Von Frauen aus aller Welt

Betroffene Frauen erzählen direkt und persönlich davon, wie sie Verfolgung  in ihrem eigenen Leben erlebt haben - Lebensgeschichten, die unter die Haut gehen. 

Die Erlebnisberichte geben einen persönlichen Einblick in den Alltag von Frauen der verfolgten Kirche. Sie zeigen unmittelbar erlebtes Leid, aber auch Hoffnung und den Willen, trotz allem im Glauben an Jesus festzuhalten. 

Nicht selten zeigen uns die Frauen durch ihre persönlichen Erlebnisse Möglichkeiten und Perspektiven auf für den Umgang mit unseren eigenen Herausforderungen.

Hee-Yol: Gefangen in Nordkorea

Heute lebt Hee-Yol* in Südkorea als freie Frau. Wer sie sieht, würde nie vermuten, dass sie ein Opfer des Menschenhandels und eine nordkoreanische Gefangene war.

Damals in den 90er Jahren herrscht in Nordkorea eine schlimme Hungersnot. Auf der Suche nach Essen überquert Hee-Yol heimlich die Grenze. Doch in China erwartet sie ein schreckliches Schicksal. Sie fällt in die Hände von Menschenhändlern. Über diese Zeit sagt sie: «Mein Leben war einfach elend.»

Wie ein Tier

Eine Chinesin koreanischer Abstammung hilft ihr zu fliehen. Diese Frau erzählt ihr auch zum ersten Mal von Christus. Nie zuvor hat Hee-Yol gehört, dass es einen Gott gibt! Bald besucht sie regelmässig die Gottesdienste und findet zu einer persönlichen Beziehung zu Jesus. Einige Jahre lebt sie illegal in China, bis sie in den 2000er Jahren von der Polizei aufgegriffen und nach Nordkorea zurückgeschafft wird.

Dort wird Hee-Yol wegen illegalen Grenzübertritts zu vier Jahren Gefängnis verurteilt. «In Nordkorea bekommt man jedes Mal eine Bescheinigung, wenn man Vieh verkauft. Als ich ins Gefängnis kam, musste ich mit meinem Fingerabdruck eine solche Bescheinigung besiegeln. Ich dachte: ‹Jetzt bin ich ein Tier.›» Die Umstände im Gefängnis sind schlimmer, als sie erwartet hat. Jeder Tag ist eine Qual. Die kleine Zelle teilt sie mit rund 50 anderen Insassen. Die übelriechenden Latrinen sind im selben Raum, in dem sie schlafen. Die Gefangenen werden von Ungeziefer gequält und im Winter von der Kälte. In der Zelle schreit Hee-Yol aus tiefster Not zu Gott und bittet ihn, sie aus diesem grauenhaften Ort zu retten. Als das nicht geschieht, beginnt sie an Gott zu zweifeln. In der Kirche in China war immer davon gepredigt worden, dass Gott rettet und dass er unsere Hoffnungen erfüllt. Dass Gott seine Kinder auch durch tiefe Täler gehen lässt, davon war in jener Gemeinde nie die Rede.

Anders als die anderen

Unter den Gefangenen herrscht Misstrauen, denn sie werden von den Wächtern dazu angehalten, einander auszuspionieren. Doch Lydia, eine der Gefangenen, mit denen Hee-Yol die Zelle teilt, ist anders als die anderen. Manchmal verkriecht sie sich unter ihrer Bettdecke. Keiner weiss warum. Bis Hee-Yol eines Tages feststellt, dass Lydia betet. Voller Erstaunen erkennt sie, dass es in ihrer Zelle noch eine weitere Christin gibt! Hee-Yol wartet einige Tage bis sie in einem unbeobachteten Moment auf Lydia zugeht. Sie nähert sich ihr vorsichtig, damit niemand anders bemerkt, was sie ihr zuflüstert: «Im Namen Jesu beten wir, Amen.» Lydia erstarrt und sieht sie mit grossen Augen an. Beide freuen sich unglaublich! Dann beten sie gemeinsam. Hee-Yol hält fest: «Ohne Lydia hätte ich das Gefängnis nicht überlebt.» Lydia spricht mit ihr oft über verschiedene Texte aus der Bibel und erklärt ihr, dass sie Gott trotz allem vertrauen sollen.

Es gibt nur wenig zu essen. Die Gefangenen sind immer hungrig. Alle sind unterernährt. Jeder schaut nur für sich, ausser Lydia. Sie teilt ihre wenigen Nahrungsmittel mit den Kranken. Hee-Yol erinnert sich: «Die Liebe Gottes war in ihrem Leben klar sichtbar.»

Endlich frei!

Trotz aller Widrigkeiten überlebt Hee-Yol das Gefängnis. Durch ein Wunder kommt sie nach zwei Jahren frei und muss nicht die ganzen vier Jahre absitzen. Doch in Freiheit fühlt sie sich in Nordkorea auch ausserhalb der Gefängnismauern nicht. An Gott zu glauben ist in diesem überwachten Staat strengstens verboten. Sie betet, dass ihr die Flucht nach Südkorea gelingt, damit sie ihren Glauben in Freiheit leben kann. Gott schenkt das Gelingen und sie kommt sicher in Südkorea an.

Wie Sklaven

Häufig denkt sie an Lydia. Diese wurde kurz nach Hee-Yols Freilassung als christliche Spionin angezeigt und in ein Lager für politische Gefangene geschickt. Hee-Yol meint: «Wenn sie erfahren hätten, dass ich auch an Gott glaube, wäre ich ebenfalls beschuldigt worden, eine Spionin zu sein. Mein Herz leidet jedes Mal, wenn ich mich an Lydia auf dem kalten Boden der Zelle erinnere. Bitte betet für die Menschen in Nordkorea. Nordkoreanische Bürger sind wie Sklaven.»

* Name geändert

Auszug Heft Frauen Fokus Nr 101

Nordafrika: Leyla: «Von Jesus kann ich nicht mehr lassen!»
Die Zeit reicht nur für ein kurzes Treffen mit Leyla* (im Bild) und ihrem Pastor, denn es wird erwartet, dass sie von der Universität direkt nach Hause kommt. Während sie den Mitarbeitern von Open Doors von ihrem neuen Leben als Christin berichtet, sieht sie immer wieder auf die Uhr, damit sie nicht den richtigen Zeitpunkt verpasst, um sich auf den Weg zu machen. Vor ihrem Vater und dem Grossteil ihrer Familie muss die 22-Jährige ihren Glauben geheim halten.


