08.02.2019 /
Iran
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Iran: Zehn Tage lang erbarmungslos verhört

Rushari, eine 65-jährige Christin, wurde im Iran zuhause verhaftet. Dann wurde sie zehn Tage lang intensiv verhört.

Rushari Kamberi braucht unser Gebet. Sie ist noch tief aufgewühlt von dem, was sie in den Fängen der Behörden erlitten hat. An jenem Morgen kurz vor Weihnachten hatte sie in Karadsch vier christliche Freundinnen zu sich eingeladen. Sie freuten sich, beim Tee einen gemütlichen Moment miteinander zu verbringen. Plötzlich erschienen drei Agenten der Geheimpolizei. Alle Telefone wurden beschlagnahmt, das Haus durchsucht. Die Beamten konfiszierten auch die Bibeln und christliches Lehrmaterial. Rushari wurde auf den Polizeiposten abgeführt. Dort wurde sie zehn Tage lang von morgens bis abends pausenlos verhört und schliesslich gegen eine Kaution von rund 6500 € freigelassen. Im Januar wurde sie vor Gericht geladen. Ihr wird «Handeln gegen die nationale Sicherheit» vorgeworfen. Der Richter hielt sie nachdrücklich dazu an, die Lehre eines religiösen Führers zu suchen, um zum Islam zurückzukehren.

Am 25. Januar wurde auch Ismaeil Maghrebinajad (64) in Schiraz verhaftet. Er wird regelmäßig behelligt, seit er vor 40 Jahren Christ wurde. Er entkam sogar einem Mordversuch. Als Ismaeils Verwandte nach der Verhaftung bei den Behörden nach ihm fragten, wurde ihnen gesagt, er sei als «vermisst» zu betrachten! Schließlich konnte Ismaeil seine Familie anrufen. Er sagte aber nicht, wo er war oder wofür er angeklagt war.

Zwei Tage zuvor hatte Sina Mouloudjan, eine 26-jährige Christin, in Isfahan das gleiche Schicksal erlitten. Die Gewalt gegen Christen hält an und weitet sich aus. Die Regierung hat es vor allem auf Christen mit muslimischem Hintergrund abgesehen. Sie werden bei Polizeirazzien in Hauskirchen aufgespürt, viele werden verhaftet und streng gerichtet.
 
«Zu behaupten, Jesus sei der Herr, ist ein Angriff auf den Islam», betont das Gericht bei der Urteilsverkündigung immer wieder. Doch die schweren Strafen ändern nichts: die Bekehrungen zum Christentum und die Untergrundkirchen nehmen weiter zu. Zwar veranlasst das Klima der Angst und Einschüchterung viele Christen dazu, das Land zu verlassen. Aber andere bleiben trotz Verfolgung und sind für unser Gebet dankbar. So auch Ebrahim Firouzi, der seit April 2015 im Gefängnis ist: «Jesus ist unser Beispiel. Wenn meine Inhaftierung dazu beiträgt, die Aufmerksamkeit der internationalen Gemeinschaft auf die Verfolgung der Christen mit muslimischem Hintergrund im Iran zu lenken und ihre Situation zu verbessern, dann wähle ich das Gefängnis.»