Im Juli 2021 veröffentlichte die London School of Economics (LSE) einen Bericht über die systematische Kampagne der gewaltsamen nationalistischen Verfolgung von Christen in Indien (LSE– Juli 2021).
 

Einige der Eckpunkte aus dem Bericht kurz zusammengefasst: 
  • Das tägliche Leben vieler christlicher und muslimischer Gemeinschaften, sowohl im städtischen als auch im ländlichen Indien, ist zu einem erbitterten Ringen darum geworden, einerseits den Lebensunterhalt zu verdienen, den Glauben zu praktizieren und andererseits am Leben zu bleiben und sich gleichzeitig vom Radar der rechtsextremen Hindutva-Organisationen fernzuhalten, die heute die indische Öffentlichkeit und Politik dominieren.   
  • In den christlichen Gemeinden, die wir besuchten, herrscht eine Atmosphäre, die von tiefem Trauma, Furcht und Angst geprägt ist, sowohl in ländlichen Gebieten als auch in mittelgroßen Städten und Dörfern sowie am Rand der Großstädte. Diese Ängste und Befürchtungen beruhen auf dokumentierten Erfahrungen von Ausgrenzung, Diskriminierung, Belästigung, Mobbing, Einschüchterung, Gewalt und Ungerechtigkeit.   
  • Diese Probleme stehen sowohl in direktem Zusammenhang mit dem Glauben - da sich Diskriminierung und Gewalt gegen diejenigen richten, die kleine, aber auffällige Symbole ihres Glaubens tragen, die Bibeln besitzen, die versuchen, sich zum Beten zu versammeln oder religiöse und/oder sogar säkulare Ereignisse wie Weihnachten, das Zuckerfest oder sogar Silvester feiern, oder von denen bekannt ist, dass sie in einer bestimmten örtlichen Kirche oder Moschee beten - als auch verstärkt verbunden mit anderen Merkmalen, wie Kasten- oder Stammesstatus, Geschlecht und politische Orientierung.   
  • Das Aufkommen von Covid-19 hat die Diskriminierung von Minderheiten verstärkt. Wiederholt wurden in klassischen Medien wie auch auf Social-Media-Plattformen und Apps Bilder und Berichte veröffentlicht, die eine Verunglimpfung von Muslimen und Christen beinhalten. Insbesondere wurde bekannt, dass sich manche weigern, eine Blutspende von einem Angehörigen dieser Minderheiten zu erhalten oder sich zum Beispiel von muslimischen Ärzten behandeln zu lassen. Unter anderem wurde behauptet, dass Christen absichtlich Hindus infizieren.  
  • Die Rolle von klassischen Medien und Social Media. Die Verbreitung von Gewalttaten über Social-Media-Plattformen ermöglicht es den Tätern, sich gegenüber anderen Hindutva-Gruppen und Politikern als mutige Hindu-Nationalisten zu präsentieren und ihren Ruf als Beschützer des Hinduismus zu festigen. Das dient auch als Mittel der Einschüchterung gegen religiöse Minderheiten, um sie von der Ausübung ihres Glaubens abzuhalten. Hinzu kommt, dass die Mainstream-Medien bei Vorfällen von Gewalt und Diskriminierung routinemäßig die Geschichten der Opfer aus ihrer Berichterstattung ausschließen. In einigen Fällen, wenn es nicht möglich ist, den Vorfall gegen religiöse Minderheiten zu wenden, berichten die Medien einfach nicht über den Vorfall.

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