20.01.2020 /
China
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China: Ein Pastor und zehn Gemeindemitglieder für einen Monat im Gefängnis

Pastor Wang Yi, seine Frau und andere Mitglieder ihrer protestantischen Untergrund-Kirche rechneten nicht damit, verhaftet zu werden. Genau das ist jedoch am 9. Dezember geschehen. Heute drohen dem Pastor bis zu 15 Jahre Gefängnis wegen «Anstiftung zur Untergrabung der Staatsgewalt».

Am 9. Dezember wurden Pastor Wang Yi, seine Frau Jiang Rong und 10 der 750 Mitglieder der «Early Rain Covenant Church» verhaftet, weil sie in der Metropole Chengdu, in der Provinz Sichuan, «illegale» Gottesdienste abgehalten hatten.

Jiang Rong wurde inzwischen freigelassen, aber Wang Yi und zehn weitere Versammlungsleiter bleiben in Haft. Dem Pastor droht nun eine 15-jährige Gefängnisstrafe wegen «Anstiftung zur Untergrabung der Staatsgewalt».

Insgesamt 100 Christen verhaftet

Pastor Wang ist für sein Engagement bekannt. Er setzt sich dafür ein, dass die Christen ihr Recht auf Religionsfreiheit ausüben können. Die christliche Gemeinde ist schockiert über die Gewalt, die bei den Polizeieinsätzen angewandt wurde, sowie über das plötzliche Auftauchen der Staatsbeamten und die große Zahl der festgenommenen Personen.

Am Sonntagabend wurden die Gläubigen der «Early Rain Covenant Church» an verschiedenen Orten angehalten: Bei der Kirche, bei ihnen zu Hause oder auf der Straße während einer Polizeirazzia. Bis zu 100 Gläubige wurden verhaftet, verhört und später wieder freigelassen.

Kein Einzelfall

Am 16. Dezember trafen unerwartet 60 Polizisten und Behördenvertreter in der 5.000 Mitglieder zählenden «Rongguili»-Kirche in Guangzhou ein.  Besucher sagten einem Journalisten: «Sie haben die Mitteilungen der Strafverfolgungsbehörden vorgelesen, die besagen, dass unser Treffen eine illegale Versammlung war.» Hunderte von Bibeln, verschiedene Gegenstände und Handys von Kirchenmitgliedern wurden beschlagnahmt und die Kirche wurde geschlossen.

Glaubensfreiheit wird unterdrückt

Die «Early Rain Covenant»-Gemeinde ist eine Untergrundkirche. Etwa 800 Mitglieder nehmen an wöchentlichen Versammlungen in verschiedenen Orten in Chengdu teil, weshalb die Regierung ihren Einfluss fürchtet. Die Leiter dieser Gemeinde veröffentlichen Predigten und Studien im Internet und die Gläubigen engagieren sich in der Straßenevangelisation. Die Kirche hat auch Ausbildungsstätten für Pastoren und eine Grundschule, die 40 Kinder ausbildet.

Nach Angaben der Zeitung «New York Times» informierten die Behörden die Kirche im September, dass sie die Religionspolitik der Regierung verletzte, weil sie nicht offiziell registriert war.

Schon 2018 ein schwieriges Jahr für die Christen in China

Diese Schließungen kommen am Ende eines schwierigen Jahres für chinesische Christen, die sich mit der Anwendung neuer Vorschriften seit 1. Februar und zahlreichen Repressalien der Behörden auseinandersetzen mussten, wenn sie sich nicht bei der Regierung registrieren lassen. Auch die Hauskirchen wurden angewiesen, klein und diskret zu bleiben und sich jeglicher Interaktion mit ausländischen Christen zu enthalten. Seit 2017 ist die Nichteinhaltung dieser Regeln Gegenstand zunehmender Reaktionen der staatlichen Autoritäten.