»Es bleibt nur Emmanuel: gott ist mit uns!«

Das sagen uns die Gläubigen in Afghanistan. Seit die Taliban im August letzten Jahres die Macht übernommen haben, haben sich die Lebensbedingungen der heimlichen Christen im Land noch mehr verschlechtert. Schon vor der Rückkehr der Taliban war das Leben für Christen in Afghanistan unerträglich. Seit der Machtübernahme sind die Christen bedrohter als je zuvor.

Deshalb wollen wir während des gesamten Jahres 2022 für sie beten. Hier finden Sie jedes Monat einen neuen Artikel sowie aktuelle Gebetsanliegen.

Was können Sie tun?

  • Beten Sie jetzt!
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April 2022 – Miranda trifft Flüchtlinge


Afghanische Flüchtlinge servieren Miranda Tee und Süssigkeiten. 

Miranda*, eine Partnerin von Open Doors, hat afghanische Flüchtlinge an einem geheimen Ort besucht. Sie berichtet von ihrer Reise, die letztes Monat stattfand: 

Der Geruch von Urin stieg mir in die Nase, als wir den Wohnblock betraten, in dem viele afghanische Flüchtlinge untergebracht sind. Unsere Kontaktperson erzählte uns, dass diese Flüchtlinge schon vor mehreren Jahren hierher kamen, noch vor dem Regierungssturz in Kabul. Alles begann, als die Taliban in Afghanistan ein Dorf nach dem anderen einnahmen. 

Wir wurden am Eingang einer Wohnung von Frauen und Kindern mit einem herzlichen Lächeln empfangen. Sie sagten uns »danke für die Hilfe, die ihr geleistet habt«, wie unser Reiseleiter übersetzte. 

Dann wurden wir in einen kleinen Raum geführt, wo wir von drei Männern und einer Frau begrüßt wurden. Sie forderten uns auf, uns auf den Teppich zu setzen. Es war kalt im Raum, obwohl der Winter zu Ende ging, denn es gab dort keine Heizung.  

Einige junge afghanische Frauen kamen und servierten uns Tee und Gebäck.

Die Flüchtlinge erzählen 

Wir erfuhren, dass drei der Männer dieser Gruppe Afghanen waren. Zwei waren Mediziner und der dritte war Sänger. Jeder erzählte seine Geschichte und warum er Afghanistan verlassen hatte.  

»Die Taliban wollten, dass ich für sie arbeite. Als ich mich weigerte, schickten sie mir einen Brief, in dem sie mir mit dem Tod drohten«, berichtete einer der Ärzte. Der andere stimmte ihm zu; ihm sei es gleich ergangen. 

»Ich sang afghanische Lieder, um meinen Lebensunterhalt zu verdienen. Mein Beruf wird von den Taliban als Sünde angesehen. Und ich habe drei Töchter. Die Taliban nehmen die Mädchen als Frau, auch ohne die Zustimmung ihrer Familien«, sagte der Sänger.  

Sie verkauften alles, was sie in Afghanistan besaßen, um hierher zu kommen. Als Flüchtlinge haben sie es jedoch schwer, da sie keine Arbeitsbewilligung bekommen. »Manchmal wissen wir nicht, wofür wir das wenige Geld, das wir haben, ausgeben sollen: für Essen, Miete, Medikamente oder die Erneuerung unseres Flüchtlingsausweises«, sagte eine Mutter mit einem weinenden Baby im Arm. Sie und viele andere Frauen gehören zu den afghanischen Flüchtlingen, die wir in dieser Woche besuchten.  

Während die Frau ihre Geschichte erzählte, fiel uns ihr älterer Sohn auf. Sein Gesichtsausdruck spiegelte all die Wut, die Bitterkeit und den Hass wider, die sich in ihm angestaut hatten. Er drückte so viel Schmerz aus. 

»BITTE VERGESST UNS NICHT!«

baten sie uns eindringlich vor unserer Abreise. Und ich sagte mir, dass das Wichtigste, das sie brauchen, Hoffnung ist!

Die Arbeit von Open Doors vor Ort

Dank Ihrer Unterstützung hat Open Doors diese Gruppe von Flüchtlingen mit praktischer Hilfe unterstützt und steht ihnen in dieser schwierigen Zeit auch weiterhin zur Seite. »Ihr seid die Einzigen, die gekommen sind, um uns zu helfen«, sagten sie.  

Ein offenes Ohr und Besuche können unseren afghanischen Brüdern und Schwestern wohl Hoffnung geben, aber ich weiß – wir wissen – dass es noch so viel zu tun gibt. Ja, wir können praktische Hilfe leisten, aber die größte Hoffnung, die wir ihnen schenken können, ist das Gebet, damit sie die Quelle der Hoffnung, Jesus Christus, kennenlernen.  

So setzen wir uns weiter ein. Ich weiß, dass Gottes Werk unter unseren afghanischen Geschwistern noch nicht vollendet ist«, meinte Miranda abschließend.

* Name geändert


Gebetsanliegen:

1. Bitte beten Sie dafür, dass unter den afghanischen Flüchtlingen Kirchen entstehen in jedem Land, in dem sie sich aufhalten.

