Die Kinder vermissen  ihre Kirche

Bei ihrem ersten Besuch eines von Open Doors unterstützten Kunstkurses zur Traumatherapie in Jordanien zeichneten viele irakische Flüchtlingskinder dunkle, schwarze Gestalten: Der IS, der ihre Dörfer einnimmt und ihre Kirchen zerstört. Ein paar Wochen später, wenn sie den Kurs abschließen, sind ihre Bilder bunt und lebendig geworden. Sie wissen, wie sie sich ausdrücken und neue Ziele für ihre Zukunft setzen können.



Maran ist die Gründerin von Al Hadaf, einer jordanischen Organisation, die sich an die bedürftigsten Kinder und Frauen wendet. Open Doors unterstützt seit 2015 das Flüchtlingsprogramm von Al Hadaf, das darauf abzielt, die Würde christlicher Flüchtlinge aus dem Irak, und nun auch aus Syrien, wiederherzustellen. Sie führt uns durch ihren Kunstraum für Kinder.

«Viele der Kinder haben gesehen, wie der IS das Kreuz von ihren Kirchen nimmt; das hat sie sehr geprägt. Bei ihrem ersten Besuch fragen wir die Kinder: ‚Was vermisst du am meisten aus dem Irak?‘ Fast alle zeichnen ihre Kirche», sagt sie. «Sie gingen im Irak regelmäßig in die Kirche und liebten die Gemeinschaft.»

Zu Beginn malten viele Kinder große, schwarze Gestalten. «Die dunklen Gestalten repräsentieren den IS und andere Übel, die die Kinder ertragen mussten», erklärt Maran. «Nach einer Weile werden die Bilder klarer, heller und detaillierter; die dunklen Gestalten werden kleiner oder verschwinden. Dies ist ein Zeichen, dass die Kinder ihr Trauma verarbeiten.»

Maran zeigt auf ein besonderes Bild. «Dieses Mädchen war so verletzt, dass es kaum sprach. Sie zeichnete nur einen Baum und ein großes Herz. Sie sagte: ’Ich vermisse mein Zuhause.’ Der Baum repräsentiert ihre Heimat; das Herz ist ihr Schmerz. Es brach mir das Herz.»

Mütter und Kinder werden wütend

Als Nächstes lernen die Kinder, über ihre Gefühle zu sprechen. «Weil die Mutter traumatisiert ist, sind es auch die Kinder», erklärt Maran. «Die Mutter ist wütend auf die Kinder, die Kinder werden wütend auf die Mutter, und sie können nicht gut darüber sprechen. Einige Mütter fühlen sich so machtlos, dass sie ihre Kinder schlagen. Nur zu sagen ’Schlag deine Kinder nicht’, hilft nicht. Stattdessen fragen wir: ’Wieso hast du deine Kinder geschlagen? Das hast du früher nie getan. Das Trauma hat dich verändert.’»



Ein einfaches Hilfsmittel, mit dem Al Hadaf den Eltern und Kindern hilft, die Gefühle des anderen besser zu verstehen, ist eine ’Stimmungsuhr’. «Jeden Tag können die Kinder diese auf ihre Stimmung einstellen: glücklich, in Ordnung, traurig oder wütend.» Al Hadaf erklärt den Müttern: «Wenn die Kinder signalisieren, dass sie traurig oder wütend sind, gebt ihnen etwas Raum und Zeit, und sprecht dann mit ihnen über ihre Gefühle.» Die Uhr hat den Flüchtlingen sehr geholfen. «Es gibt sogar Mütter, die ihren Kindern damit ihre ­Gefühle zeigen.»

«Ich möchte mehr beten.»
Das letzte therapeutische Instrument ist die Zielwolke. «Nach dem Verarbeiten und dem Sprechen über das Trauma, bitten wir die Kinder, sich Ziele zu setzen, an denen sie arbeiten können.»

Im Beispiel, das uns Maran zeigt, hat sich das Kind fünf Ziele gesetzt: «Ich möchte mehr beten. Ich möchte mehr zeichnen. Ich möchte meinen Eltern helfen. Ich möchte auf das hören, was man mir sagt. Ich möchte anfangen, ein Buch zu lesen.»

Maran ist begeistert von der Wirkung dieses einfachen Hilfsmittels. «Die Kinder legen es neben ihr Bett. Sie können sich Ziele für den nächsten Tag setzen und Trauer und Wut durch Gutes ersetzen. Es kostet nicht viel, aber es hilft enorm.»

Maran schaut sich glücklich um. Für Open Doors ist es ein Privileg, im Rahmen unserer Kampagne «Hoffnung für den Nahen Osten» mit so effizienten Organisationen wie Al Hadaf zusammenzuarbeiten und den Christen aus Syrien und dem Irak dabei zu helfen, an einer besseren Zukunft zu arbeiten. /

Mit Ihrer Unterstützung hoffen wir, unsere Partnerschaft zu erweitern, um künftig noch mehr traumatisierte Kinder und Mütter zu erreichen.

Diese Update wurde erstmals im Magazin Dezember 2018 veröffentlicht.

 

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