Pastoren, Priester und ihre Kirchen haben in den neun Jahren des syrischen Kriegs einen grossen Unterschied gemacht. Sie standen den Menschen zur Seite, als sie unter Bombenangriffen und Schiesse­reien litten, standen denen bei, die nicht für ihre Grundbedürfnisse aufkommen konnten, und halfen, wenn Christen Verfolgung ausgesetzt waren. Pastor George Moushi (im Bild) aus ­Qamischli ist einer dieser Pastoren.

Die türkische Invasion im Nordosten Syriens im Herbst 2019 war eine neue Krise im syrischen Bürgerkrieg, der bereits neun Jahre dauert. Die Zivilbevölkerung litt am meisten. Pastor George vom Hoffnungszentrum der Allianz-Kirche in Qamischli sah ihre Not und handelte.

Am 9. Oktober 2019 begannen die türkischen Streitkräfte mit der « Operation Friedensquelle », um eine « sichere Zone » von etwa 30 km entlang der Grenze auf syrischem Gebiet zu schaffen. Dieses mehrheitlich kurdische Gebiet soll nach Angaben der türkischen Behörden dazu dienen, einen Teil der über drei Millionen syrischen Flüchtlinge, die in der Türkei Zuflucht gefunden haben, aufzunehmen. Nach heftigen Kämpfen in der ersten Woche zogen sich die kurdischen Truppen nach einer Einigung aus der vorgesehenen Sicherheitszone zurück. Die Invasion verursachte eine Welle der Vertreibung in der Region.

Pastor George und seine Kirche in Qamischli standen den Menschen beispielhaft zur Seite, als die türkische Invasion begann. George ist seit 2012 unser Partner.


Aspekte aus Pastor Georges Alltag

« Da viele Menschen in der Region wegen der Vertreibung und der schrecklichen Wirtschaftslage in Not gerieten, begann die Kirche 2012, den bedürftigsten Familien zu helfen. Wir leisteten jegliche Art von humanitärer Hilfe. ­Einige Familien erhielten Unterstützung für ihre Wohnsituation, einer konvertierten Familie mit muslimischem Hintergrund wurde bei der Flucht in eine andere Stadt geholfen. Alle Hilfe wurde bedingungslos gewährt. Aber wir boten auch die Botschaft von Jesus an, je nachdem wie offen die Menschen dafür waren. Wir wollten nicht nur ihren Magen füllen. »

Im Oktober 2019 fielen türkische Bomben auf die Stadt Qamischli. Es gab Tote und Verletzte, Häuser und Geschäfte wurden zerstört. Die Menschen hatten grosse Angst, dass die türkische Armee in die Stadt eindringen könnte, da sie so nah an der Grenze liegt.

« Die türkische Armee ist eine sehr aggressive Armee, es gibt keine wirkliche Regeln. Sie könnten schreckliche Dinge tun, Frauen Leid zufügen, Häuser ausrauben und eine Menge Schaden anrichten. Als die türkischen Bomben fielen, fragten wir uns, ob wir bleiben oder fliehen sollten. »

« Alle Kirchen in Qamischli fingen an, für das Ende dieses Kriegs zu beten. Die Leute kamen trotz der Bomben weiterhin in die Kirche. Bei einem Treffen mit den Mitgliedern der Kirche wollte ich die Entscheidung treffen, zu bleiben oder gemeinsam zu gehen. Wir beteten und baten Gott um Weisheit. Gleichzeitig versuchte ich, bereits Transportmittel zu finden, um gehen zu können. Es war so schwer, wozu sollte ich raten ? Schliesslich wollten etwa 60 Prozent bleiben. Ich hatte bereits zusätzliche Lebensmittel und andere Dinge gekauft für jene, die vielleicht bleiben wollten. Aber ich hatte auch bei Kirchen in anderen Städten nachgefragt, ob sie uns aufnehmen könnten. Ich freute mich sehr über die Kirchen, die uns Zuflucht anboten ! »

Pastor George besuchte Menschen, die verletzt waren, und betete mit ihnen.

« Die Menschen sollten wissen, dass es in Qamischli einen Pastor gibt, der Menschen in Not hilft, unabhängig von ihrer Konfession. Wenn man Gottes Liebe praktisch zeigen will, kann man die Augen nicht vor ihrer Not verschliessen. »

Qamischli wurde schliesslich nicht von der türkischen Armee eingenommen, aber Vertriebene aus anderen Orten flohen in die kleine Stadt.

« Sie hatten solche Angst. Als die kältere Jahreszeit näher rückte, versorgten wir sie mit guter Winterkleidung. Die Kirche half auch mit kleinen Geldbeträgen, damit die Familien kaufen konnten, was sie brauchten. Alle Menschen sind nach dem Bild Gottes geschaffen. Jesus hat uns gelehrt, andere Menschen anzunehmen. Das motivierte uns, Christen und Muslimen gleichermassen auf ganz praktische Weise Gottes Liebe zu zeigen. Wir haben allen geholfen. »

Ihre Unterstützung war auch ein Segen für Christen mit muslimischem Hintergrund, die in dieser mehrheitlich muslimischen Gesellschaft einem grossen Risiko ausgesetzt sind.

« Viele von ihnen haben keine Angst, nicht einmal davor, getötet zu werden. Viele haben sich zu ihrem Glauben bekannt und wurden geschlagen, ihres Besitzes beraubt oder aus ihren Häusern vertrieben. Eine Familie wurde von den Führern des Islam bedroht, sie mussten fliehen. Einige Frauen wurden gezwungen, zum Islam zurückzukehren. Aber man kann sagen, dass die Verfolgung sie stärker an Jesus festhalten lässt. »

Pastor George und das Hoffnungszentrum in Qamischli sind so dankbar für Ihre Unterstützung, die einen unglaublichen Unterschied in ihrem Leben ­gemacht hat.

« Bitte helft uns auch weiterhin. Es gibt so viel Armut. Viele Familien leben von einem Einkommen von nur 50 US-Dollar im ­Monat. Das ist eine wirklich schwierige Situation. Natürlich können wir nicht mit allem helfen, aber wir können ihnen das Nötigste bieten. Wenn eine bedürftige Familie keine Unterstützung erhält, wird sie vermutlich das Land verlassen. Danke, dass ihr ihnen helft, in Syrien zu bleiben. » /

Magazin September 2020 – Auszug

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