10.09.2021 /
Afghanistan
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Afghanistan: Geburt mitten im Chaos

Am 15. August, als die Taliban die Macht in Kabul übernahmen, wurde in einer afghanischen Untergrundkirche ein Baby geboren. Dieses Ereignis hat als Zeichen der Hoffnung die Christen einer ganzen Kirchengemeinde gestärkt.

Während die Taliban am 15. August unter den Augen einer erschütterten Weltöffentlichkeit erneut die Kontrolle über Afghanistan übernahmen, ereignete sich etwas ungleich Hoffnungsvolleres im Verborgenen: In einer Untergrundkirche irgendwo in Afghanistan erblickte an diesem Abend ein kleines Mädchen als Tochter afghanischer Christen das Licht der Welt; in einer Stadt voller Aufruhr, wo zeitgleich Menschen ihr Leben verloren und andere sich voller Angst versteckten; inmitten starker Befürchtungen, dass gerade Frauen und Andersgläubige vor einer düsteren Zukunft stehen könnten. Für dieses Mädchen und ihre Familie wird der 15. August 2021 immer viel mehr sein als »der Tag, an dem die Taliban zurückkehrten«.

Dieses Zeichen hat die gesamte Gemeinschaft berührt: »Gott hat uns nicht vergessen.« Das war der klare Eindruck aller, die sich an diesem 16. August versammelt hatten. »Gott hat uns an diesem Tag ein neues Leben geschenkt«, sagt ein Christ aus dieser Gemeinde. »Es war, als würde der Herr zu uns sagen: ›Meine Kinder, ich habe das im Griff.‹«

»Eure Gebete für das afghanische Volk sind nicht vergebens«, fügt er hinzu. «Gott wird sich nicht von dieser Nation zurückziehen. Wir sind die Kirche. Wenn ihr nicht für uns gebetet hättet, wären wir schon längst weg. Aber wir sind immer noch hier, und wir bleiben ─ um das Salz und Licht dieser Region zu sein.«

Bedrohungen und Ungewissheit

Während verzweifelte Flüchtlinge in der Region und in weiter entfernten Gebieten Zuflucht suchen, schenkt die Kirche Hoffnung und bezeugt Gottes Liebe durch die bedingungslose Unterstützung und Nothilfe, die sie leistet.

Wenn man an das neugeborene Baby denkt, fragt man sich unweigerlich, was wohl das Leben für dieses kleine Mädchen bereithalten wird? Wird es von seinen ersten Lebensjahren an bis zu seinem Tod verschleiert sein? Wird diese Frau Jesus trotz allem Risiko nachfolgen? Wird sie dann nicht nur ihr Gesicht, sondern auch ihren Glauben und damit ihre Identität verbergen müssen?
Wir wissen nicht, wie ihre Zukunft aussehen wird, wie ihr Leben verlaufen wird, haben aber die Gewissheit, dass Gott alles im Griff hat.

Eine Kirche »an der Front«

Derzeit ist die Lage im Land von Provinz zu Provinz unterschiedlich gefährlich. Es ist bereits zu Entführungen und Fällen von Zwangsheirat gekommen; viele Frauen sind noch nicht wieder an ihre Arbeitsstellen zurückgekehrt, da sie Angst haben, später dafür bestraft zu werden. Auch Buben sind von Entführung bedroht, denn die Taliban benötigen Nachwuchs. Engpässe bei der Nahrungsmittelversorgung scheinen ebenfalls nur eine Frage der Zeit, gerade angesichts des nahenden Winters. Diese Gefahren betreffen alle Menschen im Land. Christen tragen jedoch ein zusätzliches Risiko und müssen ihren Glauben versteckt halten. Die Fragen, die sie beschäftigen, lauten etwa: »Wie viel wissen die Taliban? Wie viel wissen meine Nachbarn? Werden sie uns verraten?«

Wir können nicht sagen, ob oder wie viele Christen das Land verlassen konnten. Einige haben sich auf den Weg gemacht, um über die Grenze fliehen, oder sie würden gerne fliehen, können es aber nicht. Andere wollen gerade wegen ihres Glaubens in Afghanistan bleiben, halten sich aber versteckt und versuchen, Jesus im Verborgenen zu dienen.
In den kommenden Wochen werden entscheidende Weichen für die Zukunft Afghanistans und der Gemeinde Jesu im Land gestellt.

Der Leiter von Open Doors Asia erklärt: »Es sind unsichere und sehr gefährliche Zeiten für die Christen in Afghanistan. Wir wissen nicht, was die nächsten Monate bringen werden und wie streng die Scharia angewendet wird. Wir müssen ohne Unterlass beten.«

Jene schützen, denen wir dienen

Unsere Partner vor Ort leisten Nothilfe, während sich die Flüchtlingskrise ausweitet. Als Unterstützer von Open Doors verstehen Sie bestimmt, dass wir nichts Konkreteres über unsere Arbeit in dieser Region teilen können. Denn es geht um die Sicherheit unserer Partner und jener, denen wir dienen.

Aber sie zählen auf unsere Unterstützung und sie wissen, dass wir für sie im Gebet einstehen. Beten Sie mit!

Beten für Afghanistan