Als Kind hatte Leyla im Fernsehen eine Christin beten sehen, und die Frau dankte Gott. «Das fand ich merkwürdig, weil wir im Islam Gott immer um irgendetwas bitten. Auf die Idee, ihm zu danken, sind wir nicht gekommen.» In einer streng muslimischen Umgebung aufgewachsen, las Leyla im Koran und betete, wie sie es von ihren Eltern gelernt hatte. «Aber an diesem Abend hatte ich das Gefühl, dass ich etwas anders machen sollte. Ich tat, was diese Frau im Fernsehen getan hatte: Ich dankte Gott.» Das war der Anfang von Leylas Suche.

Eine dramatische Wende
Zwischen Leylas Eltern kam es einige Jahre später zu einer schweren Krise und schliesslich zur Scheidung. Das Leben schien Leyla zu entgleiten. Sie begann zu rauchen, wurde aggressiv und erlitt schliesslich einen psychischen Zusammenbruch. Einen Selbstmordversuch überlebte sie, kam aber später mit einer Nierenentzündung ins Krankenhaus, wo sie zwei Monate bleiben musste. Dort fragte sie Gott nach dem Sinn ihres Lebens.

Als sie wieder zu Hause war, ging Leyla im Internet auf die Suche und fand eine Seite von Christen in ihrem Land. «Diese Seite klickte ich an und schickte eine Nachricht.» Anfangs bekam sie nur zögerliche Antworten. In der muslimischen Welt müssen Gemeinden immer damit rechnen, ausspioniert zu werden. So fiel es Leyla schwer, Kontakt aufzubauen. Aber schliesslich kam sie mit einem Pastor in Kontakt. Er besorgte ihr eine Bibel.

Antworten auf ihre Fragen an Gott
Im ersten Gottesdienst, den sie besuchte, ging es um Johannes 14,6: ‚Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben‘. «Während der Pastor predigte, hatte ich das Gefühl, er hätte direkt auf die Fragen geantwortet, die ich Gott im Krankenhaus gestellt hatte. An jenem Tag entschied ich mich für Jesus.»
Leyla besuchte Gottesdienste und Bibelgruppen. Zu Hause las sie nun regelmässig im Wort Gottes. «In der Bibel zu lesen, wurde mir zum Bedürfnis. Richtig glücklich war ich dabei – und innerlich ganz ruhig.»

Ihre Mutter weiss, dass sie Christin ist und akzeptiert es. Aber Leyla hat grosse Angst, ihrem Vater davon zu erzählen, denn er hatte sie früher einmal mit einem Messer bedroht, weil sie mit ihm über Fragen zum Islam hatte diskutieren wollen. «Er ist ein freundlicher Mann, aber von Zeit zu Zeit kommt sein anderes Gesicht zum Vorschein. Wie er reagieren würde, wenn ich ihm sagen würde, dass ich Christin bin, ist völlig unvorhersehbar.» Leylas Onkel und seine Frau hatten sie schon einmal stark ermahnt, sie solle nicht mit Christen sprechen. Eine strenggläubige Mitschülerin hatte sich völlig von ihr abgewandt, nachdem sie einmal versucht hatte, mit ihr über den christlichen Glauben zu sprechen.

«Jesus ist wie Sauerstoff»
Danach wurde sie vorsichtig, aber den christlichen Glauben aufzugeben, kommt für Leyla nicht in Frage: «Jesus ist wie Sauerstoff, denn ohne Sauerstoff kann man nicht atmen. Gäbe es Jesus nicht, wäre ich heute überhaupt nicht mehr am Leben. Es ist, als hätte mich jemand aus dem Mülleimer gezogen und gewaschen. Was immer in meinem Leben auch passiert: Von Jesus kann ich nicht mehr lassen.»

Leyla hatte das Privileg, als junge Christin gleich eine Gemeinschaft zu finden, die nicht nur Gottesdienste und Bibelgruppen anbietet, sondern mit Unterstützung von Open Doors auch Bibelkurse. Viele Muslime, sowohl in nordafrikanischen Ländern als auch anderswo in der islamischen Welt, bleiben allein, nachdem sie zum Glauben an Jesus gefunden haben.

Leyla ist Gott zutiefst dankbar dafür, dass sie erkennen durfte, wie er wirklich ist. «Ich habe das Glück, eine besondere Beziehung zu Gott zu haben, aber wenn ich meine Familie sehe, fühle ich mich schlecht. Ich liebe meine Familie, ich liebe meinen Vater. Ich möchte, dass sie auch Christen werden. Es ist schwierig, dies anderen zu erklären, aber das Christentum ist keine Religion, in der man verpflichtet ist, jeden Tag zu beten – es ist eine Beziehung.» /

*Name geändert

Auszug Mai 2020– Magazin

»Warum tragt ihr keinen Hidschab?«

In ganz Indonesien sind junge Christen zermürbenden Beleidigungen und Schikanen ausgesetzt. Gina* ist 20 Jahre alt und lernt Krankenpflege. Sie hatte ein Stipendium für bedürftige Studenten erhalten und wurde einer Schule in der stark islamisch geprägten Provinz Aceh zugewiesen. Zwei Monate lang überlegte die Christin gemeinsam mit ihren Eltern, bevor sie schließlich zusagte.

Ginas Mutter brachte die angehende Krankenschwester 2017 in die Universitätsstadt. »Wir trugen keinen Hidschab (islamischer Schleier) und suchten nach einem Hotel. Plötzlich schrie uns ein Mann auf einem Motorrad an: ›Ihr Frauen, warum tragt ihr keinen Hidschab? Euer Körper ist nicht verhüllt!‹ Meine Mutter fand, wir sollten wieder nach Hause gehen, wenn man uns schon am ersten Tag so behandelte. Aber ich meinte, wir waren nun so weit gekommen, dass wir wegen einer solchen Sache nicht umkehren sollten. Doch am nächsten Tag wiederholte sich das wieder und wieder. Meine Mutter konnte sich schwer damit abfinden, dass ich mich verschleiern müsste.« An der Schule sagte man ihr, dass sie als Christin keinen Hidschab tragen müsse, aber lange, weite Kleider.

