Libyen
Flagge
Regierungschef
Abdul Hamid Dbeiba
Bevölkerung
6 746 000
Christen
34 600
Hauptreligion
Islam
Staatsform
Autoritätsstaat


Überblick

In Libyen gibt es weder Meinungs- noch Religionsfreiheit. Sowohl die Erklärung der Übergangsverfassung (2011) als auch der Verfassungsentwurf von 2017 erheben den Islam zur Staatsreligion und die Scharia zur Grundlage der Gesetzgebung. Die wenigen Tausend Christen, die meisten stammen aus Afrika südlich der Sahara, müssen mit Ablehnung und Gewalt seitens der Bevölkerung rechnen.

Die beiden Hauptkonfessionen sind die römisch-katholische und die orthodoxe Kirche. Es gibt wenige protestantische Christen. Das Christentum ist bereits seit dem ersten Jh. in Libyen präsent. Mit dem Aufkommen des Islam jedoch verschwand es zwischen dem 7. und 12. Jh. fast ganz. Erst im 15. Jh. fasste die katholische Kirche wieder Fuß, gefolgt Ende des 19. Jh. von weiteren Konfessionen. Nicht-Katholiken wurden während des Zweiten Weltkriegs aus dem Land gejagt, kehrten aber nach 1946 wieder zurück.

Zur Situation der Christen

Ein Christ in Libyen muss seinen Glauben geheim halten. Verlässt ein Libyer den Islam und wird Christ, wird er oder sie von der Familie, den Nachbarn und der Gemeinschaft immens unter Druck gesetzt, den neuen Glauben aufzugeben. Er steht allein da, kann sein Haus oder die Wohnung sowie die Arbeit verlieren.

Wenn ein libyscher Christ über seinen Glauben spricht, läuft er Gefahr, denunziert, verhaftet und gewaltsam bestraft zu werden. Da das Land keine Zentralregierung mehr hat, werden die Gesetze nicht einheitlich angewendet, was Christen der Gefahr öffentlicher Verfolgung aussetzt. Gezielte Entführungen und Hinrichtungen sind für Gläubige nach wie vor an der Tagesordnung.

Die extremistischen Gruppierungen haben im ganzen Land Kontrollposten eingerichtet. Christen, die auf der Suche nach Arbeit unterwegs sind, laufen Gefahr, dort festgenommen zu werden und in einem überfüllten Haftzentrum zu landen. In einigen Fällen werden so aufgegriffene Christen kriminellen Banden oder Menschenhändlern zugeführt, wo sie zu schwerer Arbeit gezwungen oder in die Prostitution getrieben werden.

Beispiele der Verfolgung
  • Während des Berichtszeitraums zum WVI 2022 wurden mehrere Vorfälle der Verfolgung von Christen gemeldet. Aus Sicherheitsgründen können wir nicht alle Einzelheiten bekannt geben.
  • Mehrere Kirchengebäude wurden demoliert oder teilweise zerstört.
  • Migrantenchristen, die im Internet mit Libyern über ihren Glauben diskutierten, kamen unter Beschuss, wurden festgenommen, verhört und misshandelt.
  • Viele Christen aus Subsahara-Afrika wurden gegen Lösegeld entführt, festgehalten, vergewaltigt, missbraucht oder als Hausangestellte unter sklavenähnlichen Bedingungen eingesetzt. Obwohl der Missbrauch in den meisten Fällen nicht primär mit dem Glauben zusammenhängt, macht sie ihr christlicher Glaube besonders verletzlich. Mindestens 6 koptische christliche Arbeitsmigranten verschwanden unter verdächtigen Umständen.
Das Maß der Verfolgung

Da keine Zentralregierung mehr existiert, sind die Bereiche des zivilen und kirchlichen Lebens am stärksten betroffen. Und wenn Anarchie mit radikalem Islamismus einhergeht, gibt es weder Meinungsfreiheit noch Gleichbehandlung von Christen und auch keine Genehmigungen mehr zum Bau von Kirchen. Radikale islamistische Gruppen und die (mehr oder weniger offiziellen) Behörden greifen christliche Migranten aus Subsahara-Afrika und Konvertiten an, ohne eine Strafverfolgung durch Behörden fürchten zu müssen.

Wichtigste Mechanismen der Verfolgung

Islamischer Extremismus, Unterdrückung durch den Clan/Stamm, ethnisch-religiöse Feindseligkeiten

Christenverfolgung

Rang im Index: 
4
Rang im letztjährigen Index: 
4