Indien
Flagge
Regierungschef
Narendra Modi
Bevölkerung
1 383 198 000
Christen
68 863 000
Hauptreligion
Hinduismus
Staatsform
Bundesrepublik


Überblick

Die indische Verfassung erklärt zwar, Indien sei ein säkularer Staat, doch Hindu-Extremisten setzen sich dafür ein, die Verfassung zu ändern und den Hinduismus zur Staatsreligion zu machen. Zusätzlich wollen sie im ganzen Land eine Anti-Bekehrungs-Gesetzgebung durchsetzen. Das offiziell abgeschaffte Kastensystem – eine jahrhundertealte hierarchische Struktur der Gesellschaft – ist in Indien nach wie vor allgegenwärtig. Die meisten Christen stammen aus den untersten Kasten.

Das Christentum erreichte Indien im 1. Jh. und breitete sich im 15. Jh. durch katholische Portugiesen weiter aus. Mit William Carey, einem baptistischen Pastor, fasste die evangelisch-protestantische Richtung Fuß. Carey übersetzte die Bibel in fast alle in Indien gesprochene Sprachen.

Zur Situation der Christen

Die Hindutva-Bewegung, ein politisches Konzept, das die eigene hinduistische Überlegenheit zum Ziel hat, verbreitet sich vor allem über die sozialen Netzwerke. Die bewusste Desinformation und der damit geschürte Hass sind in Indien die hauptsächlichen Triebfedern der Verfolgung. Die Ideologie zielt darauf ab, das Land von indischen Christen und anderen religiösen Minderheiten zu säubern, da nur Hindus als wahre Inder gelten. Christen und andere religiöse Minderheiten werden dadurch zu einer systemischen, oft gewalttätig verfolgten und sorgfältig inszenierten Zielscheibe der Hindus.

Konvertiten mit einem hinduistischen Hintergrund sind die am stärksten verfolgte Bevölkerungsgruppe. Sie werden ständig dazu gedrängt, zum Hinduismus zurückzukehren, besonders durch die Ghar-Wapsi-Bewegung (»Zurück zu den Wurzeln«). Christen, die sich gegen diese Bemühungen wehren, werden oft physisch attackiert und manchmal auch getötet.

Die Covid-19-Pandemie hat den Verfolgern neue Munition geliefert. In einigen Regionen werden Christen absichtlich von der Verteilung staatlicher Hilfsgüter ausgeschlossen oder sogar beschuldigt, das Virus zu verbreiten.

Beispiele der Verfolgung
  • 19. September 2021 – In Raipur, der Hauptstadt des Bundesstaates Chhattisgarh, organisieren hindu-nationalistische Paramilitärs Demonstrationen und greifen Christen, insbesondere Pastoren, an und drohen, sie zu vertreiben, wenn sie weiterhin «Menschen bekehren». Am 29. August überfallen in einem Dorf im selben Bundesstaat rund 200 Demonstranten etwa 60 Christen, die sich in ihrer Kirche versammelt haben.
  • 22. April 2021 – In Sitamahri im Bundesstaat Bihar brechen Hindu-Extremisten in das Haus eines Pastors ein, der mit seiner Frau und einem weiteren Glaubensbruder betete, und verletzten alle drei schwer. Der Pastor, der von Geburt an behindert ist, erhielt bereits früher schon Todesdrohungen, weil er unter den Dalits (den Unberührbaren) arbeitet, die in Indien als »unrein« gelten und grundsätzlich schon allein deshalb diskriminiert werden.
  • 24. November 2020 – Etwa 60 Dorfbewohner unterbrachen gewaltsam eine Taufzeremonie, die in einem Privathaus stattfand. Gegen Mitternacht griffen die Angreifer mit Stöcken und Speeren bewaffnet an und machten die ganze restliche Nacht regelrecht Jagd auf die verängstigten Christen. Rund 15 Schwerverletzte, davon 5 in kritischem Zustand, wurden ins Krankenhaus eingeliefert.
Das Maß der Verfolgung

Körperliche Gewalt und Überfälle auf religiöse Versammlungen sind in Indien die hauptsächlichen Formen der Verfolgung. Zusätzlich sind Christen im zivilen Leben erheblichen Einschränkungen unterworfen. Denn 9 Bundesstaaten haben sogenannte Anti-Bekehrungsgesetze verabschiedet und extremistische Hindus agieren, ohne rechtliche Konsequenzen fürchten zu müssen.

Wichtigste Mechanismen der Verfolgung

Religiöser Nationalismus, Unterdrückung durch den Clan/Stamm, ethnisch-religiöse Feindseligkeit

Christenverfolgung

Rang im Index: 
10
Rang im letztjährigen Index: 
10