das US-Außenministerium Nigeria auf seine Beobachtungsliste der Länder gesetzt, die schwere Verletzungen der Religionsfreiheit begehen oder tolerieren.

*Deckname