Afghanistan
Flagge
Regierungschef
Präsident Ashraf Ghani
Bevölkerung
37 209 000
Christen
Einige Millionen
Hauptreligion
Islam
Staatsform
Islamische Republik


Überblick

Afghanistan ist seit 2004 eine islamische Republik. Auf seinem Territorium kämpfen verschiedene aufständische Gruppierungen, wie Taliban oder Islamischer Staat, um die Herrschaft. Die Regierung ist schwach und gespalten. Das Land versinkt immer tiefer in einer Spirale der Gewalt. Im September 2019 scheiterte der Versuch der US-Regierung und der Taliban ein Friedensabkommen zu schließen. Am 28. September 2019 fanden Präsidentschaftswahlen statt, die aber von Anschlägen geprägt waren.
 

Zur Situation der Christen

  • Die afghanische Kirche existiert nur im Untergrund. Die islamische Republik erlaubt keinem afghanischen Bürger, Christ zu werden. Die wenigen Christen afghanischer Nationalität, alles ehemalige Muslime, sind zum Christentum konvertiert und müssen ihren Glauben geheim halten. Wenn sie entdeckt werden, selbst nur von ihren Familien, riskieren sie den Tod. Für die Familie bedeutet es eine Schande, einen Christen in der Familie zu haben. Folglich verbergen Christen ihren Glauben und sind sehr vorsichtig. Jede Verhaltensänderung wird in dieser engen und konservativen Gesellschaft, die in Clans und Stämme organisiert ist, bemerkt. Christen leiden sowohl unter der Feindseligkeit der Islamisten als auch unter der allgemeinen Gewalt, die im Land herrscht.
  • Nach den Schriften Eusebius’ von Cäsarea kam im 2. Jh. n. Chr. das Christentum mit den Aposteln Thomas und Bartholomäus nach Afghanistan und entwickelte sich im Laufe der Zeit zur nestorianischen Kirche. Im 13. Jh. konvertierte ein Stammesführer zum Islam und allmählich verschwand der christliche Glaube. Im 17. Jh. brachten armenische Kaufleute diesen zurück. Die Kaufleute wurden aber 1871 vertrieben. Erfolglos versuchten Christen im Jahr 1973 in Kabul eine Kirche zu eröffnen.
     

Beispiele der Verfolgung

  • Im Jahr 2019 – Nicht nur einigen afghanischen Christen kostete ihr Glaube das Leben, auch andere Menschen wurden, nur auf den bloßen Verdacht hin, Christ zu sein, ermordet. Aus Sicherheitsgründen machen wir hier Fälle nicht publik.
  • April und Mai 2019 – Basira Akhtar, eine 22-jährige Studentin, ist Muslima. An ihrer Universität in Kabul wird sie zweimal verprügelt, weil ihr Kopftuch verrutschte. Beide Male wird sie beschuldigt, als schlechte Muslima das Christentum zu unterstützen.
     

Weitere religiös verfolgte Gruppen

Schiiten, Sufis, Hindus, Sikhs und jede andere religiöse Minderheit
 

Das «Gesicht» der Verfolgung

  • Die Verfolgung, die sich in allen Lebensbereichen als ständiger Druck zeigt, bleibt überall auf höchstem Niveau bestehen. Sie ist die Folge einer Stammesgesellschaft und nationaler Gesetze, die auf der strikten Anwendung der Scharia basieren. Die Gewalt gegen Konvertiten wird durch die Taliban und andere islamistische Gruppen, aber auch durch die Familien der Gläubigen, verursacht.
  • Fast die Hälfte des afghanischen Territoriums wird von den Taliban beherrscht oder kontrolliert. Hier besteht für Christen mit einer muslimischen Herkunft allergrößte Gefahr. So ist beispielsweise in der Provinz Ghazni das Gewaltpotential so hoch, dass dort im Jahr 2018 die Parlamentswahlen nicht abgehalten werden konnten.
     

Hauptsächliche Mechanismen der Verfolgung

Islamischer Extremismus, Ethnisch oder traditionell begründete Anfeindungen

Christenverfolgung

Rang im Index: 
2
Rang im letztjährigen Index: 
2