Afghanistan
Flagge
Regierungschef
Hibatullah Achundsada
Bevölkerung
38 914 000
Christen
Einige Tausend
Hauptreligion
Islam
Staatsform
Theokratisches Emirat


Überblick

Seit der Übernahme der Regierung durch die Taliban am 15. August 2021 halten sich die Christen bedeckt. Die meisten sind vom Islam konvertiert und gelten daher als Abtrünnige. Um der »Ehre« gerecht zu werden, muss die Familie, der Clan oder der Stamm jeden nachweisbaren Konvertiten loswerden. Da der Einfluss der wieder an die Macht gekommenen Taliban immer stärker wird und sich auf immer mehr Distrikte ausdehnt, wird die Lage für (religiöse oder ethnische) Minderheiten und Frauen immer schwieriger.

Nach den Schriften Eusebius’ von Cäsarea kam das Christentum im 2. Jh. n. Chr. mit den Aposteln Thomas und Bartholomäus nach Afghanistan und entwickelte sich im Laufe der Zeit zur nestorianischen Kirche. Im 13. Jh. konvertierte ein Stammesführer zum Islam und allmählich verschwand der christliche Glaube. Im 17. Jh. brachten armenische Kaufleute diesen zurück. Die Kaufleute wurden aber 1871 vertrieben. Erfolglos versuchten Christen im Jahr 1973 in Kabul eine Kirche zu eröffnen.

Zur Situation der Christen

Afghanistan geriet weltweit in die Schlagzeilen, als die Taliban die Hauptstadt Kabul eroberten. Viele Afghanen verließen fluchtartig das Land, bevor sie ihrer Freiheiten beraubt wurden. Für Christen gab es praktisch keine Freiheit zu verlieren, da Religionsfreiheit schon zuvor keine Rolle spielte und das Land seit vielen Jahren auf Rang Nr. 2 des Weltverfolgungsindex (WVI) gelistet ist.

In Afghanistan existiert seit fast 50 Jahren keine offizielle Kirche mehr. Mit der Machtübernahme durch die Taliban lösten sich viele Hauskirchen, wenn nicht sogar die meisten, im Land auf.

Christen sind in allen Bereichen des öffentlichen und privaten Lebens extremer Verfolgung ausgesetzt. Es gilt als Schande, den Islam zu verlassen. Das wird nach dem geltenden islamischen Recht mit dem Tod bestraft. Konvertierte Christen müssen daher mit schrecklichen Konsequenzen rechnen, wenn ihr neuer Glaube entdeckt wird. Die Rückkehr der Taliban an die Macht verstärkt die Gefahr für die Gläubigen. Sie haben genau zwei Möglichkeiten: Entweder verlassen sie das Land, oder sie laufen Gefahr, getötet zu werden.

Beispiele der Verfolgung

Genaue Zahlen und Details sind aufgrund der chaotischen Situation äußerst schwer zu überprüfen.

  • August/September 2021 – Kaum an der Macht hatten die Taliban Zugang zu den Aufzeichnungen und Berichten, die sich im Besitz der früheren Regierung befanden. Und damit leichtes Spiel, die Christen ausfindig zu machen.
  • Es kursierten im Land Listen mit ihren Namen. Die Taliban spürten die Christen aktiv auf und führten Hausdurchsuchungen durch. Die wenigen Christen, die ihre Religionszugehörigkeit auf ihrem Personalausweis geändert hatten, wurden beispielsweise strafrechtlich verfolgt. Andere Christen versteckten sich und/oder flohen inner- oder außerhalb des Landes an einen anderen Ort. Ihre Häuser wurden entweder zerstört oder von Nachbarn oder den Taliban selbst übernommen.
  • Gemäß Schätzungen wurden viele Christen von den Taliban identifiziert und getötet. Mehrere wurden inhaftiert und gefoltert, mit dem Ziel, dass sie ihre christliche Beziehungen und Netzwerke preisgeben.
  • Frauen und Mädchen wurden als Kriegsbeute mit jungen Taliban verheiratet. Falls sie nicht vergewaltigt wurden, wurden sie mit einem Kämpfer verheiratet oder inner- oder außerhalb des Landes dem Menschenhandel zugeführt.
Das Maß der Verfolgung

Wie in Nordkorea war die Verfolgung in Afghanistan bereits seit Jahren auf einem Höhepunkt. Doch durch die Machtübernahme der Taliban hat sich das Ausmaß der Gewalt nochamls gesteigert: Viele Christen verstecken sich oder sind aus Furcht um ihr Leben aus dem Land geflohen. Die meisten Untergrundkirchen versammeln sich nicht mehr.

Wichtigste Mechanismen der Verfolgung

Islamischer Extremismus, Unterdrückung durch den Clan/Stamm, ethnisch-religiöse Feindseligkeiten

 

Christenverfolgung

Rang im Index: 
1
Rang im letztjährigen Index: 
2