Zwischen Toleranz und Feindseligkeit

Während ihrer Ausbildung wurde es für Gina zur Normalität, dass sie auf der Straße immer wieder von Leuten angeschrien wurde, weil sie nicht verschleiert war. »In Aceh gibt es zwei Gruppen Muslime. Eine ziemlich tolerante und eine erzkonservative Strömung.« Auch in der Ausbildung erlebte sie einerseits Toleranz, andererseits aber auch feindselige Reaktionen auf ihren christlichen Glauben. In ihrem Jahrgang studieren noch sieben weitere Christen. »In einem Kurs zeigte der Dozent mit dem Finger auf uns und sprach von den ›anderen, die im Gegensatz zu unserer Religion stehen‹. Oder er nennt uns ›Ungläubige‹. Das geschieht regelmäßig.«

Dankbar für die Gemeinschaft
An der Universität studieren etwa 150 Christen, die in der christlichen Studentenvereinigung organisiert sind. Treffen dürfen sich die christlichen Studenten jedoch nicht – zumindest nicht auf dem Universitätsgelände und in der näheren Umgebung, denn die Verbreitung anderer Religionen außer dem Islam ist streng verboten. Kurse in Religion sind fester Bestandteil des Lehrplans und Voraussetzung, um das Studium abschließen zu können. Gina ist sehr dankbar, dass die christliche Studentenvereinigung Religionskurse organisiert, sodass die Christen nicht am  Islamunterricht teilnehmen müssen.

Die Gemeinschaft innerhalb ihrer christlichen Studentengruppe hilft Gina, angesichts von Beschimpfungen und Schikanen nicht den Mut zu verlieren. »In meiner Heimatstadt sind wir Christen in der Mehrheit und es gibt keine großen Herausforderungen. Aber hier werden wir von vielen Leuten angegriffen. Wir müssen uns gegenseitig unterstützen, so werden wir stärker. Wir müssen härter arbeiten und uns mehr Zeit nehmen, um zu beten und Gott zu loben.« /

 

*Name geändert

Magazin März 2020 – Auszug

Christus in der Reha: Ein Leben völlig verändert

Das Evangelium breitet sich in Zentralasien durch die Liebe und Fürsorge für die Bedürftigsten aus − so fand auch Sara* zu Jesus. An ihrem Tiefpunkt fand sie durch Christen Hoffnung und Hilfe in einem Rehabilitationszentrum, das von ­Evgeny*, einem langjährigen Partner von Open Doors, gegründet wurde.

Saras Leben war seit ihrer Kindheit ein Alptraum. Ihre Eltern waren Alkoholiker und kümmerten sich nicht um sie. Mit 16 Jahren begann Sara zu trinken und verliess die Schule ohne Abschluss. Später gebar sie eine Tochter, aber ihr Freund verliess sie und das Baby. Sara stürzte sich noch tiefer in den Alkohol.



«Den Tiefpunkt erreicht»
Ein paar Jahre später wendete sich ihr Leben zum Besseren. Sie heiratete Rustam*, einen sehr netten jungen Mann. Ein Sohn und eine Tochter wurden dem Paar geboren, ein glückliche Zukunft schien vor ihnen zu liegen. Aber der Drang nach Alkohol überkam Sara von neuem. Rustam kämpfte, brachte sie in verschiedene Krankenhäuser. Nichts half, die Trunksucht beherrschte Saras Leben und sie vernachlässigte Mann und Kinder immer mehr.

«Schlussendlich erreichte ich den Tiefpunkt. Rustam ging in ein anderes Land arbeiten, um für ­unsere Kinder zu sorgen. Er konnte mein Verhalten nicht mehr ertragen. Meine Kinder waren bei verschiedenen Familien untergebracht. Ich lebte wie einst meine Eltern.»

«Reine, echte Liebe»
Eines Tages begegnete Sara zwei Männern, die in mehreren Reha-Zentren für Drogen- und Alkoholabhängige aktiv waren. Sie brachten Sara in das Zentrum für Frauen, das mit der Unterstützung von Open Doors eröffnet wurde. Sie machten Saras Kinder ausfindig und brachten sie auch dorthin.

«Als ich die Zeugnisse der Frauen hörte und sah, wie Gott ihr Leben verändert hatte, wurde mein Herz langsam mit neuer Hoffnung erfüllt. Ich hörte auf zu trinken und kümmerte mich um meine Kinder. Der Alkoholdrang war manchmal sehr stark. Aber die reine, echte Liebe dieser Christinnen für mich und meine Kinder gab mir übernatürliche Kraft, um standhaft zu bleiben. Eines Tages beteten sie zu Jesus, dass er mir helfen möge, der Sucht zu widerstehen und meine Mission als Frau, Mutter und Ehefrau zu erfüllen. Ihr Gebet berührte mich zutiefst. Ich tat Busse und öffnete Jesus mein Herz. Von diesem Moment an änderte mein Leben völlig.»

«Ich erkannte meine Frau nicht mehr»
Sara lebte fast vier Jahre lang in diesem Zentrum. Als ehemals hoffnungslose Trinkerin wurde sie zu einer erlösten, glücklichen Frau und liebenden Mutter. Rustam kehrte nach sieben Jahren ins Land zurück. Er hatte vor, sich von Sara scheiden zu lassen. «Ich erkannte meine Frau nicht mehr, sie hatte sich total verändert. Ich bin so dankbar für die Reha-Arbeit. Jetzt ist meine Familie wieder intakt», meint er glücklich.

Die Familie wohnt jetzt im eigenen Haus in ihrer Heimatstadt. Sara ist Leiterin einer Hausgruppe von sechs Gläubigen mit muslimischem Hintergrund. Sie ist zudem als freiwillige Mitarbeiterin im Reha-Zentrum tätig und verkündet den Stadtbewohnern das Evangelium. «Viele, die mich von vorher kannten, sind über mein verändertes Leben erstaunt − ein gewaltiges Zeugnis für sie. Es ist meine Berufung und meine grösste Leidenschaft, die Liebe Gottes zu teilen.» /

*Namen geändert

Magazin Oktober 2019 – Auszug

Bild: Der Ertrag aus einer Imkerei und die Unterstützung von Open Doors machten die Eröffnung des Zentrums möglich.

