22.07.2021 /
Iran
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Iran: Zwei Gerichtsurteile gegen Christen

Die Berufung für Hamed Ashoori, der zu zehn Monaten Gefängnis verurteilt wurde, ist abgelehnt worden. Genauso, wie die Bewährung für Nasser Navard Gol-Tapeh, der zu zehn Jahren Gefängnis verurteilt wurde. Ihr einziger Fehler ist, dass sie Christen im Iran sind.

In letzter Zeit sind zwei Gerichtsentscheidungen gefällt worden, die schwer zu akzeptieren sind. Sie illustrieren, wieviel es kosten kann, den christlichen Glauben im Iran zu praktizieren – und wie schwierig es ist, den iranischen Justizapparat zu hinterfragen.

Berufung zurückgewiesen

Am 26. Juni erhielt Hamed Ashoori die schlechte Nachricht: Seine Berufung wurde abgelehnt und er hatte zehn Tage Zeit, sich im Gefängnis von Karaj zu melden, um eine zehnmonatige Haftstrafe zu anzutreten. Er war im April 2021 von der 4. Abteilung des Revolutionsgerichts in Karadsch wegen »Propaganda gegen die Islamische Republik« verurteilt worden. Mit anderen Worten, für das Praktizieren eines anderen Glaubens als den Islam der Ayatollahs.
Seine Verhaftung geht auf den Februar 2019 zurück, aber sein Prozess wurde wegen der Covid-19-Pandemie verschoben.

Hamed wurde von Geheimdienstagenten verhaftet, als er sein Haus verließ. Dieses wurde durchsucht und Bibeln, christliche Literatur und mehrere Festplatten wurden beschlagnahmt. Er wurde dann für zehn Tage in Einzelhaft in einem Gefängnis untergebracht. Ihm wurde eine beträchtliche Geldsumme angeboten, wenn er sich bereit erklärte, andere Christen für das Regime auszuspionieren.
Er wurde geschlagen, weil er sich weigerte und musste sich dann »Umerziehungs«-Sitzungen mit einem Imam unterziehen. Seine mangelnde Kooperation in diesen Unterweisungen führte zu seiner Verurteilung.

Bewährung abgelehnt

Ende Juni erhielt Nasser Navard Gol-Tapeh (59) einen Brief von der Teheraner Staatsanwaltschaft: Sein Antrag auf Haftentlassung wurde abgelehnt. Verurteilt zu zehn Jahren Gefängnis wegen »Gefährdung der nationalen Sicherheit«, hatte er bereits ein Drittel seiner Strafe verbüßt. Dadurch kam er für eine Bewährungsstrafe in Frage.
Seit Beginn seiner Inhaftierung im Jänner 2018 hatte Nasser drei Anträge auf Überprüfung seiner Strafe gestellt, die alle drei abgelehnt wurden. Diesmal hatten ihm die Behörden des Evin-Gefängnisses in Teheran, in dem er inhaftiert ist, zugesichert, dass sein Antrag angenommen werden würde. Leider war dies nicht der Fall.

Nasser hatte auch mehrere offene Briefe geschrieben. Darin fragte er, warum der einfache Akt, dass sich Christen in einem Privathaus treffen, Hymnen singen und in der Bibel lesen, als »Verletzung der nationalen Sicherheit« angesehen wird.
Diese vierte Ablehnung eines Bewährungsantrags ist eine große Enttäuschung für Nasser und für seine alte Mutter, die er nicht pflegen kann.
Derzeit befinden sich mindestens 20 christliche Konvertiten im Iran im Gefängnis, viele leben im Exil aufgrund von erfundenen Anklagen im Zusammenhang mit der friedlichen Ausübung ihres Glaubens.