Turkmenistan
Flagge
Regierungschef
Gurbanguly Berdimuhamedow
Bevölkerung
5 851 000
Christen
69 800
Hauptreligion
Islam
Staatsform
Einparteienstaat


Überblick

Turkmenistan ist das Land in Zentralasien, das seine Bürger am stärksten kontrolliert. Es gibt weder Religions- noch Meinungsfreiheit. Die Medien werden mundtot gemacht und der Zugang zu Informationen kontrolliert. Es existieren keine echten Oppositionsparteien. Präsident Berdimuhamedow, der seit 2006 an der Macht ist, fördert einen Persönlichkeitskult um seine Person und versteht sich als «Arkadag» (Bewahrer).
 

Zur Situation der Christen

  • Die Christen stammen hauptsächlich aus den historischen Kirchen, vor allem aus der orthodoxen. Es gibt jedoch etwa auch 16 000 Christen aus nicht-traditionellen, evangelischen Kirchen und rund 1000 Christen mit muslimischem Hintergrund.
  • Die Gottesdienste werden überwacht. Die Veröffentlichung und der Import christlicher Literatur ist stark eingeschränkt. Am meisten leiden Christen muslimischer Herkunft, die sowohl vom Staat, ihren Familien, ihrem Umfeld und der Gemeinschaft verfolgt werden. Gemeinden, die bei den Behörden nicht registriert sind, werden von der Polizei durchsucht und die Mitglieder bedroht, verhaftet und mit Bußgeldern belegt.
  • Das Christentum erreichte Turkmenistan im 4. Jh. durch nestorianische Missionare. Mit dem Aufkommen des Islam verschwand die christliche Gemeinschaft im 8. Jh. Erst im 19. Jh. kehrten sie im Rahmen russischer Militäraktionen wieder zurück. Ihre Zahl stieg während des Zweiten Weltkriegs mit der Ankunft der aus Russland deportierten Bevölkerungsgruppen. Nach der Unabhängigkeit von der Sowjetunion entstand in den 90er-Jahren eine christliche Gemeinschaft aus Turkmenen.
     

Beispiele der Verfolgung

  • April 2018 – Während einer Gebetsversammlung erschien die Polizei und verhaftete alle anwesenden Christen muslimischer Herkunft. Sie wurden stundenlang verhört, danach freigelassen. Sie stehen allerdings unter strenger polizeilicher Aufsicht. (Aus Sicherheitsgründen werden hier weder Namen noch Aufenthaltsort publiziert.)
  • Januar 2018 – Die Gemeindeleiter von 6 evangelischen Gemeinden schildern in einem Brief an Präsident Berdimuhamedow die Einschränkungen, unter denen die Christen im Land leiden. Sie bezeichnen sich als gute Bürger, bedauern aber, dass sie ihren Glauben nicht frei ausdrücken können und systematisch belästigt werden. Seit dem Gesetz aus dem Jahr 2016 über die obligatorische Neuregistrierung von Kirchen wurden alle Anträge von evangelischen Gemeinschaften ohne Begründung abgelehnt.
     

Weitere religiös verfolgte Gruppen

Muslime und Zeugen Jehovas
 

Rückblick auf die letzten 5 Jahre

  • Die totalitäre Tendenz des turkmenischen Regimes spiegelt sich in den hohen Verfolgungsraten im privaten und kirchlichen Leben wider. Der Staat belegt die religiösen Kultstätten mit vielen Einschränkungen.
  • Von Jahr zu Jahr wird der Druck auf die Christen größer, ihr Freiraum, ihren Glauben zu praktizieren, eingeengter. Sie stehen in ihren Familien und Gemeinschaften unter dem Druck. Die wachsende Intoleranz der muslimisch konservativen Gesellschaft neigt dazu, sich der staatlichen Verfolgung anzuschließen.

Christenverfolgung

Rang im Index: 
23
Rang im letztjährigen Index: 
19