07.06.2018 /
Indien
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Indien: 74 Kinder nach Schließung eines christlichen Internats ohne Zugang zu Bildung

74 benachteiligte Kinder mussten nach der Schließung des Hauptsitzes von 'Emmanuel Mission International' (EMI) ein von dieser Organisation betriebenes Internat im Bundesstaat Rajasthan verlassen. Ein weiteres Beispiel für die Verfolgung von Christen in Indien.

Die dramatischen Szenen der Schließung wurden aufgenommen und anschließend in den sozialen Netzwerken verbreitet. Die Videosequenzen zeigen Polizisten, die eine Kolonne von Kindern mit ihrem Gepäck bis zu einem Bus eskortieren, der sie danach von der Schule wegbringt. Die anwesenden Eltern und Erzieher sind machtlos angesichts des Dramas, das sich vor ihren Augen abspielt. Damit wurden 74 Kinder brutal von der Schule ausgeschlossen, weil die Behörden am 9. Mai die Schließung der Organisation angeordnet hatten, die ihr Internat verwaltete. Begründet wurde das Vorgehen damit, dass die Schule keinen Antrag auf Neuregistrierung bei der Kommission für Kinderschutz gestellt habe, wie dies im Gesetz von 2015 gefordert wird. In Wirklichkeit wurde jedes Registrierungsgesuch von den Behörden abgelehnt.

"Die EMI ist seit über zehn Jahren bekannt für die Qualität ihrer Bildungsinstitutionen und ihrer Dienstleistungen. Immer wieder stieß ihr Gründer bei wichtigen politischen Führern auf starken Widerstand", erklärt Lilian Grace von der 'Rajasthan Minorities Commission'. "Die Kinderschutzbehörde handelte willkürlich, ohne ein ordentliches Verfahren. Infolgedessen wurde die Tätigkeit der Organisation durch ein Gerichtsurteil ohne jegliche rechtliche Grundlage eingestellt", fügt der Rechtsanwalt Dinesh Pardasani hinzu.

Während der hinduistische Nationalismus in Indien weiter zunimmt, fand kürzlich eine Konferenz anlässlich der vierjährigen Amtszeit von Premierminister Narendra Modi statt. Bei diesem Anlass riefen Dutzende prominente Persönlichkeiten dazu auf, sich gemeinsam für die Wahrung der Verfassung und der Grundrechte in Indien einzusetzen. Bei der Beschreibung der Situation der christlichen Minderheit nahm Tehmina Arora, Juristin und Leiterin einer Menschenrechtsgruppe, kein Blatt vor den Mund: "Hindu-Nationalisten verteufeln und attackieren uns. Im Jahr 2017 nahmen die Übergriffe auf Christen um 20% zu. Von über 240 gemeldeten Fällen wurde lediglich in 25 ein Strafverfahren eingeleitet. Wenn Christen zur Polizei gehen, kooperieren die Beamten kaum und weigern sich oft, ihre Beschwerde zu registrieren. Dies führt zunehmend zu einer Kultur der Straflosigkeit. Wird jemand beschuldigt, Hindus zu bekehren, muss er künftig mit Schlägen rechnen."

Die christlichen Leiter reagierten auf die zunehmend schwierige Situation mit einem Gebetsaufruf. Am 8. Mai veröffentlichten sie einen Brief, in dem sie die indischen Christen aufforderten, jeden Freitag "für unsere geistliche Erneuerung und die unserer Nation" zu fasten und zu beten im Hinblick auf die nationalen Wahlen 2019.