04.04.2016 /
Kenia
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Kenia: Christen trotzen Angst und Terror

Open Doors trifft von Terroranschlägen betroffene Christen

Die Vorbereitungen zu den Gedenkfeiern vom vergangenen Samstag für die vor einem Jahr getöteten christlichen Studenten der Universität von Garissa liefen bereits, als Open Doors-Mitarbeiter mit Christen vor Ort zusammentrafen. Diese stammen aus verschiedenen Gebieten des Landes, waren aber alle direkt oder indirekt von islamistischem Terror betroffen. Sie sind lebendige Beispiele für die erstaunliche Widerstandsfähigkeit vieler kenianischer Christen, die in ihrer Heimat bleiben und unbeirrt an ihrem Glauben festhalten.

Ins Leben zurückgekämpft

So z.B. ein zweifacher Vater, der gerade einen Gottesdienst in seiner Heimatstadt Mombasa besuchte, als Bewaffnete in das Gebäude eindrangen und das Feuer eröffneten. Er sah seinen Pastor sterben und wurde kurz darauf selbst schwer verletzt. 'Die Ärzte hatten mich schon aufgegeben, ich hatte sehr viel Blut verloren', erinnert er sich. Doch er überlebte wie durch ein Wunder. Allerdings ist er nicht mehr imstande, durch eigener Hände Arbeit seine Familie zu versorgen – in seiner Kultur eine zutiefst erniedrigende Situation für einen Mann und Vater, umso mehr für einen ehemals erfolgreichen Geschäftsmann. Doch er ist dankbar für sein Leben und setzt seine eingeschränkte Kraft jetzt für Menschen ein, die ihm seit seiner Leidenszeit besonders am Herzen liegen: Witwen und Waisen. 'Die Bibel nennt den Dienst an solchen Menschen ‚einen reinen Gottesdienst‘ – und niemand aus unserer Gemeinde hat sich um sie gekümmert. Also tue ich es jetzt.'

Das Ziel: alle Christen aus der Stadt vertreiben

Im Juni 2014 drangen etwa 50 Kämpfer, höchstwahrscheinlich Angehörige der somalischen Al Shabaab, in die Kleinstadt Mpeketoni ein und töteten dort gezielt ca. 50 Christen. Der Pastor beschreibt die Stimmung nach dem Übergriff: 'Wir waren verwirrt und fassungslos – so etwas hatten wir noch nie erlebt. Wie konnte Gott das geschehen lassen?' Einige Christen wechselten aus Furcht vor weiteren Attacken zum islamischen Glauben oder begannen, islamische Gebete auswendig zu lernen: Wer seinen muslimischen Glauben nachweisen konnte, war verschont worden. Über das Ziel der Aktion hegt er keinerlei Zweifel: 'Sie wollten alle Christen aus der Stadt vertreiben – ‚wer überlebt, wird die Flucht ergreifen, und dann können wir in ihren Häusern wohnen‘. Sie haben nicht damit gerechnet, dass wir trotz allem bleiben würden!'

Ein anderer Pastor erinnert sich an den Besuch einiger Open Doors-Mitarbeiter während dieser Zeit: 'Sie zeigten uns durch ihre Liebe und Fürsorge, dass wir zu Gott gehören. Sie trösteten die Kinder, besuchten die Witwen, brachten dringend benötigte Nahrungs- und Hilfsmittel und begleiteten uns sogar zu den Christen, die sich tief in den Wäldern versteckt hatten.'

Weiter bedroht, doch im Glauben gestärkt

Wie massiv die Gefahr weiterhin ist, verdeutlicht ein Zwischenfall, der sich fast genau ein Jahr nach dem Überfall ereignete. Al-Shabaab-Kämpfer versuchten im Juni 2015, ein Militärlager westlich von Mpeketoni zu überrennen. Ihr Plan war mutmaßlich, sich anschließend als Soldaten getarnt mit den erbeuteten schweren Waffen auf den Weg nach Mpeketoni zu machen und dort die Gedenkfeier der Christen am Jahrestag des Überfalls zu stürmen. Doch der Plan scheiterte und alle Angreifer wurden getötet. Es waren die Männer, die bereits den Angriff ein Jahr zuvor verübt hatten. 'Wir haben darin Gottes Eingreifen gesehen', sagt er. 'Dass Menschen ohne Hoffnung ihr Leben verloren haben, hat uns nicht gefreut. Aber wir haben während dieser Zeit viel gebetet und gefastet, und für uns war klar, dass Gott uns erhört und uns bewahrt hat.'

Pastor I* ergänzt: 'Persönlich kann ich sagen, dass die Ereignisse meinen Glauben gestärkt haben. Ich musste an die Worte Jesu denken: ‚in der Welt habt ihr Bedrängnis‘, auch seine Reden vom Leiden und vom Kreuz. Was geschehen ist, hat diese Worte bestärkt. Und es hat mich ermutigt, dem Herrn weiter zu vertrauen.'

Auf dem Weltverfolgungsindex von Open Doors steht Kenia zurzeit an 16. Stelle unter den Ländern, in denen Christen am stärksten verfolgt werden.

*Name geändert