07.07.2016 /
Pakistan
/ news

Pakistan: Wegen Blasphemie zum Tod verurteilt

Ein Christ sucht Hilfe bei der Polizei und handelt sich eine Anklage ein

Der 60-jährige Anjum Sandhu soll angeblich den Propheten des Islam beleidigt haben. Deshalb hat ihn nun ein ‚Anti-Terrorismus-Gericht‘ zum Tod verurteilt. Sandhu ist einer von drei Direktoren der insgesamt acht Schulen der ‚Science Locus School‘ in Gujranwala, zudem auch Diplomchemiker und hat einen Masterabschluss in englischer Literatur. Ein naher Verwandter von Sandhu, der unerkannt bleiben will, gab gegenüber dem Menschenrechtsaktivisten Napoleon Qayyum an, dass Sandhu in seiner 20-jährigen Lehrtätigkeit niemals 'eine Neigung für religiöse Diskussionen erkennen ließ'. Und weiter: 'Seit Bekanntwerden des Urteils haben wir unsere Häuser verriegelt und sind aus Furcht um unser Leben weggezogen.' Pakistan ist für seine Blasphemiegesetze und deren Missbrauch bekannt und belegt auf dem aktuellen Weltverfolgungsindex von Open Doors Platz 6.

Verurteilung aufgrund konstruierter Tonaufnahme

Sandhu hatte im Mai 2015 bei der Polizei Anzeige gegen zwei Männer erstattet, die ihn mit einer Tonaufnahme erpressten. Angeblich war darauf zu hören, wie Sandhu den Propheten der Muslime beleidigte. Die Stimme ähnelte der von Sandhu. Zuerst hatten die Männer 20.000 und dann noch einmal 50.000 Rupien (ca. 460 CHF) gefordert. Er gab die Namen der Männer Naz und Ali an, woraufhin die beiden verhaftet wurden. Auch die 20.000 Rupien wurden bei ihnen gefunden. Der Polizist, der die Anzeige aufnahm, erkannte für sich die Gelegenheit, Sandhu ebenfalls zu erpressen. Der hatte auf Hilfe seitens der Polizei gehofft und fand sich plötzlich der Beleidigung des Propheten angeklagt wieder. Der Anwalt von Sandhu, Arif Goraya, teilte mit, dass die Untersuchung der Anklage gegen Sandhu von der gleichen Polizeidienststelle durchgeführt wurde, die auch die beiden Männer verhaftet hatte. Zeugen, die für Sandhu sprachen, gab es nicht, allerdings einige Polizisten, die als Zeugen gegen ihn auftraten. Der Richter glaubte auch dem Bericht des forensischen Labors, das angeblich die Stimme in der Tonaufnahme als die von Sandhu identifiziert hatte, obwohl es nicht über die technischen Mittel dazu verfügt. Am 27. Juni wurde Sandhu zum Tod und der Zahlung von 500.000 Rupien (ca. 4.600 CHF) verurteilt.