«Ich bitte dich, verlass mich nie wieder»

Rachel* (im Bild, mit ihrer Tochter) zitterte in der hintersten Ecke ihres Hauses, während es laut an der Tür klopfte. Was sie nie erwartet hatte, geschah an diesem Tag – die Geheimpolizei war gekommen, um sie zu verhaften. Sie sah ihre neunjährige Tochter an, die sich in grösster Angst an ihre Brust klammerte.

 

Dies war der Preis, den sie als Leiterin der iranischen Untergrundkirche zahlen musste.

Rachel wurde etwa 10 Jahre zuvor Christin. Als sie damals vom tiefen Gefühl der Leere hin zur erfüllenden Liebe Christi fand, dachte sie nicht einmal an Verfolgung. Ihre Schwester hatte sie in die Hauskirche mitgenommen; später, am selben Tag, erschien ihr Jesus in einem Traum. Zwei Jahre lang besuchte sie die Hauskirche und auch ihr Mann fand zu Jesus.

Zur Gemeinde kamen immer neue Gläubige, bis sie aus allen Nähten platzte. So wurden Rachel und ihr Mann nach nur zwei Jahren zu Leitern in der Gemeinde. Dies bedeutete mehr Risiken als für gewöhnliche Gemeindemitglieder, aber Rachel machte sich keine Sorgen. Die Dinge liefen erstaunlich lange gut.

Kimya* wurde geboren und wuchs in einer Gemeinde mit einer Sonntagsschule auf – was im Iran keineswegs üblich ist! Und die Kinder wussten, dass sie nicht mit anderen über die Kirche sprechen durften.

Verhaftet
An diesem Tag liess Rachel die Polizei glauben, dass sie nicht zu Hause sei. Aber als ihr Mann später Kimya in die Schule brachte, verhaftete die ­Polizei sie.

«Sie steckten mich in Einzelhaft. Ganz allein fing ich an zu weinen. Ich dachte an meine Tochter und daran, was mit ihr passieren würde.» Ihre Stimme wird leiser und Tränen erfüllen ihre Augen. Hatte sie ihre Tochter darauf vorbereitet? «Überhaupt nicht», sagt sie.
Verängstigt und allein zweifelte Rachel an ihren Entscheidungen, sie zweifelte an Gott. Wieso hatte er sie oder ihre Tochter nicht davor beschützt? «Die ersten drei oder vier Tage sprach ich nicht mit Gott. Ich war so enttäuscht von ihm.»

Nicht mehr allein
Im Gefängnis wurde sie von den Polizeibeamten verhört und beleidigt. Sie durfte niemanden anrufen. Innerhalb von zwei Wochen hatte sie 13 Kilo abgenommen.

Aber auf einmal fühlte sie sich nicht mehr allein. Als sie endlich zu ein wenig Schlaf kam, sprach Gott ihr einen Vers zu: ‹Doch obwohl er unter ihnen war und die Welt durch ihn geschaffen wurde, erkannten ihn die Menschen nicht.› (Johannes 1,10). Dies war ein Wendepunkt für Rachel. «In den ersten paar Tagen hatte ich Angst. Aber als ich den Traum hatte, begann ich wieder zu beten und spürte Gottes Gegenwart.»

Aber sie war noch immer sehr besorgt um ihre Tochter. «Manchmal denke ich an diese Tage zurück und frage mich, wie ich es geschafft habe. Ich konnte mit der Angst um meine Tochter umgehen, weil ich im Gefängnis jeden Tag für sie betete.»

Wiedervereinigung
Nach zwei langen Wochen durfte Rachel endlich ihre Tochter anrufen. «Als ich ihre Stimme hörte, fing ich an zu weinen. Meine Tochter war krank und ich fühlte mich so schlecht.»

Nach einem Monat wurde Rachel schliesslich auf Kaution freigelassen. Worte können ihr Glück, ihre Tochter endlich wieder in die Arme schliessen zu können, nicht beschreiben. «Sie liess mich nicht mehr los und sagte: ‘Mami, ich bitte dich, verlass mich nie wieder.’» Rachel wusste, dass sie früher oder später wieder im Gefängnis landen würde, wenn sie im Iran bleiben würde, und dass sie beim nächsten Mal auch ihren Mann mitnehmen könnten.

Der Familie blieb nur eine Option: Die Flucht aus dem Iran.

Ein starker Glaube – trotz allem
Und so trafen wir Rachel, ihren Mann und Kimya in einem anderen Land, wo sie nur mit Mühe und Not über die Runden kommen. Eine Familie, die von ihren Erfahrungen gezeichnet, aber in ihrem Glauben gewachsen ist.

Kimya ist trotz allem zu einer starken Gläubigen herangewachsen. Sie ist schüchtern, scheut sich aber nicht, uns ein Lied auf ihrer Gitarre zu spielen (Bild). «Das ist mein Lieblingslied», sagt sie. «Wenn ich dieses Lied singe, fühle ich mich Gott nahe.»

Ihre Hände streichen über die Saiten, während sie leise zum Herrn singt:

«Ich lege meine Sorgen, Ängste und Lasten auf deine Schultern;
Ich lege meine Hoffnung und meine Ziele vor deine Füsse;
Getrennt von dieser Welt gebe ich mich dir hin.» /

* Namen geändert

Magazin Dezember 2019 – Auszug

Kinder haben oder Jesus folgen: Nora musste sich entscheiden!

Nora* ist eine Christin aus der muslimischem Hauptbevölkerungsgruppe und Pastorin. Im Gegensatz zu anderen Gläubigen war ihr Kampf als Christin in ihrem Land in Südostasien nicht einfach. Wieso? Weil sie als Muslimin geboren wurde. Und nun folgt sie Jesus, doch es ist für sie illegal, dies zu tun. Dies ist Noras ungewöhnliche Geschichte.

«Schon in frühen Jahren wurde mir beigebracht, islamische Religionslehre und Praktiken zu befolgen. Aber ich hatte nie eine Leidenschaft dafür, dem Islam zu folgen. Schon in der Volksschule mochte ich islamische Studien nicht, weil sie so schwierig zu befolgen sind», sagte Nora.