2. Beten Sie, dass Gott die Herzen der Flüchtlinge bewahrt, dass sie trotz des erlittenen Leids unter den Taliban weder Hass noch Wut empfinden.

3. Beten Sie, dass Gott ihnen hilft, ein Einkommen zu erzielen, um ihre Familien ernähren zu können. Sie sollen nicht für den Rest ihres Lebens auf humanitäre Hilfe angewiesen sein.

4. Bitte beten Sie für die Kinder und Jugendlichen, damit sie ihre Schulbildung fortsetzen können und eine Perspektive und Zukunft haben.

30 Tage Gebet für Afghanistan
Weiterhin bieten wir Ihnen auch die täglichen Gebetsimpulse für vier Wochen an, die Sie gerne für Ihren persönlichen Gebetsschwerpunkt oder in Ihrer Gebetsgruppe, Hauskreis oder Kirche benutzen können.

Wir laden Sie ein, sich vier Wochen Zeit zu nehmen, um täglich vor Gott zu kommen und im Gebet für Afghanistan einzustehen. Mehr als das: wir bitten Sie, jede Woche den Namen Gottes zu beten. Denn in seinem Namen ist Hoffnung, Macht und Heil!

 

 
»Und doch hat er sie gerettet um seines Namens willen, damit er seine Macht kundtue.«
Psalm 106, 8
Und wenn Sie es wären?

Stellen Sie sich vor, Sie sind als Muslim aufgewachsen und begegnen eines Tages Gott ganz unerwartet in einem Traum. Eine leuchtende Gestalt zieht Sie an, ruft Ihren Namen und sagt, »Folge mir nach!«

Sie haben gehört, dass andere das schon erlebt haben, aber nie jemand, den Sie kennen. Sie haben gesehen, wie der wütende Mob die Frau, die als Verräterin am Islam beschuldigt wurde, auf der Straße steinigte. Sie wissen: Fragen stellen, diesem Traum nachgehen und diesem Mann nachfolgen, würde Konsequenzen haben.

Doch diese Stimme – dieses Licht – und die Tatsache, dass er Ihren Namen kennt, machen Sie neugierig.  Allen Widerständen zum Trotz beschließen Sie, ihm nachzufolgen. Egal, was es kostet. Was auch immer es bedeutet.

Wenn sie es wüssten, würden Ihre Verwandten Sie nie wieder wie vorher ansehen.

Sie gelten als Verräter an Ihrer Kultur und an Ihrem Glauben. Wenn das jemand wüsste, würden Sie ausgepeitscht oder sogar getötet. Und vielleicht würden die Menschen, die Ihnen am nächsten stehen, den Gewehrabzug betätigen.

Doch, welch Wunder, Sie erfahren, dass Sie nicht der Einzige sind. Gott  führt Sie in seiner Macht zu einer anderen Person – und schließlich zu einer Gruppe Menschen, die sich nur selten treffen. Sie tun es im Geheimen, um über jenen zu sprechen, den Sie gesehen haben – den Mann mit den Narben in den Händen, die leuchtende Gestalt. Sie lernen, diesen Menschen zu vertrauen.

Vor allem aber lernen Sie seinen Namen kennen: Jesus. Den Namen, der über allen Namen steht.

Am 16. August 2021 sind die Taliban zurückgekommen. Woche für Woche haben Sie vernommen, dass ihre Truppen immer näherkommen, eine Stadt nach der anderen fällt in ihre Hände. Heute ziehen die US-Streitkräfte ab, und nun besetzen bewaffnete Männer stolz den Präsidentenpalast.

Draußen herrscht totales Chaos. Ihre Nachbarn drängen sich in überfüllte Lastwägen, ganze Familien wollen das Land verlassen. Der Flughafen in Kabul ist der einzige Ausweg, und diese Menschen riskieren alles, um in ein Flugzeug zu steigen.

Zu Hause klingelt Ihr Telefon ständig. Ihre Freunde machen sich Sorgen: »Ist alles in Ordnung bei dir?« Aber eine Nachricht weckt Ihre Aufmerksamkeit. Die angezeigte Nummer ist Ihnen unbekannt. »Wir wissen, dass du Jesus nachfolgst. Wir kennen deinen Namen«, sagt die Stimme.

Ein Schauer läuft Ihnen über den Rücken, dann durchströmt Sie ein seltsames Gefühl der Ruhe.

Die Taliban sind zurück und niemand weiß, wozu sie fähig sind. Aber Sie wissen, dass Emmanuel – Jesus – bei Ihnen ist.

Dies ist nur ein Beispiel für die gefährliche Realität, die die heimlichen Gläubigen in Afghanistan erleben. In den ersten Tagen nach der Rückkehr der Taliban sagte unsere Quelle in der Region: »Jeder Christ, mit dem ich spreche, bittet nur um eines: Gebet. Es ist wirklich das Einzige, worum sie bitten. Jeglicher irdische Schutz wurde von ihnen genommen.«

Unser Gründer Bruder Andrew sagte, dass unsere Gebete an Orte gelangen können, die für uns unerreichbar sind. »Es gibt keine Grenzen, keine Gefängnismauern, keine Türen, die uns verschlossen bleiben, wenn wir beten.«