Tunesien
Flagge
Regierungschef
Beji Caid Essebsi
Bevölkerung
11 659 000
Christen
23 700
Hauptreligion
Islam
Staatsform
Republik


Überblick

Seit der Amtsenthebung von Präsident Ben Ali im Jahr 2011 hat Tunesien einen demokratischeren Weg eingeschlagen. Auf Regierungsebene arbeiten säkulare und islamistische Parteien zusammen, basierend auf Konsens und Kompromiss, obwohl die Verfassung den Islam zur Staatsreligion erklärt. Das Land ist jedoch der terroristischen Bedrohung durch islamistische Gruppen ausgesetzt, die in der Region ihr Unwesen treiben.
 

Zur Situation der Christen

  • Tunesiens Christen sind überwiegend katholisch, aber es gibt auch Protestanten und eine kleine Gemeinschaft tunesischer Christen muslimischer Herkunft. Christen genießen eine gewisse Religionsfreiheit. Allerdings haben einige neu gegründete Gemeinschaften keine Zulassung erhalten, die ihnen einen rechtlichen Status verleiht.
  • In Tunesien ist die Familie die Hauptquelle der Verfolgung. Diese ist nicht zwingend auf den ersten Blick sichtbar. Es geht vor allem um Diskriminierung im Alltag. Von Verfolgung kann man ehesten bei den Konvertiten sprechen. Diese Christen muslimischer Herkunft riskieren, ihren Arbeitsplatz zu verlieren, oder sie werden von Familie, Freunden, Ehepartnern, verbal, psychisch und physisch unter Druck gesetzt, wieder zum Islam zurückzukehren. Viele üben ihren neuen Glauben im Verborgenen aus. Es ist schwierig für sie, offen über ihren Glauben zu sprechen, sich zu treffen und echte Gemeinschaft zu erleben. Auf der anderen Seite steht es ihnen relativ frei, ihren Glauben über das Internet und in sozialen Netzwerken miteinander zu teilen.
  • Das Christentum hat in Tunesien bis ins 6. Jh. überlebt und ist dann verschwunden. Im 19. Jh. wanderten Franzosen und andere christliche Ausländer zu, in der Regel Katholiken oder Protestanten. Aktuell wächst die tunesische Kirche dank Internet und christlichen TV-Sendungen.
     

Beispiel der Verfolgung

Februar 2018 – Seit diesem Zeitpunkt gilt ein tunesischer Christ muslimischer Herkunft als spurlos vermisst.
 

Weitere religiös verfolgte Gruppen

Schiiten und Bahai
 

Rückblick auf die letzten 5 Jahre

  • Generell stehen sich Konvertiten äusserst heftigen Reaktionen ihrer Familien und Gemeinschafen gegenüber, speziell wenn sie sich taufen oder beerdigen lassen wollen oder nach christlichen Riten heiraten möchten. Die Reaktionen können sehr gewalttätig ausfallen und Zwangsheirat, sexueller Missbrauch, körperliche Gewalt beinhalten. Einige ziehen deswegen in eine andere Region des Landes um und entgehen so den Nachstellungen durch ihre Familien.
  • Obwohl die allgemeine Verfolgung mehr oder weniger stabil geblieben ist, hat sich der Druck im zivilen Bereich zugespitzt. Das bedeutet, dass sich auch nach der Revolution die Lage der Christen nicht wesentlich verbessert hat.

Christenverfolgung

Rang im Index: 
37
Rang im letztjährigen Index: 
30