Viele Jahre später, als sie anfing zu arbeiten, lernte sie ihren zukünftigen Mann, Daniel, bei der Arbeit kennen. Er nahm sie mit in seine Kirche, wo sie an den Wochenenden Bibelstunden besuchte. «Als ich von Jesus erfuhr, beschloss ich, ihm nachzufolgen. Ich glaube, dass er der Weg, die Wahrheit und das Leben ist. Ich wusste, dass diese Entscheidung mein Leben für immer verändern wird. Aber wegen Gott, und mit Daniel an meiner Seite, war ich bereit, mich dem zu stellen.»

Daniel und Nora waren viele Jahre zusammen, und als sie beschlossen, zu heiraten, baten sie Daniels Pastor, sie in der Kirche zu trauen. Sie wollten eine christliche Hochzeit, doch der Pastor weigerte sich und sagte, Daniel müsse zum Islam konvertieren (1).

Nora sagte: «Ich sagte ihm, dass ich nicht wollte, dass Daniel seinen Glauben ändert. Ich bin diejenige, die ihren Glauben ändern will. Wir sind beide Christen und wollen eine christliche Heirat. Da sich die Kirche weigerte, gingen wir.»

Aber Gott öffnete eine andere Tür. Durch einen Freund fanden sie eine Kirche, die von Pastor Ishak* gegründet wurde, der selbst ein Christ mit muslimischen Hintergrund war, wie Nora. Rückblickend sagt Pastor Ishak: «Ich betete wochen-, ja monatelang für sie, nur um sie zu prüfen. Ich brachte es vor den Herrn und fragte ihn, ob sie wirklich von ihm geschickt worden waren. Sie erwiesen sich als treu. Jede Woche waren sie in der Kirche. Sie beteiligten aktiv an unseren kirchlichen Aktivitäten.»

Nach einem Jahr taufte Ishak Nora im Juni 2008 und traute die beiden schließlich im Dezember desselben Jahres.

Eine Hochzeit in Tränen

Aber die Hochzeit war kein fröhliches Fest. Nora hatte ihre Eltern nicht zur Hochzeit eingeladen. Sie wussten nicht, dass sie sich vom Islam abgewandt und Jesus angenommen hatte. Bis heute wissen sie es nicht. «Ich spreche nicht über meinen Glauben, nicht aus Angst, sondern weil ich die Beziehung mit meiner Familie nicht verlieren will, besonders mit meinen Eltern, die langsam alt werden.»

Pastor Ishak erinnert sich an den Tag. «Ich sagte allen: ‚Heute ist Noras besonderer Tag, ihr Hochzeitstag, und sie konnte es ihren Eltern nicht sagen.’ Dann weinten wir alle. Bevor ich die Trauung vollzog, weinte ich zuerst. So auch die wenigen Gläubigen aus der muslimischen Bevölkerungsgruppe, die am Gottesdienst teilnahmen. Wir weinten alle. Das ist das Kreuz, das wir tragen müssen. Wir weinten für sie und für uns selbst. Wir sind eine weinende Kirche.»

«Ein Kind ist unmöglich für uns»

Die Ehe ist nie ein Thema für Gläubige, die aus christlichen Familien kommen. Doch für ehemalige Muslime ist dies ein großes Problem. Keine Ehe bedeutet kein Ehepartner und folglich keine Kinder.

Nora und Daniel sind nun seit 10 Jahren verheiratet, aber ohne Kinder. «Mein Ehemann ist Christ. Ich wurde als Muslimin geboren. Wir heirateten in der Kirche. Wir hatten keine zivile Trauung und unsere Ehe ist nicht offiziell.»

«Wir werden nie Kinder haben. Oder eine eigene Familie gründen. Wir mussten diesen Traum aufgeben. Wenn die Regierung herausfinden würde, dass sie illegal geboren wurden und von einer christlichen Familie großgezogen werden, würden sie kommen und sie uns wegnehmen.»

Trotz dieser Schwierigkeiten bleibt Nora hoffnungsvoll, und Gott schenkt ihr die Kraft, um durchzuhalten. «Ich war viele Jahre im Jüngerschaftskurs der Kirche. Wir verwenden das Material von Open Doors zum Umgang mit Verfolgung. Das, was ich gelernt habe, stärkt mich wirklich bis heute.»

«Sie ist die Antwort auf unsere Gebete»

Die Untergrundkirche in diesem Land ist sehr schwach und zerstreut. Es gibt nur wenige Mitarbeiter und die meisten kommen aus den offiziellen Kirchen. Es gibt nur sehr wenige einheimische Mitarbeiter im kirchlichen Dienst mit einer theologischen Ausbildung. Open Doors unterstütze Nora in ihrem dreijährigen Theologiestudium an einem Bibelseminar, das sie 2017 abschloss, bevor sie 2018 in ihrer Kirche ordiniert wurde.

Am Tag ihrer Ordination sagte der Gastgeber zur Gemeinde: «Sie ist die Antwort auf unsere Gebete. Ihr müsst Verantwortung übernehmen. Ihr müsst sie beschützen. Ihr müsst euch um sie kümmern. Wenn irgendeine religiöse Behörde sie oder andere ehemalige Muslime unter uns verhaften würde, müssen wir als Kirche zu ihnen stehen. Das ist unsere Verantwortung.»

Stehen auch wir der Untergrundkirche in diesem verschlossenen Land Südostasiens zur Seite und beten wir für sie.

 

(1) In diesem verschlossenen Land in Südostasien sind Nicht-Muslime gesetzlich verpflichtet, zum Islam überzutreten, um ihren muslimischen Partner zu heiraten. Ansonsten gilt die Ehe als illegal und wird vor Scharia-Gerichten angeklagt. Folglich haben dies viele Christen getan. Wenn die Ehe auseinander bricht oder in Scheidung endet, stellen diese Konvertiten fest, dass sie nicht zum christlichen Glauben zurückkehren können. Sie werden für immer legal als Muslime registriert sein. Dies ist Teil des Islamisierungsprogrammes der Regierung.

 

Sarosas Kampf für ihren Glauben und ihre Familie

Precious* führte Sarosa zu Jesus, als sie wegen der Frauengeschichten ihres Mannes am Boden zerstört war. Sie lud Sarosa an dem Tag auf den Markt ein, an dem diese sich für das Vorhaben entschieden hatte, ihre Kinder und sich selbst zu töten. Doch die Anfänge ihres Glaubens waren nicht der Beginn einer Wohlfühlgeschichte. Ihr unsicherer Glaube an Gott wurde auf eine harte Probe gestellt. Ihr Mann kehrte zu ihr zurück, und dann kam der IS nach Marawi.

