25.03.2020 /
Iran
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Iran: Die Rolle der Revolutionsgarden bei der Unterdrückung der Christen

Die Revolutionsgarde spielt eine große Rolle bei der Unterdrückung der Christen im Iran – eine Analyse.

General Qasem Soleimani, der im Jänner 2020 bei einem amerikanischen Angriff getötet wurde, war der Anführer der Quds-Einheit, einer Eliteeinheit der Revolutionsgarde. Ihr Ziel ist es, eine weltweite Islamische Revolution herbeizuführen, dazu gehört die Überwachung und Unterdrückung der zum Christentum konvertierten Iraner.

Kampf gegen ausländischen Einfluss

Als vollwertige Streitkräfte während des Iran-Irak-Krieges bestand die Rolle der Revolutionsgarden darin, die Grenzen des Landes zu verteidigen. Mit dem Ende des Krieges entwickelte sich eine andere Funktion.

Außerhalb des Iran will sie ihre schiitische Vision des Islam im gesamten Nahen Osten durchsetzen, indem sie die Hisbollah im Libanon und die Hamas im Gaza-Streifen unterstützt.

Im Iran kämpft sie gegen alles, was von den Behörden als Bedrohung empfunden wird. Dazu gehören Reformisten, politisch Liberale und auch Christen.

Freie Hand um »das Problem der Hauskirchen zu lösen«

Im Jahr 2010 erklärte Ali Chamenei, der oberste Führer des Iran, dass die wachsende Zahl von Christen, die sich in Hauskirchen treffen, eine Bedrohung für den Staat darstellt. Dann gab er der Revolutionsgarde einen Freibrief zur »Lösung des Problems«. Es folgte ein Jahrzehnt gewalttätiger Razzien gegen die Untergrundgemeinden, Hunderte von Christen wurden verhaftet und verhört. Viele landeten im Gefängnis.

Schwere Vorwürfe

Die Vorwürfe sind oft schwerwiegend: Verstöße gegen die nationale Sicherheit, was zu Haftstrafen von bis zu zehn Jahren führen kann. Viele wurden inhaftiert, einige haben ihre Strafen verbüßt, andere sind weiterhin hinter Gittern und andere geflohen. Es wird geschätzt, dass heute etwa 20 Christen wegen ihres Glaubens hinter Gittern sitzen.

Christen aus den traditionellen Kirchen dürfen zwar Gottesdienste besuchen, aber sie gelten als Bürger zweiter Klasse, werden streng überwacht und dürfen nicht mit anderen Iranern über ihren Glauben sprechen. Muslime, die Christen werden, dürfen nicht zur Kirche gehen, und ihr Leben ist ständig bedroht.

Razzien wegen Bibeln

Im Juli 2017 veröffentlichten die Revolutionsgarden auf ihrer Website ein Foto, auf dem unter anderem Schachteln mit Bibeln und Lobpreis-CDs zu sehen sind. Es wurde ohne weitere Einzelheiten angegeben, dass diese Gegenstände bei Razzien in Hauskirchen beschlagnahmt worden seien.

Dies wirft Fragen auf wie diese:

  • Warum hat eine militärische Institution die Verantwortung, gegen Kirchen vorzugehen, und warum rühmt sie sich damit, Christen zu verhaften und ihr religiöses Material zu konfiszieren?
  • Warum sollte sich eine stabile Regierung durch Exemplare des Neuen Testaments bedroht fühlen?
  • Wie kann der Iran, der mehrere Menschenrechtsdokumente unterzeichnet hat, behaupten, das Recht auf Religionsfreiheit zu respektieren und gleichzeitig christliche Literatur als Beweis für kriminelle Aktivitäten präsentieren?

Ein im laufenden Jahr veröffentlichter Bericht hebt nun die Rolle der Revolutionsgarden hervor und bestätigt damit, warum der Iran auf dem Weltverfolgungsindex auf Platz 9 der 50 Länder platziert ist, in denen Christen am meisten verfolgt werden.