Turkmenistan
Flagge
Regierungschef
Gurbanguly Berdimuhamedow
Bevölkerung
6 031 000
Christen
68 000
Hauptreligion
Islam
Staatsform
Einparteienstaat


Überblick

In Turkmenistan konzentriert sich alle Macht auf Präsident Berdimuhamedow, der sich selbst als «Arkadag» (Bewahrer) bezeichnet. Widerspruch wird nicht geduldet. Der Staat kontrolliert unnachgiebig alle Aspekte des Lebens seiner Bürger. Es gibt keine Religionsfreiheit. Der Staat ist stark vom Atheismus geprägt und will alle Religionen unter Kontrolle halten, auch den Islam, obwohl 95% der Bevölkerung Muslime sind. Der Staat überwacht alle im Lande vorhandenen christlichen Konfessionen. Davon betroffen ist auch die traditionelle Kirche, ob nun russisch-orthodox oder armenisch-apostolisch. Es gibt Beschränkungen für den Druck oder Import von christlicher Literatur. Christen mit muslimischem Hintergrund werden am meisten verfolgt, sowohl durch den Staat als auch durch ihre Familien, Freunde und die Gesellschaft.

Das Christentum erreichte Turkmenistan im 4. Jh. durch nestorianische Missionare. Mit dem Aufkommen des Islam verschwand die christliche Gemeinschaft im 8. Jh. Erst im 19. Jh. kehrten Christen im Rahmen russischer Militäraktionen wieder zurück. Ihre Zahl stieg während des Zweiten Weltkriegs mit der Ankunft der aus Russland deportierten Bevölkerungsgruppen weiter an. Nach der Unabhängigkeit von der Sowjetunion entstand in den 90er-Jahren eine christliche Gemeinschaft aus Turkmenen.

Zur Situation der Christen

Die christliche Bevölkerung zählt sich zur Hauptsache den traditionellen Kirchen zugehörig, vor allem der orthodoxen Kirche. Weiter gibt es rund 16’000 Mitglieder protestantischer Freikirchen und rund tausend ehemalige Muslime, die Christen geworden sind.

Die Gottesdienste werden überwacht, auch die in den traditionellen Kirchen. Die Veröffentlichung und der Import von christlicher Literatur sind stark eingeschränkt. Christen mit muslimischem Hintergrund sind am stärksten betroffen, sie werden sowohl vom Staat, ihren Familien, ihrer Umgebung und der Gesellschaft verfolgt. Kirchen, die nicht offiziell bei den Behörden registriert sind, sind Gegenstand von Polizeirazzien, ihre Mitglieder werden bedroht, verhaftet und mit Geldstrafen gebüßt. Christen muslimischer Herkunft stehen unter starkem Druck, ihren christlichen Glauben wieder aufzugeben. Frauen werden geschlagen, in den Häusern eingesperrt, bedroht, verbal und körperlich misshandelt und von ihren Familien wegen ihres Glaubens verstoßen.

Beispiele der Verfolgung
  • März 2020 – Eine Anzahl christlicher Frauen wurde während einer Geburtstagsfeier verhaftet, verhört und für mehrere Stunden festgehalten, bevor sie wegen «ungesetzlicher religiöser Versammlung» zu einer Geldstrafe verurteilt wurden.
  • Frühling 2020 – Viele Christen, die anonym bleiben möchten, berichten, dass ihre Kirchen zunehmend ins Visier von Polizei und Behörden geraten. In den meisten Regionen sind öffentliche Versammlungen und Gottesdienste undenkbar. Evangelisationen gelten als Straftatbestand.
Verfolgung in den fünf Lebenssphären

Das kirchliche Leben wird stark vom Staat reguliert, einerseits durch das Verbot, sich in nicht registrierten Kirchen oder Privatwohnungen treffen zu können, und andererseits durch die strengen Einschränkungen bei der Registrierung der eigenen Kirche. Die Behörden fordern die Eigentümer auf, ihre Hallen und Gebäude nicht an evangelische Christen zu vermieten.

Wichtigste Mechanismen der Verfolgung

Islamischer Extremismus, Totalitarismus

Christenverfolgung

Rang im Index: 
23
Rang im letztjährigen Index: 
22