Nachrichten Malaysia | 29 Februar 2020
Aceh – «Der Vorhof von Mekka»

Aceh in Nord-Sumatra war einst ein islamisches Sultanat und die religiösen Werte sind tief verwurzelt. Die Achinesen sind stolz auf ihre Geschichte und Kultur, die noch immer Vorrang vor der nationalen Identität hat. Die Provinz hat eine besondere Autonomie und ist die einzige Indonesiens, die die Befugnis zur formellen Umsetzung der Scharia erhalten hat.

 

 
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Aceh in Nord-Sumatra war einst ein islamisches Sultanat und die religiösen Werte sind tief verwurzelt. Die Achinesen sind stolz auf ihre Geschichte und Kultur, die noch immer Vorrang vor der nationalen Identität hat. Die Provinz hat eine besondere Autonomie und ist die einzige Indonesiens, die die Befugnis zur formellen Umsetzung der Scharia erhalten hat.
Das Beben vor der Küste von Aceh, das 2004 den mörderischen ­Tsunami mit über 220‘000 Todesopfern auslöste, war eine der schlimmsten Naturkatastrophen aller Zeiten. 130‘000 Menschen starben in der Provinz Aceh allein, die Zerstörung war immens. Die anschliessende Katastrophenhilfe öffnete der Welt die religiöseste Provinz Indonesiens.

Gottes Strafe
Andererseits ist Aceh seit dem Tsunami noch religiöser geworden, da viele Menschen den Tsunami als Strafe Gottes für ihre Unmoral ansahen. Der «Vorhof von Mekka» –  so genannt weil die Spitze Sumatras wie ein Finger Richtung Saudi­Arabien zeigt  –  war schon immer konservativer als andere Teile Indonesiens.

Der Tsunami beendete auch den Kampf um Autonomie der Bewegung Freies Aceh (GAM), die seit den 1970er Jahren kämpfte. Die Scharia wurde den konservativen GAM-Führern von der indonesischen Regierung als «Geschenk» angeboten, um den bewaffneten Aufstand zu schwächen. Nach der Unterzeichnung des Friedensabkommens mit Jakarta 2005 akzeptierte die GAM die Einführung der Scharia und trat in der Folge als Partei der ­Regionalregierung bei.

Öffentliche Züchtigung ist üblich
Heute ist das Scharia-Strafrecht vollständig umgesetzt. Während Frauen in Aceh ein Auto fahren dürfen und es keine ­separaten Moscheen gibt, wird die Kleider­ordnung für Frauen sowie das moralische Verhalten im Allgemeinen von der Scharia geregelt. Es ist ein Verbrechen, wenn sich ein Mann und eine Frau, die nicht verheiratet sind, gemeinsam an einem abgelegenen Ort aufhalten. Abfall vom Islam (Apostasie) ist strafbar. Die Scharia gilt auch für Nicht-Muslime, aber nur für «Verbrechen», die nicht im Strafgesetz geregelt sind, wie etwa «moralische» Vergehen wie Ehebruch oder Homosexualität. Straftäter werden mit öffentlichen Schlägen, Geldstrafen und Gefängnis bestraft. /

Magazin März 2020 – Auszug


 

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