30.11.2018 /
Nigeria
/ news

Nigeria: «Sagt der Welt, was wir hier durchmachen!»

Für Aisha ist es eine Erleichterung, ihre Geschichte erzählen zu können. Anlässlich der posttraumatischen Begleitung, die von unseren Partnern in Nigeria angeboten wird, hat sie ihr Schweigen gebrochen. Ein neuer Schritt auf dem Weg der Heilung.

«Als ich mein Porträt malte, durchströmte mich ein Glücksgefühl beim Gedanken, dass die ganze Welt meine Geschichte, unsere Geschichte erfahren würde.» Aisha lebt in Nigeria, wo sie schwere Übergriffe erlebt hat. Sie konnte an einem unserer Hilfsprogramme teilnehmen und bat uns, ihre Geschichte zu veröffentlichen.

Aisha ist 28 Jahre alt. Sie ist verheiratet und hat drei Kinder. Sie lebt im Bundesstaat Kano, einer Region, in der christliche Bauern von muslimischen Fulani-Hirten angegriffen werden. Die Übergriffe auf Christinnen haben zum Ziel, die christliche Gemeinschaft zu zerstören. Aisha musste diese schmerzhafte Erfahrung machen, als ihr Dorf angegriffen wurde.

«Die Angreifer kamen in unser Haus und nahmen meinen Mann mit. Zehn Männer blieben und forderten mich auf, mit ihnen zu schlafen. Als ich ablehnte, schlugen sie mich. Einer vergewaltigte mich, dann ein zweiter. Danach gingen sie und nahmen alle Wertsachen mit.» Aisha dachte, ihr Mann sei getötet worden, aber ein paar Stunden später kam er zurück. Er wollte wissen, was geschehen war. Aisha erzählte ihm alles. Er reagierte mit viel Liebe und Verständnis und sagte: «Wisch dir die Tränen weg. Selbst wenn du mit einer Krankheit infiziert bist, werde ich an deiner Seite bleiben.»

Sie sagt: «Anfangs konnte ich weder essen noch schlafen. Wenn ich alleine war, kam die Erinnerung zurück und ich fühlte viel Hass. Nach und nach lehrte mich Gott, zu vergeben. Dieser Hass ist verschwunden.»

Seitdem fühlt sich Aisha besser. Sie konnte sogar christliche Frauen ermutigen, die dieselben traumatischen Erfahrungen machen mussten: «Sei dir bewusst, dass Gott dies alles weiß. Er unterstützt dich und wird Gutes aus deiner Situation hervorbringen», sagte sie zu ihnen. «Wir sind schwach. Aber Gott lehrt uns, einander zu zuhören und der Welt zu sagen, was wir in Nigeria durchmachen.»

Aisha und andere Frauen haben an mehreren Post-Trauma-Treffen teilgenommen. Diese setzten sich aus praktischen Übungen und künstlerischen Ausdrucksformen zusammen. Dabei wurden sie von einer christlichen Künstlerin unterstützt. Die Porträts dieser nigerianischen Christinnen werden 2019 im britischen Parlament und in der UNO ausgestellt.

Letzte Nachrichten über die Sitation von Leah Sharibu
Die traumatischen Erfahrungen, von denen Aisha berichtet, erinnern uns daran, dass Leah Sharibu sich noch immer in den Händen von Boko Haram befindet (News vom 5. und 19.10.18). Unsere Partner vor Ort konnten ihre Eltern besuchen. Sie halten am Glauben fest und vertrauen darauf, dass Gott eingreifen wird. Vorletzte Woche hat die Christian Association of Nigeria (CAN) während eines Treffens mit dem Präsidenten Buhari gebeten, die Sicherheitsbehörden zu beauftragen, die sofortige Freilassung von Leah Sharibu zu veranlassen. Leiter der Evangelischen Kirche Winning All (ECWA), der Leah und ihre Eltern angehören, haben ihrerseits ebenfalls den Kontakt mit Regierungsbeamten intensiviert. Sie fordern sie auf, die Gespräche mit Boko Haram fortzusetzen, damit Leah und andere Gefangene freigelassen werden.