09.09.2016 /
Usbekistan
/ news

Usbekistan: Nach dem Tod von Islam Karimov äussern sich die Christen

Am 2. September kündigte Usbekistan den Tod seines ersten und einzigen Präsidenten, Islam Karimov, an. Sind Veränderungen zu erwarten? Christen äussern sich.

Präsident Karimov kam 1989 an die Macht und regierte das Land während 27 Jahren mit eiserner Hand. Sein Regime gilt als eine der repressivsten Diktaturen für die Kirche. Open Doors hat einige Christen vor Ort kontaktiert, um ihre Reaktionen festzuhalten.

Sie äussern ihre Meinungen, wollen aber anonym bleiben: «Ich erwarte keine grossen Veränderungen. Die Christen werden weiterhin von den Behörden schikaniert werden», meint der eine. «Wer auch immer der neue Machthaber sein wird, die Haltung der Regierung den Christen gegenüber wird die gleiche bleiben. Natürlich hoffen wir darauf, dass alles besser wird. Aber seien wir realistisch: der Staat unterdrückt jegliche regimekritische Strömung, und wir Christen gehören zur Kategorie der religiösen Extremisten», ergänzt ein Prediger.

Der Pastor einer Untergrundkirche gibt zu bedenken: «Falls der Premierminister Shavkat Mirziyoyev der nächste Präsident wird, dann könnte sich die Verfolgung der Christen sogar noch verschlimmern: er ist der Drahtzieher der Repression gegen die Kirche und die Christen muslimischer Herkunft.»

Noch 1990 war die Kirche in diesem Land praktisch inexistent, seither ist sie stark angewachsen, denn viele Usbeken haben zum christlichen Glauben gefunden. Auch geistlich gewinnt die Gemeinde an Tiefgang. «Die Christen sind stark im Glauben engagiert und sehnen sich danach, Gottes Kraft zu erleben. Sie sind entschlossen, trotz der Verfolgung auf andere zuzugehen», erzählt uns ein Partner von Open Doors vor Ort.

Usbekistan belegt auf dem Weltverfolgungsindex den 15. Rang. Viele Christen werden verhaftet und zu übermässigen Bussen verurteilt, weil sie sich im Geheimen treffen oder religiöses Material verwenden. Bei den Christen muslimischer Herkunft kommt noch die Verfolgung durch ihre Familie und die Gesellschaft hinzu.

(Bild: Usbekische Christinnen mit muslimischem Hintergrund)