Interview mit Farid*, dem Koordinator der Kampagne

Der IS wurde 2017 weitgehend besiegt. Warum brauchen die Christen in Syrien und im Irak immer noch Unterstützung?
» Ein Grossteil der physischen Schäden wurde repariert, doch der Kampf geht weiter. Der IS ist militärisch besiegt, aber die islamische extremistische Ideologie ist immer noch präsent. Christen sind nach wie vor grossem Druck durch die muslimische Mehrheit ausgesetzt.
 

Im Irak sank die Zahl der Christen innerhalb einer Generation um 87% auf heute etwa 202'000. In Syrien leben schätzungsweise noch 744’000 der 2,2 Millionen Christen aus der Zeit vor dem Konflikt.

 

Viele junge Menschen sind ­weggezogen. Beide Länder erleiden eine Wirtschaftskrise, die das Leiden der Christen dort noch verschärft. Die aktuelle ­Covid-19-Pandemie verschlimmert die Situation weiter. Ein syrischer Mitarbeiter sagt, das Leben in Syrien sei « härter denn je ».

Wir sind jetzt im vierten Jahr der Kampagne. Was wurde bisher erreicht?
» Die Stimme der irakischen und syrischen Christen wurde von einflussreichen Machthabern gehört, was sich auf ihre Politik ausgewirkt hat. Dies hat und wird die Existenz der Christen positiv beeinflussen.

 

Treffen mit der US-Regierung führten dazu, dass religiöse Minderheiten im Irak, die im Visier des IS standen, Hilfe und besseren Zugang zu internationaler Finanzierung erhalten haben.

 


So helfen unsere Partner vor Ort.

Durch die Kampagne wurde die Kirche vor Ort befähigt, eine Stimme gegen Verfolgung und Ungerechtigkeit zu sein, und junge Christen wurden mit wichtigen Kompetenzen für die Advocacy-Arbeit ausgerüstet.

Eine im Herbst 2019 gestartete Social-­Media-Kampagne hob drei wichtige christliche Persönlichkeiten und ihre Beiträge zu Wissenschaft, Literatur und Kunst in der arabischen Gesellschaft hervor. Mehr als 7,9 Millionen Menschen im Irak, in Ägypten, im Libanon und in Jordanien wurden erreicht, und Muslime erhalten so eine neue Wertschätzung für Christen.

Zudem haben wir Christen weltweit mit der Kirche in Syrien und dem Irak verbunden. Unsere Unterstützer waren in den letzten Jahren mit Gebet, Ermutigung und finanziellen Spenden eine wesentliche Stütze für die christlichen Gemeinschaften.

Wie sieht die Strategie für die letzten drei Jahre der Kampagne aus?
» Wir bauen auf dem bereits Erreichten auf und setzen die Wiederherstellung der Fähigkeit zur Hoffnung der Christen fort, bauen Unterstützung für den Verbleib der Christen in der Region auf und beeinflussen ein politisches Umfeld, das den Christen eine hoffnungsvolle Zukunft ermöglicht.

Wie soll die Fähigkeit zur Hoffnung wiederhergestellt werden?
» Wir befähigen die lokalen Kirchen, zu Orten der Hoffnung zu werden, die einen Dienst für Frauen, Jugendliche und Paare aufbauen und Projekte fördern, um Ungerechtigkeit anzusprechen und solide Einkommen und Lebensgrundlagen wiederherzustellen, und eine Kirche zu werden, die aktiv auf andere zugeht.

Wir werden weiter zum Gebet für die Kirche im Nahen Osten ermutigen und Zehntausende von Christen über unsere Social-Media-Kanäle ermutigen.

 

Auf politischer Ebene wollen wir nicht nur Gelder für lokale Glaubensakteure wie Kirchen leichter zugänglich machen, sondern auch Einfluss nehmen auf die Einrichtung eines Rechenschaftsmechanismus im Irak und in Syrien für Fälle von Verfolgung und Diskriminierung.

Was willst du jenen sagen, die uns in dieser Kampagne zur Seite gestanden sind?
» Ich danke allen, die die Kampagne unterstützt haben, sei dies durch Spenden, Ermutigung, regelmässiges Beten oder das Eintreten für jene, die keine Stimme haben.

Bitte stehen Sie uns auch weiter bei. Unsere Familie in Syrien und im Irak braucht uns noch immer, um sich einen Platz in der Zukunft ihrer Länder zu sichern. /

* Name geändert

Magazin September 2020 – Auszug