Libyen
Flagge
Regierungschef
Fayez al-Sarraj
Bevölkerung
6 570 000
Christen
36 200
Hauptreligion
Islam
Staatsform
Autoritätsstaat


Überblick

Seit dem Fall Gaddafis steckt das Land in einer schweren politischen Krise und ist unsicher und unstabil. Die in Tripolis ansässige Government of National Accord (GNA) und eine selbsternannte Regierung, die den Osten des Landes kontrolliert, kämpfen seit April 2019 mit Hilfe von Milizen und anderen bewaffneten Gruppen um die Herrschaft. Gemäß Verfassung von 2011 ist der Islam die einzig erlaubte Religion und die Basis aller Gesetze.
 

Die Situation der Christen

  • Die christlichen Gemeinden Libyens setztes sich aus Einwanderern, vor allem aus Teilen Afrikas südlich der Sahara und Ägypten, aber auch aus Libyern zusammen, die den Islam zugunsten des Christentums verlassen haben.
  • Die Christen aus Subsahara-Afrika haben ihre eigenen Kirchen, die von Libyern nicht besucht werden dürfen. Sie sind das Ziel radikaler Islamisten, die sie schikanieren, bedrohen, missbrauchen und sogar brutal töten.
  • Christen libyscher Nationalität sind ehemalige Muslime, die von ihren Familien, der Gesellschaft und radikalen Islamisten verfolgt werden. Der Druck, der auf ihnen lastet, ist sehr groß. Damit sollen sie gezwungen werden, ihrem neuen Glauben abzuschwören.
  • Die beiden Hauptkonfessionen sind römisch-katholisch und orthodox. Es gibt auch einige protestantische Christen. Das Christentum ist bereits seit dem ersten Jh. in Libyen präsent. Mit dem Aufkommen des Islam verschwand es zwischen dem 7. und 12. Jh. jedoch fast ganz. Im 15. Jh. fasste die katholische Kirche wieder Fuß, gefolgt Ende des 19. Jh. von weiteren Konfessionen. Nicht-Katholiken wurden während des Zweiten Weltkriegs aus dem Land gejagt und kehrten aber nach 1946 wieder zurück.
     

Beispiele der Verfolgung

  • 2019 – Christliche Migranten in libyschen Haftanstalten werden vergewaltigt und geschlagen. Obwohl sich die Misshandlungen und die Gewalt nicht auf christliche Flüchtlinge beschränken, werden Christen weit stärker diskriminiert und gewalttätigeren Behandlungen ausgesetzt.
  • 21. Mai 2019 – Bei der Rettung eines Verwundeten getötet: Ein christlicher Mann aus der Subsahara fuhr einen Verwundeten ins Krankenhaus und wurde an einem Straßenkontrollpunkt angehalten. Aus irgendeinem unbekannten Grund verschärfte sich der Ton, einer der Milizionäre richtete seine Waffe auf den Kopf des Vaters von acht Kindern und schoss.
     

Weitere religiös verfolgte Gruppen

Ibadis, Sufis und all jene, die sich nicht vollständig dem sunnitischen Islam unterwerfen
 

Das «Gesicht» der Verfolgung

Wenn Anarchie und Islamismus gemeinsam regieren, gibt es weder Redefreiheit noch die Erlaubnis, Kirchen zu bauen – daher die hohe Punktzahl der Verfolgung im Bereich des kirchlichen Lebens. Viele christliche Migranten werden in Haftanstalten körperlich misshandelt, falls man ein Kreuz als Anhänger oder eine entsprechende Tätowierung findet. Überall im Land fürchten Christen um ihr Leben. Besonders in den Gebieten, in denen islamistische Gruppen (Islamischer Staat, «Libysche Dämmerung») präsent sind: Sirte (oder Surt), Tripolis, Bengasi. Verhaftete christliche Migranten landen in überfüllten Internierungslagern in der Nähe von Tripolis, andere geraten in die Hände von Menschenhändlern.
 

Hauptmechanismen der Verfolgung

Islamischer Extremismus, Ethnisch oder traditionell begründete Anfeindungen

Christenverfolgung

Rang im Index: 
4
Rang im letztjährigen Index: 
4