30.06.2017 /
Zentralafrikanische Republik
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Zentralafrikanische Republik: 400 Personen niedergemetzelt seit Mai

In der ZAR folgt ein Friedensabkommen auf das nächste, aber sie werden nicht eingehalten. Die Kämpfe dauern an und fordern Hunderte Todesopfer.

Mehr als hundert Tote allein an einem Tag! Das ist die grauenhafte Bilanz vom 20. Juni und sagt viel über die Eskalation der Gewalt im Land. Das Traurigste daran ist jedoch, dass am Vortag wieder ein Friedensvertrag in Rom unterschrieben worden war, an dem 13 der 14 am Konflikt beteiligten bewaffneten Gruppen vertreten waren. Die katholische Gemeinschaft Sant'Egidio, die im Bereich der Friedensvermittlung aktiv ist, hatte dieses Treffen organisiert, nachdem bereits im Mai innerhalb von zwei Wochen über 300 Personen umgebracht worden waren.

Diesem Massaker fielen auch der Bruder und der Neffe von Pastor Guérékoyamé-Gbangou, Präsident der Evangelischen Allianz in der ZAR, zum Opfer: «Wir sind es leid, unsere Toten und Verletzten zu zählen. Dieser Krieg muss beendet werden!», erklärt er und fährt fort: «Bei vielen der Dörfer, die mehrmals niedergebrannt worden sind, besteht die Gefahr, dass sie ganz von der Landkarte verschwinden. Den Menschen fehlen die Worte, um diese explosive Situation zu beschreiben. Sie haben zu sehr gelitten und fordern nun Gerechtigkeit. Wenn wir die Augen vor den Verbrechen verschliessen, dann öffnen wir einer neuen Gewaltspirale Tür und Tor.»

Die Bevölkerung, die mehrheitlich christlich ist, kann nicht nachvollziehen, dass schwerbewaffnete Gruppen trotz der Anwesenheit von UN-Soldaten nach wie vor solche Gräueltaten begehen können. Auch kritisieren sie den Sondergerichtshof, der im vergangenen Februar von der internationalen Gemeinschaft eingesetzt worden ist: «Was bringt die Schaffung dieses Gerichts, um die Täter zu verurteilen, wenn ihnen danach bei der Unterzeichnung des erstbesten Friedensvertrags eine Generalamnestie gewährt wird?», ergänzt der Pastor.

Seit dem Ausbruch der Krise im Jahr 2013 unterstützt Open Doors die Christen der ZAR vor Ort mit Nothilfe, posttraumatischer Begleitung und auch mit der Gründung von Selbsthilfegruppen.

(Bild: Wiederaufgebaute Kirche nach den Gewaltausbrüchen in der ZAR)