«Ich kochte Reis und vergiftete ihn. Ich wollte, dass meine Kinder und ich sterben. Wo war Gott? Warum war das Leben so schwer? Ich war kein schlechter Mensch. Ich liebte meinen Mann. Aber warum verließ er mich für all diese anderen Frauen?»

Precious kam zur richtigen Zeit. Sie lud Sarosa an diesem Tag auf den Markt ein und erzählte ihr von ‘Isa Almasih’ (Jesus Christus) und dass er sie und ihre Kinder liebe. Sarosa war berührt und gestand, was sie getan hatte. Sofort rannten die beiden zu ihr nach Hause; zum Glück hatten die Kinder den vergifteten Reis noch nicht gegessen. Sie warfen ihn weg.

Auf der Flucht vor dem Krieg

Doch Sarosa musste sich weiterhin vielen Herausforderungen stellen. Ihr Mann kehrte zu ihr zurück und sie hatte keine andere Wahl, als ihn zurückzunehmen. Ihr neu gefundener Glaube machte ihn ausgesprochen wütend.

Für Sarosa begann der Krieg mit einem Gerücht. Sie dachte, dass die örtlichen Stammesvorsteher am Kämpfen waren. Ihr Volk nannte es ‚Rido’, wenn ein heftiger Streit zu einem blutigen Faustkampf wurde. Aber das Gerede wurde lauter und überzeugter. «Marawi befindet sich im Krieg» sagten die Leute. «Flieht. Flieht jetzt.» Die Belagerung begann am 23. Mai 2017. Dieses Mal war es nicht Rido. Dieses Mal war es der Dschihad – ein heiliger Krieg.

Es war am Morgen des 26. Mai, als Sarosa beschloss, mit ihrer Familie in eine nahegelegene Stadt zu fliehen. Sie warf einen letzten Blick auf ihr Haus. Als Marawi eingenommen wurde, wurde ihr Haus niedergebrannt.

«Es war sehr schwierig für uns. Wir hatten nichts mitgenommen, nicht einmal ein einziges Reiskorn. Wir hatten nur die Kleider, die wir am Leib trugen. Als wir in der nahegelegenen Stadt ankamen, hatten wir nichts zu essen.»

«Während wir flohen, konnte ich nicht aufhören, an meine Sohn Muhamad* zu denken, der als Wachmann an der Universität arbeitet, die vom IS umstellt war.» Sie wusste, was der IS tut. Sie entführen, rekrutieren und töten. An einem Kontrollpunkt der Regierung flehte sie die Soldaten an, sie hineinzulassen. Sie wussten, dass der IS im Begriff war, ihn zu rekrutieren, also ließen sie sie hinein. Schließlich fand Sarosa ihn.

«Du hast mich verlassen. Jesus nicht.»

Als die Familie aus Marawi geflohen und in einem Flüchtlingslager angekommen war, begann Sarosa zu beten. «Wenn es wirklich wahr ist, dass du denen hilfst, die in Not sind, Jesus, dann gib uns bitte, was wir uns wünschen. Du siehst, was mit unserer Familie geschieht.»

«Mein Mann sah, dass niemand sichtbar war und fragte mich, mit wem ich spreche. Ich sagte, ich rede mit Jesus. Er sagte, ich sei verrückt, aber ich sagte zu ihm: ‚Es ist dir überlassen, ob du zu ihm betest oder nicht, aber ich werde beten... Für viele Jahre hast du mich verlassen. Jesus nicht. Du hast kein Recht, mir zu sagen, was ich glauben soll. Ich werde anbeten, wen ich will.’»

Sarosa hat Glück. Viele, die an Jesus glauben, werden von ihren Familien getötet, wenn sie von ihrem Glauben erfahren, oder von ihren Männern misshandelt, wenn sie so mit ihnen sprechen. Doch weil ihr Mann sie betrogen, 14 Jahre verlassen und dann angefleht hat, zu ihm zurückzukehren, sagt sie, dass er nichts tun kann, um ihren Glauben zu ändern.

Hoffnung auf die Zukunft

Der IS belagerte Marawi fünf Monate lang. Der Krieg ist vorbei, aber der Wiederaufbau ist noch in Gange. Sarosas Wunsch ist es, in ihre Heimatstadt zurückzukehren. «Ich hoffe, dass ich einen größeren Laden haben und zumindest einer meiner Söhne sein Studium abschließen kann. Das Wichtigste ist, dass meine Familie jeden Tag etwas zu essen hat.»

Im Januar 2018 nahm Sarosa an ihrem ersten SSTS-Verfolgungsseminar teil und im Mai wurde ihre provisorische Unterkunft von Open Doors repariert.

Beten wir, dass sie weiterhin an Gott festhält. Beten wir auch für ihre Glaubensgeschwister und alle Überlebenden der Belagerung, dass Jesus für sie real wird, so wie er für Sarosa real geworden ist. 

Mansuri hat den Mut, nicht unbemerkt zu bleiben

Mansuri war die älteste Tochter der Familie und der Augapfel ihres Vaters. Sie wurde Christin und lief weg, um ihren Mann Rahim, einen Gläubigen mit muslimischem Hintergrund, zu heiraten. Ihr Vater akzeptierte dies, aber er machte sich Sorgen um die beiden, wegen der Reaktionen der mehrheitlich muslimischen Gemeinschaft. Die Verfolgung brachte Mansuri und ihre Familie in die Landeshauptstadt Dhaka, wo sie Teil vom Schulungsprogramm von Open Doors wurden.

Rahims Familie war völlig gegen die Ehe. Sie nannten Mansuri eine ,schwarze’ Frau, weil ihre Haut als dunkel und sie somit als minderwertig galt. Doch obwohl seine Familie dagegen war, heiratete Rahim Mansuri, worauf er von der Familie verstoßen wurde. Deshalb blieb er bei Mansuri und ihrer Familie. «Es war ein unerwarteter Segen, denn Rahim nutzte die Gelegenheit, um das Evangelium mit meiner Familie zu teilen», sagt Mansuri.

