08.01.2021 /
Kamerun
/ news

Kamerun: »Bitte betet für unsere Feinde!«

Fast ein Jahr ist es her, dass der Weltverfolgungsindex 2020 von Open Doors publiziert und Kamerun zum ersten Mal in den 50 Ländern des Index gelistet wurde. Im vergangenen Jahr haben im Norden des Landes die Angriffe auf Christen nochmals um 90% zugenommen. Dennoch bleiben sie standhaft, wie unsere lokalen Partner feststellen konnten.

Die Straßen waren durch Regen und die tägliche Beanspruchung fast unbefahrbar. Tiefe Gräben und freiliegende Baumwurzeln sorgten dafür, dass das Team nur mit größter Mühe zu dem Dorf durchdringen konnte. Ihr Ziel war, die Christen zu besuchen, sie zu ermutigen und den über 300 in der Gegend lebenden Familien dringend benötigte Hilfsgüter zu bringen. Nach zahlreichen Angriffen der islamistischen Boko Haram ist das Gebiet zur »roten Zone« deklariert worden, die Sicherheits- und Versorgungslage ist dramatisch.

Während des Besuchs nimmt das Team auch an einem Gottesdienst teil. Sonntags kommen die Gemeindemitglieder, von denen die meisten zum Schutz in den Bergen leben, zur Kirche im Dorf herunter. Draußen hält der 15-jährige Dieudonné im Schatten eines Baumes Wache, bewaffnet mit seiner Bibel und einem Stock. »Wenn ich etwas sehe, informiere ich sofort die anderen«, sagt er.

Immer in Alarmbereitschaft

Nach dem Gottesdienst macht sich das Team gemeinsam mit dem Pastor auf den beschwerlichen Weg den Berg hinauf, um eine Witwe und ihre Kinder zu besuchen. Wie viele andere besitzt auch sie noch ein Haus im Dorf, fühlte sich aber durch die wiederholten Angriffe zu sehr bedroht. Ihr provisorisches Haus aus Stein, Lehm und Stroh bietet nur wenig Schutz. Die Witwe bietet den Besuchern großzügig Wasser an. »Stellt euch diesen Weg mit einem Wasserkanister auf dem Kopf vor«, bemerkt der Pastor, während er einen Schluck nimmt. Plötzlich kommt ein sechsjähriges Kind schreiend den Berg heruntergelaufen. Die Stimmung kippt schlagartig. Seine Mutter beruhigt es. »Wenn wir laute Schreie hören, rennen wir, bevor wir denken. Hätte das Kind bei uns unten so geschrien, wäre eine Massenflucht die Folge gewesen«, bemerkt der Pastor und zeigt hinunter ins Dorf.

Vertrauen auf Gottes Eingreifen

Über 300 Familien aus 15 Dörfern haben sich versammelt, um Lebensmittel, Schlafmatten, Kübel und Kleidung in Empfang zu nehmen. Witwen und Gemeindeleiter erhalten auch Bargeld für die dringendsten Bedürfnisse. Viele Christen, die unsere Nothilfe erhalten, bitten uns, für sie zu beten – aber auch für ihre Feinde. »Bitte betet, dass Gott uns in Bezug auf Boko Haram hilft, die uns weiterhin angreifen. Bittet Gott auch, dass er ihre Herzen verändert, denn was sie tun, ist nicht gut«, sagt Halima. Ein anderer Christ namens Amadou bestätigt: »Wir beten, dass der Herr alle Feinde zum Glauben bringt. Denn ich weiß, dass auch der Apostel Paulus anfangs die Christen verfolgte.«