Als Rahim Arbeit in einer christlichen Organisation fand, zogen sie in ihr eigenes Zuhause. Mansuri wurde vollzeitliche Hausfrau, die sich um die wachsende Familie kümmerte, zu der nun drei Kinder gehören. Daneben besuchte sie aber auch regelmäßig eine Gebetsgruppe.

Zu der Zeit gab es keine Kirche in der Gegend, sodass sich die etwa 20 Christen in Gebetsgruppen trafen. Mansuri taufte etwa sieben Frauen mit muslimischen Hintergrund. «Es war unangemessen, dass ein Mann eine Frau berührt, also baten sie mich, die Frauen stattdessen zu taufen.»

Verspottet und zur Umkehr gedrängt

Als christliche Konvertiten litt die ganze Familie unter Verfolgung. Ihre Kinder wurden in der Schule von den Lehrern und Schülern beleidigt und verspottet. Mansuri entschied sich, für ihre Rechte einzustehen, und suchte den Schulleiter und Klassenlehrer auf. Sie sagte zu ihnen: «Religion ist eine persönliche Angelegenheit. Wir haben das Recht, zu wählen. Warum werden meine Kinder so behandelt?» Schließlich wies der Lehrer die Schüler an, sie in Ruhe zu lassen.

Bei einem Familientreffen drängte Rahims Familie sie, zum Islam zurückzukehren. Doch sie weigerten sich vehement. Die Familie drohte, Rahim am nächsten Tag in die Moschee zu bringen; dies war ein Freitag, ein besonderer Gebetstag für Muslime. Stattdessen stand Rahim früh auf, um in einem anderen Dorf zu predigen.

Mansuris Schwiegereltern drängten auch ihre Kinder, zum Islam zurückzukehren, und sprachen schlecht über ihre Eltern. Doch die Kinder blieben standhaft und sagten: «Wir werden unserem christlichen Glauben treu bleiben und wir lieben unsere Eltern.»

Zur Vergeltung bauten sie eine Toilette vor dem Haus der Familie. Solche Handlungen gelten heute als Norm, und es gilt als das Recht der muslimischen Mehrheit, die Minderheit von christlichen Gläubigen und Bekehrten zu schikanieren.

Eine Gelegenheit, zu wachsen

Aufgrund der Verfolgung zog die Familie in die Hauptstadt Dhaka. Dort konnte Rahim sich an einem christlichen Seminar einschreiben und erhielt nach drei Monaten ein Diplom. Mansuri nahm am «Annana» Jüngerschaftsprogramm von Open Doors teil, um die Bibel ausführlicher zu studieren, und schloss dieses 2016 ab.

Sie setzte das Gelernte in die Praxis um und startete selbst einen solchen Kurs. «Ich fand sieben christliche Familien, die lediglich den Gottesdienst am Sonntag besuchten. Also lud ich die Frauen einmal pro Woche zu mir nach Hause ein.» Später kamen mehr Frauen dazu und auch ihre Tochter nahm am Jüngerschaftskurs teil.

Mansuris Kursleiterin erzählt, dass Mansuri möglichst unbemerkt bleiben wollte, bevor sie zu Annana kam. Aber nun sieht sie, wie sie mutiger wird in ihrem Glauben und ihr Umfeld erreichen will.

Inspiriert von Jesus

Mansuri fing an, arme Familien in den Slums in ihrer Nähe zu besuchen. Sie nahm sechs Kinder zu sich nach Hause und gab ihnen Frühstück und brachte ihnen Bangla, Englisch und Mathematik bei. Letztes Jahr startete sie ihre erste Klasse in den Slums selbst, die von 18 Kindern besucht wird.

Zusammen mit den anderen Frauen aus ihrem Jüngerschaftskurs setzen sie das Gelehrte in die Praxis um. Und das Beste ist: Sie sehen, wie im Leben derer, für die sie beten, Wunder geschehen. Wie eine gelähmte Frau, für die sie zwei Jahre lang beteten, und die nun wieder gehen kann.

Omar und Cecilia: Ein mutiges Ehepaar

In vielen indigenen Stämmen wird gewaltsam gegen das Evangelium vorgegangen. Omar* und seine Frau Cecilia* haben Verfolgung auf verschiedenste Arten erlebt.

Sie wurden gewaltsam von ihrem Land vertrieben, kamen vor Gericht, wurden enteignet und erhielten unzählige Todesdrohungen. Trotzdem sagen sie: «Wir werden in den indigenen Gemeinschaften weiterhin von Jesus erzählen. Wir machen das so lange, bis Gott uns zeigt, dass wir aufhören sollen. Bisher hat er uns gesagt, dass wir weitermachen sollen.» Das Ehepaar ist seit zehn Jahren im Stamm der Wounan in der Pazifikregion Kolumbiens tätig. Sie erzählen von der Liebe Gottes, engagieren sich für die Schulbildung der Kinder und führen Gesundheits- und Sozialprogramme durch.

Die Angriffe gegen sie gehen von zwei Seiten aus: Einerseits von den traditionellen Stammesführern. Diese wollen am animistischen Glauben und dem Schamanismus festhalten. Andererseits wurden sie schon von kriminellen, bewaffneten Gruppen angegriffen.

Die Christen in diesem Stammesgebiet haben kein Kirchengebäude, wo sie sich treffen können. Der Versuch, eine Kirche zu bauen, wurde von Stammesautoritäten gewaltsam unterbunden. So treffen sich diese indigenen Christen in einem Privathaus.

In jüngster Zeit nimmt der Druck auf Omar und Cecilia noch mehr zu. Sie wurden aus der Gemeinschaft ausgestossen. Und sie erhielten einen Brief von den Stammesführern. Darin wird ihnen mit Folter gedroht, falls sie das Stammesgebiet wieder betreten. Doch das mutige Ehepaar lässt sich dadurch nicht aufhalten. Sie setzen sich weiterhin auf vielfältige Art für das Wohlergehen der Wounan ein.

*Decknamen

Agustina, verfolgt durch Stammesführer

Agustinas* Zuhause liegt abgelegen im Bergregenwald von Nordkolumbien. Seit zehn Jahren ist sie Christin und seit zwei Jahren verbreitet sie das Evangelium in abgelegenen Orten im Urwald, wo es für Weisse verboten ist hinzugehen.

In Kolumbien wird den indigenen Stämmen durch die Verfassung grosse Autonomie gewährt. In diesen Gebieten herrschen Stammesautoritäten. Diese stellen sich gegen das Christentum und seine Repräsentanten. Agustina und ihr Mann Hector* waren deswegen bereits im Gefängnis.

Die Verkündigung des Evangeliums wird in vielen Stämmen als Angriff gegen ihre Kultur interpretiert. Dabei stützen sich Stammesälteste auf entsprechende Gesetzesartikel, durch die ihre Kultur vor fremden Einflüssen geschützt werden soll. Darum leiden indigene Christen in diesen Gebieten unter starker Verfolgung. Trotzdem setzen sich Agustina und Hector dafür ein, die Gute Nachricht von Jesus in indigenen Gemeinschaften bekannt zu machen. Agustina erzählt: «Wir machen uns in der Nacht auf und gehen zu Fuss durch den Dschungel. Dabei versuchen wir, keinerlei Geräusch zu verursachen. Tagsüber verstecken wir uns. Wenn wir dort sind, treffen wir uns im Geheimen in einem Haus von Leuten, von denen wir in Erfahrung gebracht haben, dass sie am Evangelium interessiert sind.»

Open Doors unterstützt die Familie von Agustina und Hector finanziell. Zwei ihrer grösseren Kinder leben aus Sicherheitsgründen in einem der beiden von Open Doors betriebenen Kinderzentren. Dort schliessen sie ihre Schulausbildung ab und beschäftigen sich mit dem christlichen Glauben.

*Deckname

Sara, ehemalige Guerillakämpferin

Sara gehörte früher den FARC-Kämpfern an. Die FARC und andere Guerillagruppen waren bekannt dafür, dass sie Mädchen aus armen Verhältnissen rekrutierten.

Rund 40% der FARC-Rebellen waren weiblich. Die Mädchen und jungen Frauen wurden mit falschen Versprechungen gelockt. Doch dann gingen sie durch die Hölle. Sie erlebten Gewalt und Unterdrückung. Sara erzählt: «Wir mussten ein Leben führen, das wir nicht gewählt hätten. Unsere Puppen wurden durch Gewehre ausgetauscht. Wir mussten kämpfen. Ausserdem wurden wir sexuell missbraucht. Das alles hat uns innerlich kaputt gemacht.»

Im Jahr 2016 vereinbarte die kolumbianische Regierung mit der grössten Guerilla, der FARC, einen endgültigen Waffenstillstand. Viele ehemalige Kämpferinnen und Kämpfer haben danach einen Weg zurück in die Gesellschaft gefunden. Doch in einigen abgelegenen Gebieten Kolumbiens haben noch immer Rebellengruppen und die Drogenmafia die Kontrolle. Das stellt eine Gefahr dar für alle Menschen in diesen Regionen. Besonders gefährdet sind engagierte Christinnen und Christen, welche kriminelle Praktiken offen verurteilen. 

Bhutan: Nengboi

Ein Gespräch von Frau zu Frau mit Nengboi

Nengbois Mann, Pastor Tandin, war mehrere Monate im Gefängnis. Entgegen aller Voraussagen ist er Anfang des Jahres freigelassen worden. Open Doors hat mit Nengboi gesprochen und sie gebeten, die Gefangenschaft ihres Mannes aus ihrer Sicht zu schildern:

"Wie war es für dich, als du von Tandins Verhaftung erfahren hast?"

"Wir waren schockiert. Wir hatten nicht damit gerechnet. Zu dem Zeitpunkt warteten wir zu Hause auf Tandin mit dem Essen. Dann erfuhren wir von seiner Verhaftung. Wir konnten nichts mehr tun oder sagen, wir beteten einfach zu Gott."

"Wie hast du die Zeit erlebt, als Tandin im Gefängnis war?"

"Die Zeit seiner Abwesenheit war wirklich schwierig für mich. Plötzlich war ich alleinerziehende Mutter unserer drei Kinder Kuenrab (8), Phuensum (5) und Jetsan (2). Das Herausforderndste waren die Fragen der Kinder: "Wo ist Papa? Wann wird er zurückkommen?" Ich konnte die Leere in ihren Augen sehen und nahm ihre Gefühle sehr deutlich wahr. Als Mutter war es sehr schwierig, damit umzugehen.

Eine andere ernste Situation erlebte ich, als alle drei Kinder krank wurden. Ich musste ein Kind vorne tragen, eines auf dem Rücken und eines in den Armen halten, als wir auf das Taxi warteten, das uns zum Arzt brachte. Aber Gott half uns, indem er uns Frieden gab. Seitdem Tandin zurück ist, ist die Freude wieder zurückgekeht in unsere Familie. Die Kinder sind viel gelöster und glücklich."

"Wie hat denn die Kirche reagiert, als sie erfuhr, dass Tandin verhaftet worden war?"

"Einige meiner Freunde sprachen mir Hoffnung zu durch Bibelworte. Gleichzeitig malten andere Leute aus der Gemeinde ein sehr düsteres Bild von der Zukunft, was mich eher entmutigte. Sie sagten, wer einmal in die Hände der Regierung falle, würde nicht mehr so leicht herauskommen."

"Was hat dich denn in diesen Zeiten ermutigt?"

"Das Wort Gottes sprach sehr treffend zu mir. Ich entdeckte, wie stark Gebet wirkt. Wir begannen sogar mit den Kindern zu singen: "Papa wird diesen Fall gewinnen." Ganz besonders stärkten mich die Karten, die uns erreichten. Unglaublich wie viele Leute für uns gebetet haben! Vor allem die Bibelverse sprachen zu mir. Die Leute schickten uns wirklich sehr konkrete Worte aus der Bibel. Wir danken Gott dafür! Durch diese Situation habe ich die Einheit, die wir in Christus haben, direkt erlebt. So viele Brüder und Schwestern begleiteten uns im Gebet und zeigten ihre Unterstützung durch die Karten. Die Worte aus 1. Korinther 12, 26 haben seitdem mein Herz erfüllt: "Wenn darum ein Glied leidet, leiden alle Glieder mit; wenn ein Glied geehrt wird, freuen sich alle anderen mit ihm."